Zwanziger | Bildquelle: picture-alliance/ dpa

Affäre um WM-Vergabe Hat Zwanziger an Vertuschung mitgewirkt?

Stand: 29.01.2016 18:00 Uhr

Der ehemalige DFB-Präsident Theo Zwanziger ist möglicherweise tiefer in ominöse Geschäfte rund um die WM 2006 verstrickt gewesen als bislang bekannt. Darauf deutet nach Informationen von NDR, WDR und SZ ein Dokument hin, das bei den Ermittlungen der Kanzlei Freshfields aufgetaucht ist.

Von Georg Mascolo und Christian Baars, NDR

Seit Monaten versuchen Anwälte von "Freshfields Bruckhaus Deringer" die Affäre rund um die WM 2006 aufzuklären. Sie arbeiten im Auftrag des DFB und wollen vor allem in Erfahrung bringen, wer wann von welchen Zahlungen gewusst hat - und welchen Zweck manch dubioser Geldtransfer tatsächlich erfüllte.

Handschriftliche Notiz von Zwanziger zu ominöser Zahlung

Bei ihren Ermittlungen stießen sie nach Informationen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" auf einen Vermerk vom 18. April 2005 mit einer handschriftlichen Notiz von Theo Zwanziger. Er war damals im WM-Organisationskomitee (OK) zuständig für die Finanzen. Und diese Anmerkung deutet darauf hin, dass Zwanziger daran mitgewirkt haben könnte, die Rückzahlung eines Kredits in Höhe von 6,7 Millionen Euro an den damaligen Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus zu verschleiern.

Der ehemalige DFB-Präsident Theo Zwanziger | Bildquelle: AP
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Zwanziger gerät durch die Ermittlungen unter Druck.

Diese Zahlung von 6,7 Millionen Euro steht im Zentrum der Affäre, die Zwanziger selbst ins Rollen gebracht hat. Er hatte im "Spiegel" den Verdacht geäußert, dass die Vergabe der WM 2006 möglicherweise gekauft worden sei und von einer schwarzen Kasse gesprochen, aus der FIFA-Funktionäre geschmiert worden sein sollen. Seitdem versuchen Ermittler von Freshfields und die Staatsanwaltschaft Frankfurt den Hintergrund dieser Zahlung zu erhellen. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt gegen Zwanziger und zwei weitere Beschuldigte wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung zu Gunsten des DFB. Korruption wäre längst verjährt.

"Wenn die FIFA was gibt, will sie auch was haben"

Nach den bisherigen Erkenntnissen hat der Weltfußballverband FIFA 2002 dem deutschen WM-OK einen Zuschuss in Höhe von 250 Millionen Schweizer Franken versprochen, im Gegenzug aber 10 Millionen Franken (= 6,7 Millionen Euro) gefordert. "Wenn die FIFA was gibt, will sie auch was haben", hat Franz Beckenbauer laut Unterlagen diesen Transfer kommentiert. Er war damals Präsident des Organisationskomitees und soll in einem Gespräch mit FIFA-Präsident Sepp Blatter den Deal besprochen haben.

Die 6,7 Millionen Euro hat allerdings nicht das OK bezahlt, sondern der frühere Adidas-Chef. Louis-Dreyfus hatte dem OK heimlich das Geld geliehen, Beckenbauer soll einen entsprechenden Schuldschein unterzeichnet haben. Vermutlich ist der Betrag dann in eine schwarze Kasse der FIFA geflossen. Knapp drei Jahre später forderte Louis-Dreyfus das Geld zurück. Das Problem für das OK war, dass das Darlehen nicht offiziell in der Buchhaltung auftauchte. Deshalb wurde die Rückzahlung über ein dazwischen geschaltetes FIFA-Konto abgewickelt, getarnt als Zuschuss für eine WM-Gala.

Verdacht gegen Ex-Präsident Zwanziger bei Ermittlungen zur WM-Vergabe
tagesschau 20:00 Uhr, 30.01.2016, Daniel Hechler, ARD Genf

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Betrag passend gemacht

Der Aufsichtsrat des OK erfuhr davon nichts. Allerdings wäre ein krummer Betrag wohl aufgefallen. Der damalige Bundesinnenminister Otto Schily (SPD), der im OK-Aufsichtsrat saß, hat schon vor Monaten auf eine Anfrage der SZ erklärt: "Wenn der Betrag von 6,7 Millionen Euro genannt worden wäre, hätte es vermutlich Nachfragen gegeben, wie er zustande kommt". Dementsprechend wurde er offenbar zunächst aufgerundet. In einem Protokoll der OK-Präsidiumssitzung vom 7. April 2005 heißt es: Das Präsidium stimme einer Zahlung an die FIFA in Höhe von sieben Millionen Euro "grundsätzlich" zu. Später soll Zwanziger 300.000 Euro für Personalkosten herausgerechnet haben. Dies geht aus dem Vermerk mit seiner Handschrift hervor.

Aus DFB-Kreisen heißt es deshalb nun, dies zeige, dass Zwanziger - anders als von ihm selbst dargestellt - in die ominöse Zahlung "tief involviert" sei. Zwanziger sieht das anders. Er weist die Vorwürfe zurück. Das sei "dummes Zeug", sagt er. Es handele sich um das "Geschwätz von DFB-Leuten". Auf Anfrage von NDR, WDR und SZ erklärte er, er habe erst nach der Überweisung der 6,7 Millionen Euro von dem eigentlichen Zweck der Zahlung erfahren. Der betreffende Vermerk belaste ihn nicht. Zum Steuerstrafverfahren sagt Zwanziger, die Verdachtsmomente gegen ihn seien falsch. Er werde sich "in Kürze bei der Staatsanwaltschaft äußern".

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