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Begabtenförderung an Hochschulen Kaum Empfänger, trotzdem Lob

Stand: 09.03.2016 11:08 Uhr

Seit 2011 gibt es das Deutschlandstipendium, doch die Zahl der Geförderten ist bislang gering. Kritiker fordern daher das Ende des Programms. Das Bildungsministerium will davon nichts wissen und zog nun eine positive Zwischenbilanz.

Von Julian Heißler, tagesschau.de

Die Bundesregierung ist mit der bisherigen Entwicklung des Deutschlandstipendiums zufrieden. Zu diesem Ergebnis kommt ein Bericht des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), mit dem das Bundeskabinett sich heute befasste und der tagesschau.de vorliegt. "Das Deutschlandstipendium hat einen Grundstein für eine neue Stipendienkultur in Deutschland gelegt", heißt es in dem Bericht. Seit seiner Einführung habe es sich als "wichtige Säule der Begabtenförderung" etabliert und finde stetig wachsenden Anklang in Wirtschaft und Gesellschaft.

Das Stipendium wurde im Sommersemester 2011 eingeführt. Es unterstützt laut BMBF Studierende an deutschen Hochschulen, "deren Werdegang herausragende Leistungen in Studium und Beruf erwarten lässt". Sie erhalten seitdem eine monatliche Zuwendung in Höhe von 300 Euro, die zu gleichen Teilen von privaten Förderern und vom Bund kommt.

Nur wenige Empfänger

Die Gesamtzahl der Geförderten hinkt jedoch nach wie vor den Zielen der Bundesregierung hinterher. 2014 wurden rund 22.500 Studierende durch die Fördermaßnahme unterstützt. Das entspricht 0,84 Prozent der Studierenden, die im Wintersemester 2014/2015 an einer deutschen Hochschule eingeschrieben waren. Nach ursprünglicher Planung sollten acht Prozent der Studierenden in Deutschland mittelfristig durch das Deutschlandstipendium gefördert werden. Das kündigte die damalige Bundesbildungsministerin Annette Schavan zum Start des Programms an. Zwei Jahre später senkte die Große Koalition diese Zielvorgabe auf zwei Prozent ab.

Vergebene Deutschlandstipendien von 2011 bis 2014
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Vergebene Deutschlandstipendien von 2011 bis 2014

Angesichts dieser Zahlen fordert Matthias Anbuhl, Leiter der Abteilung Bildungspolitik des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), das Deutschlandstipendium einzustellen. "Die Bundesregierung sollte einen Schlussstrich unter das Programm ziehen. Die Mittel sollten besser in das BAföG investiert werden, weil es eine verlässliche Studienfinanzierung ist, auf die Studierende mit niedrigen Einkommen einen gesetzlichen Anspruch haben", so Ambuhl zu tagesschau.de.

Opposition fordert Einstellung

Auch Kai Gehring, hochschulpolitischer Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, fordert ein Ende des Deutschlandstipendiums. "Es ist teuer und ineffizient, bringt null soziale Öffnung der Hochschulen, bevorteilt wirtschaftsstarke Standorte, die Vergabe bleibt intransparent und willkürlich", so Gehring zu tagesschau.de. Die Bundesmittel für das Deutschlandstipendium sollten stattdessen "ins BAföG, in die bewährten Begabtenförderwerke und endlich in mehr Stipendien für Geflüchtete" investiert werden.

Die Bundesregierung will jedoch am Deutschlandstipendium festhalten. Der Evaluationsbericht empfiehlt, das Programm weiterzuentwickeln. "Das 2011 eingeführte Stipendienprogramm ist aus der deutschen Hochschullandschaft nicht mehr wegzudenken", heißt es im Fazit.  

Sozial ausgeglichen

Zusätzlich zur Evaluierung des Deutschlandstipendiums als "öffentlich-private Finanzierungspartnerschaft" gibt der Bericht Auskunft über die Empfänger der Fördermaßnahme. Er kommt zu dem Ergebnis, dass überdurchschnittlich viele Studierende mit Migrationshintergrund durch das Deutschlandstipendium gefördert werden. Ihr Anteil unter den Stipendiaten beträgt 28 Prozent gegenüber 23 Prozent in der Gesamtstudierendenschaft. Was die soziale Herkunft angeht, gibt es nur kleine Unterschiede zwischen den Deutschlandstipendiaten und ihren Kommilitonen.

Bildungsherkunft der Studierenden
DeutschlandstipendiatenStudierende gesamt
Hohe Bildungsherkunft24%22%
Gehobene Bildungsherkunft27%28%
Mittlere Bildungsherkunft40%41%
Niedrige Bildungsherkunft10%9%

Quelle: Ramboll Management Consulting 2015

Bericht des Bildungsministeriums zum Deutschlandstipendium
tagesschau 14:00 Uhr, 09.03.2016, Eva Lodde, HSSB

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