Ein Abhängiger spritzt sich Heroin | Bildquelle: dpa

Jahresbericht 2016 Mehr Drogentote in Deutschland

Stand: 08.05.2017 11:48 Uhr

Es ist ein Trend, der sich seit 2012 fortsetzt: Im vergangenen Jahr sind wieder mehr Menschen an ihrem Drogenkonsum gestorben. Insgesamt waren es 1333 Menschen - neun Prozent mehr als 2015. Vor allem Designerdrogen waren öfter tödlich.

Im vergangenen Jahr sind 1333 Menschen in Deutschland an ihrem Drogenkonsum gestorben. Das waren neun Prozent mehr als im Vorjahr, wie aus dem Jahresbericht 2016 zur Rauschgiftkriminalität hervorgeht.

Den Bericht stellten die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, und der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Holger Münch, in Berlin vor. 2015 war die Zahl der Drogentoten um 18,8 Prozent auf 1226 gestiegen. Ein Jahr zuvor waren es 1032, im Jahr 2013 noch 1002 Drogentote. Bis 2012 ging die Opferzahl zurück.

Zusammensetzung von Designerdrogen oft nicht bekannt

Besonders stark stieg die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit dem Konsum sogenannter Designerdrogen. 2016 wurden demnach 98 Todesfälle durch sogenannte Legal Highs registriert, das waren fast dreimal so viele im Jahr davor. 2015 starben 39 Menschen infolge des Konsums solcher neuer psychoaktiver Stoffe (NPS), die meist über Onlineshops als vermeintlich unbedenkliche Kräutermischungen, Badesalze, Lufterfrischer oder Pflanzendünger deklariert und verkauft werden. Ihre Zusammensetzung ist oft nicht bekannt, was hohe Risiken für die Konsumenten birgt.

"Dass die Drogentotenzahlen zum vierten Mal in Folge angestiegen sind, ist keine gute Nachricht", erklärte Mortler. Problematisch seien die immer größere Bandbreite verfügbarer Substanzen und der zunehmende Mischkonsum. Bei der Prävention müsse daher deutlich früher angesetzt werden, erklärte Mortler. Bei den im Zusammenhang mit Designerdrogen registrierten Drogentoten wurden demnach 2016 erstmals auch die Todeszahlen durch synthetische Opioide, das sind synthetische Schmerzmittel, erfasst. Werden sie wie im Jahr 2015 aus der Statistik herausgerechnet, bleiben immer noch 76 Drogentote im vergangenen Jahr.

"Ein 'Weiter so' kann es nicht geben"

Die Gründe für den Anstieg der Drogentoten sind Experten zufolge auch eine steigende Stoffqualität und sinkende Preise. Der Geschäftsführer der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen, Raphael Gaßmann forderte ein Umdenken in der Drogenpolitik. "Dass die Substanzen immer reiner und preiswerter werden, zeigt, dass wir mit der Verbotspolitik an diesem Ende nicht weiter kommen", sagte Gaßmann. Für Bundes- und Länderregierungen bestehe längst dringender Handlungsbedarf, ein "Weiter so" könne es nicht geben. "Wir brauchen fachpolitische Lösungen", sagte der Suchtexperte. Seit Jahren steige die Zahl der Drogentoten wieder, seit Jahren klagten Politiker darüber. "Aber es ändert sich nichts", sagte Gaßmann.

Die gesundheitliche Versorgung von Suchtkranken etwa in Gefängnissen müsse besser werden. Viele der Drogentoten seien abhängige Häftlinge gewesen. Einige würden schon kurz nach ihrer Entlassung an einer Überdosierung sterben, weil sie im Gefängnis nicht oder nur unzureichend mit beispielsweise dem Heroin-Ersatzstoff Methadon versorgt würden.

Über dieses Thema berichtete am 08. Mai 2017 Deutschlandfunk um 09:30 Uhr und tagesschau24 um 12:30 Uhr.

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