Niersbach | Bildquelle: dpa

Brisantes Beckenbauer-Papier Zweifel an Niersbach wachsen

Stand: 12.11.2015 16:27 Uhr

Es habe keinen Stimmenkauf vor der WM-Vergabe gegeben: Das hatte der damalige DFB-Präsident Niersbach bei seinem Rücktritt beteuert. Doch die Zweifel an dieser Aussagen wachsen. Laut Medienberichten wusste Niersbach damals bereits von dem Vertragsentwurf zwischen Beckenbauer und FIFA-Funktionär Warner.

Der zurückgetretene DFB-Präsident Wolfgang Niersbach soll schon länger von dem ominösen Vertragsentwurf zwischen Franz Beckenbauer und Jack Warner gewusst haben. Dies berichten übereinstimmend das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" und die "Süddeutsche Zeitung".

Neben Niersbach soll auch der amtierende Generalsekretär Helmut Sandrock von dessen Stellvertreter Stefan Hans über das Schreiben informiert worden sein, schreibt die "SZ". Damit gerät Sandrock erstmals in der WM-Affäre ebenfalls ins Zwielicht.

Ex-Präsident Niersbach hatte bei der Pressekonferenz zu seinem Rücktritt jegliches Wissen um einen Bestechungsversuch bei der Vergabe zur WM 2006 abgestritten. Der DFB wollte sich wegen laufenden Ermittlungen in beiden Medien nicht zu den neuen Details äußern.

Das besagte Dokument hatte dem damaligen FIFA-Wahlmann Warner aus Trinidad und Tobago Vorteile garantiert. Es ist aber unklar, ob dies je umgesetzt wurde. Das Schreiben soll von Sandrocks Stellvertreter Hans im Archiv des Verbandes entdeckt worden sein, nachdem die Recherchen nach der dubiosen 6,7-Millionen-Euro-Zahlung des DFB an die FIFA begonnen hatten.

Jack Warner | Bildquelle: dpa
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Jack Warner spielt offenbar eine zentrale Rolle in der DFB-Affäre.

Niersbach offenbar vor Pressekonferenz informiert

Hans hat nach Angaben der "SZ" in einem Brief den Mitgliedern des DFB-Präsidiums mitgeteilt, dass er damals Niersbach und Generalsekretär Sandrock unverzüglich telefonisch von seinem Fund in Kenntnis gesetzt habe - und zwar vor der Pressekonferenz Niersbachs am 22. Oktober. Damals konnte der 64-Jährige viele Fragen nicht beantworten, sagte aber: "Die Kernbotschaft ist: Es ist bei der WM-Vergabe 2006 alles mit rechten Dingen zugegangen. Es hat keine schwarzen Kassen gegeben, es hat keinen Stimmenkauf gegeben."

Niersbach selbst hatte am Mittwoch noch Hans gegen den Vorwurf in Schutz genommen, wonach dieser Informationen nicht weitergeleitet habe. Dieser sei seit über zehn Jahren einer seiner wichtigsten Mitarbeiter und habe ihn "konkret ausgiebig informiert". Allerdings sprach Niersbach dabei nicht explizit von dem brisanten Dokument.

Präsidiumskollegen nicht informiert

Die Existenz des Schreibens hatte zuletzt DFB-Interimspräsident Rainer Koch bestätigt. Unterschrieben hat das Papier laut DFB-Darstellung Beckenbauer, den Entwurf soll der einstige OK-Vizepräsident Fedor Radmann paraphiert haben. Vier Tage vor der Abstimmung zur WM-Vergabe waren demnach von Warner "diverse Leistungen" zugesagt werden. Nach Angaben des "Spiegel" hat Niersbach seine Präsidiumskollegen über das Dokument nicht informiert.

Diese stießen durch die externen Prüfungen durch die Frankfurter Wirtschaftskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer darauf. Die DFB-Vizepräsidenten Koch und Reinhard Rauball, die am Montag vorerst das Führungsamt von Niersbach übernahmen, sowie Schatzmeister Reinhard Grindel sollen Niersbach daraufhin zur Rede gestellt haben. Stunden später folgte der Rücktritt des DFB-Chefs.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 12. November 2015 um 17:15 Uhr.

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