Die Kanzlei Freshfields sieht keine Beweise für einen Stimmenkauf vor der WM 2006 | Bildquelle: dpa

DFB-Untersuchungen zur WM 2006 Neue Spur zu Beckenbauer, Geldfluss nach Katar

Stand: 04.03.2016 19:30 Uhr

War das Sommermärchen, die WM 2006, gekauft? Beweise gibt es nicht, es könne auch nichts ausgeschlossen werden, so die Kanzlei Freshfields, die den Fall für den DFB untersucht hat. Sie fand eine neue Spur zu WM-Organisator Beckenbauer und einen Geldfluss nach Katar.

Es war ein komplizierter Geldfluss, im Vorfeld der WM 2006. Die Kanzlei Freshfields hat im Auftrag des DFB viereinhalb Monate lang die Vorwürfe untersucht, der Verband habe das "Sommermärchen" gekauft. Ergebnis der Untersuchung: Es gibt keine Beweise dafür, dass Deutschland für Stimmen bezahlt habe. Trotzdem können die Ermittler eine Bestechung nicht grundsätzlich ausschließen.

Nach Erkenntnissen von Freshfields hat der DFB die Rückzahlung eines dubiosen Darlehens über zehn Millionen Franken (6,7 Millionen Euro) an den französischen Geschäftsmann Louis-Dreyfus bewusst verschleiert. Der Betrag wurde als Zuschuss für die geplante WM-Gala an den Weltverband deklariert. Von dem FIFA-Konto floss die Summe dann an ein Konto von Robert Louis-Dreyfus weiter. Die Gala wurde abgesagt, es habe keine Zahlungsrückforderungen vom DFB gegeben.

Untersuchungsbericht zur WM-Vergabe 2006
nachtmagazin 00:58 Uhr, 05.03.2016, Andreas Clarysse, HR

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Neue zweifelhafte Zahlungsvorgänge

Die zehn Millionen Schweizer Franken flossen offenbar über den Umweg eines Verteilerkontos in der Schweiz an ein Konto in Katar. Dieses Konto wird dem inzwischen schwer belastetem früheren Mitglied des FIFA-Exekutivkomitees, Mohamed bin Hammam, zugeschrieben.

"Mit anderen Worten flossen die zehn Millionen Schweizer Franken nicht in das Vermögen der FIFA, die den Zuschuss als Verband gewährte", so die Ermittler, "sondern in das Vermögen der KEMCO Scaffolding Co., die selbst keinerlei Leistung an den DFB erbrachte." Die Firma KEMCO Scaffolding wird bin Hammam zugerechnet. Er war damals Mitglied der FIFA-Finanzkommission, was die Überweisung in den Augen des WM-Organisationskomitees legitimierte. 2012 wurde bin Hammam gesperrt.

Rolle von Beckenbauer

Auch der Chef des Organisations-Komitees der WM, Franz Beckenbauer, habe eine Millionensumme auf das Konto überwiesen. Er habe das Geld später zurückbekommen.

Trotz eines extrem umfangreichen Materials, das durchforstet wurde, konnten die Fachleute viele Fragen nicht klären, weil Dokumente und Daten fehlten und nicht alle Zeugen aussagen konnten oder wollten. So wollte beispielsweise der langjährige FIFA-Chef Sepp Blatter nicht aussagen. Andere wie Louis-Dreyfus und Gerhardt Mayer-Vorfelder sind verstorben. Daher war es nicht möglich, ein wirklich vollständiges Bild zu liefern.

Phillip Sohmer, SWR, zu den Erkenntnissen der DFB-Untersuchung
tagesschau24 15:15 Uhr, 04.03.2016

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Als Folge dieser Erkenntnisse greift der DFB den früheren Präsidenten Theo Zwanziger an. DFB-Interims-Chef Rainer Koch sagte, es sei ein Zahlungsvorgang, der "zehn Jahre verheimlicht, zehn Monate beschönigt" und eigentlich in "zehn Sekunden zu erklären" gewesen sei. Die internen DFB-Kontrollgremien hätten völlig versagt, so Koch weiter. Noch sei es aber nicht an der Zeit, personelle Konsequenzen zu ziehen. Die Untersuchungen sollen von Freshfields fortgesetzt werden.

FIFA: Sind weiterhin "geschädigte Partei"

Die FIFA sieht sich trotz der Ermittlungen und des Berichts als "geschädigte Partei". Trotzdem will sie die Ergebnisse des Reports in ihre laufenden Untersuchungen der Korruptionsaffäre bei der FIFA einfließen lassen. Auch der Weltfußball-Verband kommt zum Schluss, dass noch viele Fragen offen seien. Die FIFA wolle aber weiterhin mit den Behörden in der Schweiz und in Deutschland zusammenarbeiten.

André Hahn von der Linkspartei legt den Bericht anders aus als die Freshfields-Ermittler: "Ich persönlich habe keinen Zweifel mehr daran, dass die WM 2006 gekauft worden ist," so Hahn. Er forderte, dass der Sportausschuss des Bundestages sich erneut mit dem Fall befasse. Das Parlament brauche uneingeschränkte Akteneinsicht.

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