Verkehrsminister Alexander Dobrindt | Bildquelle: dpa

Vor Diesel-Gipfel Dobrindt sieht "verdammte Verantwortung"

Stand: 30.07.2017 11:01 Uhr

Wenige Tage vor dem Diesel-Gipfel hat Bundesverkehrsminister Dobrindt die Auto-Industrie aufgerufen, sich ihrer Verantwortung zu stellen. Bundesumweltministerin Hendricks kündigte ein unbequemes Treffen an.

In der Dieselkrise der deutschen Autoindustrie hat Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) an die "verdammte Verantwortung" der Hersteller appelliert, "das Vertrauen wiederherzustellen und die begangenen Fehler zu beheben". Die Branche habe sich angesichts des Abgasskandals, millionenfacher Rückrufe und der jüngsten Berichte über ein mutmaßliches Kartell "in richtig schweres Fahrwasser" gebracht, sagte er der "Bild am Sonntag". Mittlerweile droht nach Einschätzung des Ministers auch ein Imageschadenschaden für deutsche Autos generell.

Mit Blick auf das für Mittwoch geplante Treffen der Autoindustrie und der Politik ("Diesel-Gipfel") bekräftigte Dobrindt die Erwartung, "dass die Fahrzeuge schnellstens auf Kosten der Hersteller optimiert werden". Motoren mit Euro-5- und Euro-6-Norm könnten mit neuer Steuerungssoftware deutlich verbessert werden. "Ich erwarte beim Gipfel dazu ein akzeptables Angebot der Automobilindustrie."

Hendricks: Kein Kaffeekränzchen

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) sagte in der ""Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung: "Wir werden den Autoherstellern einen Forderungskatalog vorlegen." Der Gipfel werde "kein gemütliches Kaffeekränzchen." Sie erwarte neben Software-Updates auch eine Nachbesserung der Hardware bei betroffenen Fahrzeugen auf Kosten der Hersteller.

Dies wiederum nannte der Präsident des Branchenverbandes VDA, Matthias Wissmann, in den Zeitungen der Funke-Mediengruppe "untauglich". In den meisten Fällen seien Hardware-Nachrüstungen technisch und wirtschaftlich nicht machbar, weil die Fahrzeuge schon viele Jahre alt seien.

Auch SPD-Generalsekretär Hubertus Heil, nahm die Autohersteller in die Pflicht. "Die Automobil-Hersteller stehen jetzt in allererster Linie in der Verantwortung für ihre Kunden und Verbraucher. Aus dieser Verantwortung darf der Staat sie nicht entlassen", erklärte er. Die Hersteller hätten viel Vertrauen zerstört und müssten nun auch finanziell dafür gerade stehen. Steuersenkungen für die Konzerne, wie CSU-Chef Horst Seehofer sie fordere, nannte Heil "absurd".

Zypries will EU-weite Regelungen

Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries ist gegen ein festes Datum für das Verbot von Verbrennungsmotoren in Deutschland. "Im Moment eine Jahreszahl wie 2040 festzulegen, ist weder sinnvoll noch zielführend", sagte die SPD-Politikerin den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Die britische Regierung plant, Verbrennungsmotoren von 2040 an zu verbieten und ganz auf Elektroantriebe zu setzen.

Zypries sagte: "Während in England kaum noch Autos gebaut werden, ist Deutschland einer der größten Automobilbau-Nationen der Welt mit über einer Million Arbeitsplätzen, die davon abhängen." Die Ministerin forderte "einheitliche Regelungen auf EU-Ebene". Zugleich äußerte Zypries Skepsis hinsichtlich des Plans, bis 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf deutsche Straßen zu bringen, diese Ziel sei sehr ambitioniert. Die Ministerin forderte eine gemeinsame Strategie von Politik und Automobilindustrie zur Förderung der Elektromobilität.

VW bereit, "Lage zu entschärfen"

Im Streit um drohende Fahrverbote ist nach Einschätzung von VW-Markenchef Herbert Diess bereit, die Lage zu entschärfen. "Niemand will wirklich Fahrverbote in den Städten", sagte der Manager der Deutschen Presse-Agentur. Volkswagen habe zwar wegen des Abgas-Skandals viel Vertrauen verloren. "Aber wir konnten unsere Marktposition zuletzt wieder stärken, und ich denke schon, dass wir 2018 für die Marke Volkswagen die Krise hinter uns lassen."

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 30. Juli 2017 um 07:04 Uhr.

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