Geschichte des Dopings Stierhoden, Fliegenpilze und chemische Wunderpillen

Stand: 30.10.2007 20:42 Uhr

Anabolika, Epo, Diuretika, Wachstumshormone – chemische Wunderwaffen gehören zum Bild des Spitzensports im 21. Jahrhunderts. Die Berichte über Sportler, die im Kampf um den Sieg verbotene Substanzen konsumieren, nehmen kein Ende. Aber: Doping ist kein Phänomen unserer Zeit.

Von Maren Rehse für tagesschau.de

Erste Dopingmittel

Antiker Olympionik
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Bereits die Olympioniken in der Antike versuchten ihre Leistungen zu steigern. Stierhoden waren ein beliebtest "Dopingmittel".

Bereits in der Antike haben Sportler versucht, ihre Leistung gezielt zu steigern. Das geschah in der Regel durch die Ernährung. Die Olympioniken hielten sich an strenge Diäten. Vor allem Fleisch stand auf dem Speiseplan. Stierhoden sollten die Kraft der Sportler steigern, Ziegenfleisch die Ausdauer. Der römische Kaiser Cäsar verordnete seinen Soldaten kohlenhydratreiche Kost, damit sie bei langen Märschen besser durchhielten. Auch die berauschende Wirkung des Fliegenpilzes war bereits bei den Germanen und anderen alten Völkern bekannt.

Die Inkas tranken während des europäischen Mittelalters Mate-Tee und Kaffee und kauten Coca-Blätter, insbesondere um ihre Laufleistung zu steigern.

Der Dopingbegriff

Der Begriff "doop" hat seinen Ursprung im 17. Jahrhundert in der Sprache der Eingeborenen in Südafrika. Sie bezeichneten damit einen Schnaps, der den Kreislauf und das Nervensystem anregte. Die weißen Einwanderer, Buren und später die Engländer, übernahmen den Begriff und kennzeichneten damit generell ein Getränk mit stimulierender Wirkung.

Aus England stammt auch der erste Eintrag des Begriffs „Doping“ in einem Lexikon. Im Jahr 1899 bezeichnete er ein leistungssteigerndes Mittel aus Opium und Narkotika, das Sportpferden verabreicht wurde. Doping im Pferdesport hatte in Großbritannien mit leistungsmindernden Substanzen Anfang des 19. Jahrhunderts begonnen. Sportler vergifteten dabei immer wieder die Pferde der Gegner. Ende des Jahrhunderts begann das leistungssteigernde Doping der Tiere.

Doping im 19. und 20. Jahrhundert in Europa

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden allmählich flächendeckend chemische Substanzen zur Leistungssteigerung verbreitet. Im Jahr 1865 gab es Kanalschwimmer in den Niederlanden, die vor dem Schwimmen verbotene Substanzen einnahmen.

Schon früh wurde Doping im Radsport populär. Erste registrierte Fälle liegen aus dem Jahr 1879 vor. Um die Jahrhundertwende waren Koffein, Kokain, Morphin oder Strychnin viel verwendete Substanzen. Einige Sprinter setzten während der Radtouren auch auf alkoholhaltige Mixturen und auf Nitroglycerin.

1904 gab es in St. Louis den ersten registrierten Fall von Doping in der Geschichte der Olympischen Spiele. Bei großer Hitze wollte der Marathonläufer Thomas Hicks nach zwei Dritteln der Distanz wegen Erschöpfung aufgeben. Sein Trainer verabreichte ihm mehrmals eine Mischung aus Eiweiß, Brandy und Strychnin. Hicks gewann die Goldmedaille. Gegen Doping wurde damals noch nicht vorgegangen.

Das änderte sich erst in den 60er Jahren. Organisatoren erkannten vermehrt die Gefahr von leistungssteigernden Substanzen und wollten sie aus dem Sport verbannen. Dopingkontrollen bei internationalen Wettkämpfen wurden erstmals im Jahr 1967 durchgeführt. Erste Kontrollen bei den Olympischen Spielen gab es 1968.

Staatliches Doping

Systematisches Doping von Leistungssportlern - dafür ist vor allem die Sowjetunion in den 70er und 80er Jahren bekannt geworden. Damit sie bei internationalen Wettkämpfen glänzen konnten, bekamen die jungen Sportler Dopingmittel vom Staat.

In der DDR wurden bis zu 10.000 Athleten so genannten "unterstützende Mitteln" verabreicht, in der Regel ohne die Sportler davon in Kenntnis zu setzen. Besonders häufig wurde das Anabolikum "Oral-Turinabol" eingesetzt. Die Einnahme zog oft schwere Nebenwirkungen nach sich, wie Leberschädigungen, bei Frauen oft auch Unfruchtbarkeit. Mehrere Sportler starben an den Folgen des Dopings.

Erste Todesopfer im Sport

Die Gefahren von leistungssteigernden Substanzen wurden vielen erst bewusst, als die ersten Todesfälle in Folge von Doping bekannt wurden. So starb bereits 1896 der britische Radrennfahrer Tom Linton bei einem Radrennen über 600 Kilometer von Bordeaux nach Paris. Sein Manager soll ihm ein Stärkungsmittel falsch dosiert haben.

Bei den Olympischen Spielen gab es 1960 ein Todesopfer. Radrennfahrer Knut Jensen aus Dänemark nahm vor dem Rennen Amphetamine zu sich. In der Folge bekam er während des Rennens einen Kreislaufkollaps und fiel vom Rad. Er starb an schweren Schädelverletzungen. Auch Straßenweltmeister Tom Simpson starb 1967 bei der Tour de France an den Folgen von Amphetaminen.

Boxer Jupp Elze war der erste Deutsche, dessen Tod in Zusammenhang mit Doping gebracht wurde. Am 12. Juni 1968 fügte ihm sein Gegner Carlos Duran schwere Kopfverletzungen zu, ein Aufputschmittel verminderte jedoch Elzes Schmerzempfinden. Am Ende des Kampfes brach er bewusstlos zusammen und starb im Krankenhaus an Hirnblutungen.

Doping heute

Berichte über Dopingskandale im Leistungssport stehen inzwischen auf der Tagesordnung. Chemisch verbotene Substanzen sind längst nicht mehr nur im Spitzensport zu finden. Anabolika, Wachstumshormone und Nahrungsergänzungsmittel wie Creatin haben inzwischen die Bereiche Fitness und Bodybuilding durchdrungen. Doping ist damit auch ein Thema im Freizeitsport geworden.

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