Ursula von der Leyen | Bildquelle: dpa

Entscheidung der Medizinischen Hochschule Hannover Von der Leyen bleibt Frau Doktor

Stand: 09.03.2016 19:12 Uhr

Verteidigungsministerin von der Leyen darf ihren Doktorgrad "trotz klarer Mängel" behalten. Das hat die Medizinische Hochschule Hannover entschieden. Die Ministerin reagierte erleichtert auf die Entscheidung. Ihr war vorgeworfen worden, bei ihrer Dissertation abgeschrieben zu haben.

Ursula von der Leyen wird der Doktorgrad nicht aberkannt. Das hat die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) entschieden, die die Plagiatsvorwürfe prüfte. Es habe "kein durch Täuschungsabsicht geleitetes Fehlverhalten" gegeben, sagte der Präsident der MHH und Senatsvorsitzende Christopher Baum auf einer Pressekonferenz.

Die mit der Überprüfung der Doktorarbeit beauftragte Kommission "Gute Wissenschaftliche Praxis" und der Senat der MHH hätten allerdings übereinstimmend "klare Mängel" im Wesentlichen in der Einleitung der Arbeit gefunden, sagte Baum. "Wir sprechen von Fehlern, für die Frau Dr. von der Leyen als Autorin der Dissertation verantwortlich ist", fügte der Hochschulpräsident hinzu. "Konkret geht es um Fehler in der Form von Plagiaten, also Übernahme fremder Textpassagen, ohne die Originalautoren korrekt zu kennzeichnen."

Dennoch entschied der Senat Baum zufolge mit sieben zu eins Stimmen bei einer Enthaltung, dass die Verteidigungsministerin ihren Doktorgrad weiter führen darf. Kommission und Senat seien zu dem Schluss gekommen, "dass das Muster der Plagiate nicht für eine Täuschungsabsicht spricht", erläuterte Baum.

Von der Leyen behält ihren Doktorgrad
tagesschau 20:00 Uhr, 09.03.2016, Rüdiger Strauch, NDR

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Von der Leyen erleichtert

Von der Leyen hat sich erleichtert über die Entscheidung gezeigt. In einer ersten Reaktion übte sie aber auch Selbstkritik. "Teile meiner damaligen Arbeit entsprechen nicht den Maßstäben, die ich an mich selber stelle", hieß es in einer in Berlin veröffentlichten Erklärung. "Ich bin froh, dass die Universität nach eingehender Prüfung zum Schluss gekommen ist, dass meine Experimente für die medizinische Forschung relevant waren und die Arbeit insgesamt die wissenschaftlichen Anforderungen erfüllt." Von der Leyen hält sich derzeit in den USA auf. Am Abend soll sie eine Rede an der Universität Stanford halten, wo sie in den 90er-Jahren als Gasthörerin Veranstaltungen besuchte.

Plagiatsfundstellen auf 27 Seiten

Plagiatsjäger warfen von der Leyen schwere Regelverstöße in ihrer 1990 erschienenen medizinischen Doktorarbeit vor. Auf der Internetseite "Vroniplag" ist von Plagiatsfundstellen auf 27 von 62 Seiten der Dissertation die Rede. Von der Leyen hatte die Vorwürfe abgestritten. Sie selbst hatte ihre frühere Hochschule im August um eine Überprüfung der Arbeit gebeten. Das tat die Hochschule - ein halbes Jahr lang.

Die medizinische Doktorarbeit von von der Leyen aus dem Bereich Frauenheilkunde trägt den Titel: "C-reaktives Protein als diagnostischer Parameter zur Erfassung eines Amnioninfektionssyndroms bei vorzeitigem Blasensprung und therapeutischem Entspannungsbad in der Geburtsvorbereitung".

Merkel stellte sich hinter ihre Ministerin

Kanzlerin Angela Merkel hatte sich heute erneut hinter ihre Ministerin gestellt. Auf die Frage, ob von der Leyen auch ohne Doktorgrad noch das Vertrauen der Kanzlerin habe, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin: "Selbstverständlich. Die Ministerin ist eine hervorragende Verteidigungsministerin, was man gerade in diesen Tagen wieder beim Zustandekommen der NATO-Aktivitäten in der Ägäis gesehen hat."

In der Vergangenheit sahen sich mehrere Politiker mit Plagiatsaffären konfrontiert. So trat zum Beispiel Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) 2011 kurz nach Entzug seines Doktorgrads zurück.

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