Alt und schmutzig: Das Braunkohlekraftwerk Jänschwalde in Brandenburg stößt jährlich 24 Millionen Tonnen Kohlendioxid aus.

Klimaschutz in Deutschland CO2-Jahresbudget schon aufgebraucht

Stand: 08.04.2017 10:55 Uhr

Der selbsternannte Klimaschutz-Vorreiter bekommt schlechte Noten: Einer Studie zufolge hat Deutschland in den ersten drei Monaten sein gesamtes Jahresbudget an CO2-Emissionen bereits verbraucht. Auch in den kommenden Jahren ist keine Besserung in Sicht.

Deutschland hat in den ersten drei Monaten bereits so viel Kohlendioxid ausgestoßen wie es im gesamten Jahr 2017 freisetzen dürfte, um das Pariser Klimaabkommen einzuhalten. Bis 2050 dürfe Deutschland jedes Jahr durchschnittlich 220 Millionen Tonnen CO2 ausstoßen, ohne das Weltklima zu gefährden, sagte der Vorsitzende der Brancheninitiative Zukunft Erdgas, Timm Kehler, den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Deutschland habe jedoch bereits am 3. April sein "gesamtes Budget für 2017 verbraucht".

Kehler berief sich auf eine Studie der Berliner Nymoen Strategieberatung. In der Studie wurde das weltweite CO2-Budget des Klimaabkommens mittels Pro-Kopf-Schlüssel auf Deutschland umgerechnet. Demnach fielen hierzulande die meisten CO2-Emissionen beim Autofahren, Fliegen, bei der Stromerzeugung und fürs Heizen an.

Verbesserungen beim Klimaschutz dringend nötig

Die Bundesregierung hat sich eigentlich dazu bekannt, den CO2-Ausstoß zwischen 2010 und 2050 auf neun Milliarden Tonnen CO2 zu reduzieren, um die globale Erderwärmung auf ein beherrschbares Maß von unter zwei Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen. Allerdings sagt die Studie auch für die nächsten drei Jahre voraus, dass dieses fiktive CO2-Budget schon im April des jeweiligen Jahres erschöpft sein wird.

Die Bilanz mache deutlich, dass noch viel verbessert werden müsse, sagte Kehler: "Wir müssen so wirtschaften, dass wir bis zum 31. Dezember mit unserem Budget auskommen." Dazu könnte die Modernisierung alter Heizungsanlagen einen wesentlichen Beitrag leisten, ebenso die Umstellung der Stromerzeugung von Braunkohle auf Erdgas.

Ende 2015 war bei der UN-Klimakonferenz in Paris ein globales Klimaschutzabkommen beschlossen worden. Es sieht vor, die Erderwärmung auf möglichst 1,5 Grad, mindestens aber auf weniger als zwei Grad zu begrenzen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 08. April 2017 um 10:00 Uhr.

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