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29.05.2012

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Synthetische Drogen: Trip mit offenem Ausgang
Synthetische Drogen

Trip mit offenem Ausgang

Sie heißen Spice, Lava Red oder Vanilla Sky. Synthetische Drogen haben meist ausgefallene Namen und riskante Nebenwirkungen. In Deutschland sind es meist junge Männer, die chemisch veränderte Drogen rauchen, schlucken oder spritzen. Die Bundesdrogenbeauftragte warnt vor den Gefahren. tagesschau.de hat Hintergrundinformationen zusammengestellt.

Von Florian Pretz für tagesschau.de

Beschlagnahmte Ecstasypillen (Foto: dpa) [Bildunterschrift: Pillen, Puder, Klumpen. Synthetische Drogen werden in vielen Formen verkauft. Sie werden geraucht, geschluckt oder gespritzt. ]
"Auf einmal überkam mich eine Dampfwalze. Es klatscht einen nicht an den Nordpol, aber durchaus bis Schweden" - im Internetforum beschreibt "xHighx" das Ergebnis von Lava Red - einer der neuen synthetischen Drogen, die er sich online für etwa zehn Euro bestellt und dann geraucht hatte. Mit anderen tauscht er sich in seinem Tripbericht über Wirkung, Anwendung und Beschaffung der Drogen aus. Deutschlandweit haben bereits 400.000 Menschen synthetische Drogen konsumiert, schätzt die Bundesdrogenbeauftragte Mechthild Dyckmans (FDP).

Wahnzustände, Aggressionen

Nach dem Rausch droht aber die Notaufnahme. Konsumenten wurden mit Wahnzuständen oder Aggressionen ins Krankenhaus gebracht. Allein im vergangenen Jahr wurden im Raum Freiburg 50 Menschen mit solchen Nebenwirkungen eingeliefert. Auf der Jahrestagung der Drogenbeauftragten wird heute diskutiert, welche Produkte zu derartigen Ausfällen führen.

Mechthild Dyckmans Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Die Drogenbeauftragte Mechthild Dyckmans (FDP) ist besorgt über die Verbreitung synthetischer Drogen. ]
Mit dabei ist auch Volker Auwärter. Der Toxikologe der Uni Freiburg führt unter anderem Bluttests für Polizei und Staatsanwaltschaft durch und findet dabei die Spuren der synthetischen Drogen. Mit seinen aufwändigen Tests identifiziert er auch die Substanzen, die bei herkömmlichen Überprüfungen nicht gefunden werden. Sein Eindruck: "Synthetische Drogen sind besonders interessant für junge Erwachsene, deren Arbeitgeber einen Drogentest durchführen." So könnten sie einer Entdeckung entgehen.

Das bestätigen auch aktuelle Umfragen der Drogenbeauftragten. Der typische Konsument synthetischer Drogen ist männlich, im Durchschnitt 24 Jahre alt und hat eine überdurchschnittlich gute Schulbildung.

Ersatz für Cannabis

Der Inhalt einer Tüte der Modedroge Spice. (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Spice: Die Kräutermischung war lange legal zu kaufen. Mittlerweile ist Spice verboten. ]
Grundsätzlich wird zwischen zwei Arten synthetischer Drogen unterschieden: "Badesalze" und synthetische Cannabinoide. Besonders Cannabinoide sind in Deutschland verbreitet. Sie werden als Ersatz für Cannabis verwendet, haben aber eine stärkere Wirkung. Spice oder Lava Red heißen die Produkte. Weil jedes Produkt anders wirkt, ist die Dosierung schwierig. Deshalb hält der Wissenschaftler Volker Auwärter die synthetischen Cannabinoide für gefährlich.

"Badesalze" dagegen sind Drogen wie Ecstasy oder Vanilla Sky. Ihren Namen haben diese Wirkstoffe, weil sie als Pulver oder Tabletten in badesalzähnlichen Verpackungen verkauft werden. Sie machen besonders aktiv, teilweise aber auch aggressiv. In Süddeutschland wurde ein Jugendlicher von der Polizei aufgegriffen, der erst eine solche "Badesalz"-Droge konsumiert hatte und dann im Verfolgungswahn mehrere unbeteiligte Passanten verprügelt hatte. Noch schlimmere Folgen hatten die halluzinatorischen Drogen für einen 21-jährigen Jungen in den USA. Er nahm sich im Wahn das Leben.

Statistik:

Spritzbesteck eines Drogenkonsumenten (Foto: picture-alliance / dpa)
In Deutschland starben im vergangenen Jahr 1237 Menschen nach Drogenkonsum. Das sind 94 (7%) weniger als noch 2009 und bedeutet den niedrigsten Stand seit zehn Jahren. Die meisten Drogentoten starben nach einer Überdosis Heroin (529 Menschen). Die größte Zahl der Drogentoten war älter als 30 Jahre.
 

Gesetzeslücke erschwert generelles Verbot

Deshalb will Dyckmans die Rechtslage verbessern. Mit einem Gutachten des Gesundheitsministeriums soll geprüft werden, wie die momentane Gesetzeslage verbessert werden kann. Der Markt für synthetische Drogen ist der Rechtsprechung deutlich voraus.

Wie bei einem Baum mit Stamm, Ästen und Blättern sind synthetische Drogen aus einer Kette chemischer Verbindungen aufgebaut. Die Gesetzeslage in Deutschland erlaubt es nur, eine genau definierte chemische Verbindung zu verbieten. Wird diese chemische Verbindung am Ende, also in ihren kleinsten Verästelungen, verändert, ist sie laut Betäubungsmittelgesetz ein anderes Produkt.

Diesen Umstand nutzen Produzenten synthetischer Drogen. Sie "designen", also verändern, die chemische Verbindung minimal, sobald ein Verbot des ursprünglichen Produkts in Kraft getreten ist. Dieser Schritt findet häufig im Ausland statt. Besonders Südostasien gilt als Herkunftsregion von Designerdrogen.

Beliebteste Droge der Welt

Trotz neuer synthetischer Drogen ist weltweit Cannabis die am weitesten verbreitete illegale Droge. Die UNO geht in ihrem Drogenbericht davon aus, dass etwa 200 Millionenen Menschen regelmäßig Cannabis konsumieren. Diese Popularität unterstreicht auch der Kommentar von "xHighx" unter seinem Tripbericht Lava Red: "Räuchermischungen werden Gras keinesfalls verdrängen".

Stand: 11.10.2011 16:48 Uhr
 

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