Mit Fahnen feierten zahlreiche Türken am 16.04.2017 in Berlin den Ausgang der Referendums in der Türkei. | Bildquelle: dpa

Debatte um Deutschtürken Wie geht's weiter nach dem Ja?

Stand: 17.04.2017 13:38 Uhr

"Menschen, die in Freiheit leben, sich aber für die Menschen in der Türkei die Autokratie wünschen": Rund zwei Drittel der Wähler in Deutschland haben für das Präsidialsystem gestimmt. Die türkische Gemeinde ist besorgt - betont aber das Engagement des Nein-Lagers.

Mit Autokorsos und Hupkonzerten feierten die Erdogan-Anhänger in Deutschland das Referendums-Ergebnis in der Türkei: 63,1 Prozent der abgeben Stimmen entfielen auf "Ja". Damit gab es fast eine Zweidrittelmehrheit für das Präsidialsystem, das die Macht des Staatsoberhaupts künftig stark ausweitet. Ein deutlich besseres Ergebnis für Staatschef Recep Tayyip Erdogan also, als in der Türkei.

"Versäumnisse der Integrationspolitik"

Grünen-Chef Cem Özdemir bereitet das offensichtlich Sorgen. Er fordert von diesen ein klareres Bekenntnis zum Grundgesetz. "Die Auseinandersetzung um Herz und Verstand der Türkeistämmigen muss endlich aufgenommen werden", sagte Özdemir der Nachrichtenagentur dpa. "Künftig muss stärker darauf bestanden werden, dass auf Dauer in Deutschland Lebende nicht nur mit den Zehenspitzen auf dem Boden des Grundgesetzes stehen, sondern mit beiden Füßen." Das Wahlergebnis zeige "in einem Brennglas" die Versäumnisse in der Integrationspolitik, sagte Özdemir.

Türkei-Referendum: Reportage aus Deutschland
tagesthemen 23:25 Uhr, 16.04.2017, Florian Gediehn, SWR

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Auch die Türkische Gemeinde in Deutschland äußerte sich besorgt. "Wir - also die Parteien und Organisationen - müssen das Ergebnis genau analysieren und Wege finden, wie man diese Menschen besser erreicht, die in Deutschland in Freiheit leben, aber sich für die Menschen in der Türkei die Autokratie wünschen", sagte der Vorsitzende, Gökay Sofuoglu, der "Heilbronner Stimme" und dem "Mannheimer Morgen".

Gegen polarisierende Forderungen

Sofuoglu würdigte allerdings auch das Engagement des Nein-Lagers. "Die hohe Zahl der Nein-Stimmen ist nicht zu unterschätzen, wenn man bedenkt, unter welchen Umständen der Wahlkampf geführt wurde", sagte er. Obwohl die Opposition als Vaterlandsverräter denunziert worden sei, seien die Menschen entschlossen gewesen, "sich gegen die Autokratie zu stellen". Polarisierende Forderungen wie die Abschaffung der doppelten Staatsbürgerschaft seien "keine guten Ansätze", sagte Sofuoglu mit Blick auf die Bundestagswahl.

Zudem lohnt ein genauere Blick darauf, wie viele Deutschtürken tatsächlich für die Verfassungsänderung gestimmt haben. Eine Rechnung, die der frühere CDU-Bundestagsabgeordnete Ruprecht Polenz aufmacht: "3,5 Millionen Türkeistämmige, 1,5 Millionen davon mit türkischem Pass und wahlberechtigt. Davon 50 Prozent Wahlbeteiligung, also 750.000 und davon 60 Prozent für Erdogan. Also von 3,5 Millionen Menschen sind 450.000 für Erdogan, knapp 13%. Deshalb von gescheiterter Integration der Türken zu sprechen, wird der Realität nicht gerecht", schreibt Polenz auf Facebook.

Reaktionen der türkischen Gemeinde in Berlin
D. Donschen, RBB
17.04.2017 14:24 Uhr

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Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 16. April 2017 um 23:25 Uhr.

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