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Affäre um WM-Vergabe DFB hat dubiose Vorgänge systematisch vertuscht

Stand: 27.01.2016 18:10 Uhr

Der DFB hat dubiose Vorgänge um die Vergabe der WM 2006 viele Jahre lang systematisch vertuscht. Das belegen nach Informationen von NDR, WDR und SZ bisherige Ergebnisse der internen Ermittlungen durch die Anwaltskanzlei Freshfields. Sie untersucht im Auftrag des DFB die WM-Affäre und soll in den nächsten Wochen einen Bericht vorlegen.

Von Georg Mascolo und Christian Baars, NDR

Seit Monaten sichten die Ermittler der Anwaltskanzlei "Freshfields Bruckhaus Deringer" Unterlagen, die sie beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) gefunden haben. Sie sollen die dubiosen Vorgänge um die Vergabe der WM 2006 an Deutschland aufklären. Doch das scheint schwierig. Denn der DFB hat über viele Jahre hinweg eine systematische Vertuschung betrieben. Das belegen nach Informationen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" die bisherigen Ergebnisse der Ermittlungen von Freshfields.

"Hochreck" der Verschleierung

Die Anwälte sind auf Mails und Protokolle gestoßen, die auf dubiose Geschäfte hindeuten, und haben beim DFB manche Akten gefunden, die offenbar nicht entdeckt werden sollten. Der bisherige DFB-Vizegeneralsekretär Stefan Hans sprach bei seiner Vernehmung durch die Kanzlei von einem "Hochreck" der Verschleierung bezüglich der im vergangenen Jahr aufgeflogenen Millionen-Schieberei vor der WM 2006. Vieles ist noch unklar - auch weil die befragten Zeugen für einige Vorgänge keine Erklärung geliefert haben.

Bei einem der dubiosen Vorgänge geht es um eine E-Mail, die ein Mitarbeiter der DFB-Pressestelle Ende August 2012 an drei Mitarbeiter des Verbands verschickt hat. Im Anhang war eine Liste aus einer Anklage gegen den früheren FIFA-Vermarktungspartner ISL mit Bestechungszahlungen aus den Jahren 1999 bis 2001. Danach hatte jemand, der in der Liste als "E 16" aufgeführt wurde, 250.000 US-Dollar bekommen - und zwar am 5. Juli 2000, genau einen Tag vor der Vergabe der WM 2006 an Deutschland.

Doch auf Fragen zu dieser Mail, dem Empfänger der Zahlung und dem Zweck, gab es keine erhellenden Antworten. Der ehemalige DFB-Präsident Wolfgang Niersbach erklärte unter anderem in einer Vernehmung, ihm sei dazu nichts bekannt. An anderer Stelle sagte Niersbach, er sei nur der "Medienfuzzi" gewesen, die anderen hätten ihn bei Finanzthemen nicht dabei haben wollen. Stefan Hans sagte, er habe das Dokument zwar mal gesehen, aber habe die Geschichte nicht weiter verfolgt.

Nach Einschätzung in Verbandskreisen können über einige Vorgänge nur frühere Funktionäre des DFB richtig Aufschluss geben. Das passiert jedoch offenbar nicht im gewünschten Maß. Beim DFB ist der Eindruck entstanden, dass ehemalige Funktionäre bei der Befragung durch Freshfields längst nicht alles preisgeben, was sie wissen. So hat ein Ex-Funktionär bei einer Vernehmung erklärt, im Umfeld der FIFA sei es "manchmal besser, Dinge nicht zu wissen. Dieser Politik habe ich mich befleißigt."

Kronzeugen-Idee wurde verworfen

Der Verband und die Kanzlei hatten deshalb erwogen, möglichen Kronzeugen eine Art Amnestie anzubieten. Als Gegenleistung für umfassende Aussagen habe dann der DFB angeboten, auf Schadenersatzforderungen zu verzichten. Die Idee ist allerdings verworfen worden, unter anderem weil der DFB als gemeinnütziger Verband möglicherweise entstandene Schäden geltend machen muss.

Ein weiterer nach wie vor dubioser Vorgang ist die "Afrika-Spende": 2003 - also bereits nach der Vergabe der WM 2006 an Deutschland - hatte die FIFA in einem Schreiben vom deutschen WM-Organisationskomitee (OK) sieben Millionen Euro "zum Zeichen der deutschen Solidarität mit Afrika" eingefordert. Freshfields hat Unterlagen dazu beim DFB entdeckt. Sie werfen nun die Frage auf, ob das Geld als eine Art Entschädigung dafür gedacht war, dass Südafrika die Abstimmung für die WM 2006 gegen Deutschland verloren hatte.

Zweifel an Millionen-Zahlung für Bolzplätze in Afrika

Freshfields befragte dazu auch Stefan Hans als Zeugen. Er sagte aus, mit dem Geld hätten angeblich Bolzplätze in Afrika gebaut werden sollen. Aber dies habe "wohl nicht sieben Millionen Euro gekostet". Ob das Geld tatsächlich geflossen ist und an wen konkret, konnte Hans nicht sagen. Auch hier könnten nur frühere DFB-Funktionäre Aufschluss geben. Ohne deren Insiderwissen dürfte es also schwer werden, die dubiosen Vorgänge rund um die WM 2006 aufzuklären.

Zu den bisherigen Ergebnissen der internen Ermittlungen durch Freshfields wollte sich der DFB auf Anfrage von NDR, WDR und SZ nicht äußern. Der Verband wolle den Bericht der Kanzlei abwarten, der Ende Februar/Anfang März vorliegen solle.

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