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Bilanz nach zehn Jahren Das Dosenpfand hat das eigentliche Ziel verfehlt

Stand: 01.01.2013 09:13 Uhr

Vor zehn Jahren wurde das Pfand auf Einwegflaschen und Dosen eingeführt - mit dem Ziel, dass die Verbraucher häufiger zu Mehrwegflaschen greifen. Doch das Gegenteil ist passiert: Die Mehrwegquote in Deutschland ist zurückgegangen.

Von Laura Will für tagesschau.de

Die Idee war simpel und nachvollziehbar. Ein Pfand auf Getränkedosen und Einwegverpackungen soll zum verstärkten Verkauf von Getränken in Mehrwegverpackungen führen. Ziel des damaligen Bundesumweltministers Jürgen Trittin war es, mit dem 2003 eingeführten Einwegpfand die Mehrwegquote von 60 auf 72 Prozent zu steigern.

Die Händler waren von dieser Idee nicht begeistert. Bis vor das Bundesverfassungsgericht zogen sie - und scheiterten. Auch die Verbraucher waren verwirrt. Galt das Pfand zunächst nur für Mineralwasser, Bier und kohlensäurehaltige Erfrischungsgetränke, folgte 2005 ein Pfand auf alle Einweggetränkeverpackungen von 0,1 bis 3 Litern, Getränkekartons ausgenommen. Noch dazu konnten anfangs die Kunden ihre Flaschen nur dort zurückgeben, wo sie sie gekauft hatten.

2004 wurde das Pfandsystem erleichtert: Verbraucher dürfen Einwegflaschen und Getränkedosen überall zurückgeben. So funktioniert das deutsche Pfandsystem bis heute. Lediglich kleinere Läden sind von dieser Rücknahmepflicht befreit.

Mehrwegquote zurückgegangen

Geändert hat sich viel, gebracht für die Mehrwegquote hat es nichts. Im Gegenteil: Die Mehrwegquote ist nach Angaben des Bundesumweltministeriums auf unter 50 Prozent gesunken statt auf über 70 Prozent zu klettern. Aber: "Es gibt einen Teilerfolg beim Bier, hier ist der Anteil an Mehrwegverpackungen seit 2003 um 20 Prozent gestiegen", sagt Thomas Fischer von der Deutschen Umwelthilfe.

Insgesamt habe sich das Einwegpfand auf die Umwelt positiv ausgewirkt. "Es liegt weniger Müll in den Städten herum", sagt Fischer und ergänzt: "Die Einwegverpackungen werden jetzt getrennt gesammelt und recycelt. Das ist umweltfreundlicher als die vorherige Sammlung über den Gelben Sack oder die Abfallverbrennung." Dennoch sei Mehrweg immer noch die umweltfreundlichere Alternative.

Dass das Einwegpfand seine angestrebte Wirkung bei den alkoholfreien Getränken verfehlte, hat mehrere Gründe. "Der niedrige Preis, zum Beispiel beim Mineralwasser in PET-Flaschen, ist nicht mehr das zentrale Argument. Vielmehr spielen demografische Faktoren und geänderte Konsumgewohnheiten eine Rolle", sagt Günter Birnbaum von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Bei vielen Menschen passe aufgrund der aktuellen Wohnsituation das Mehrwegsystem nicht.

"In einer Mietwohnung in der Innenstadt mit Treppen schleppt keiner die Glasflaschen nach oben", sagt Birnbaum. Zudem würden die Menschen immer älter und daher leichte Plastikflaschen im Multipack den schweren Getränkekisten vorziehen.

Archiv: Einführung des Dosenpfands - tagesschau vom 20. März 2002
tagesschau 20:00 Uhr, 20.03.2002, B. Abold, BR

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Pfand ist nicht gleich Pfand

Für Sepp Gail vom Verband des Deutschen Getränke-Einzelhandels gibt es ein grundlegendes Problem. "Die Verbraucher erkennen nicht, ob sie eine umweltfreundliche Plastikmehrwegflasche kaufen oder eine Einwegflasche." Zudem hätten die Menschen gelernt, Pfand bedeute automatisch Mehrweg, kein Pfand Einweg. Ob die Flasche nach der Rückgabe im Automaten recycelt oder neu befüllt wird, wüssten die Käufer meistens nicht.

Außerdem feiert die Getränkedose nach zehn Jahren ihr Comeback. War sie zu Beginn des Einwegpfands fast komplett aus den Regalen verschwunden, wurden nach Angaben des Dosenhersteller-Verbandes BCME im vergangenen Jahr mit 1,1 Milliarden so viele Dosen verkauft wie seit zehn Jahren nicht mehr.

Altmaier-Vorstoß für mehr Mehrweg

Bundesumweltminister Peter Altmaier will jetzt gegensteuern - und den Verkauf der Mehrwegflaschen stärken. Geschäfte sollen mit deutlichen Schildern an den Regalen auf Einwegflaschen hinweisen. "Wir wollen, dass man auf den ersten Blick erkennt: Kaufe ich eine Einwegflasche oder eine Mehrwegflasche?", sagt Altmaiers Sprecher Ingo Strube. Eine entsprechende Verordnung solle noch vor der Bundestagswahl verabschiedet werden. Nach Schätzungen des Verbands des Deutschen Getränke-Einzelhandels würde die Einführung einer Kennzeichnung rund sechs Millionen Euro kosten. "Trotz der Kosten halten wir die Schilder für die richtige Lösung", sagt Verbandssprecher Sepp Gail.

Stefan Hertel vom Handelsverband HDE ist dagegen: "Mit der Kennzeichnung auf separaten Schildern werden die Händler einseitig belastet." Eine Kennzeichnung auf der Flasche sei die bessere Variante.

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