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Depressionen sind nicht einfach nur ein Stimmungstief. Eine Depression ist eine ernsthafte psychiatrische Erkrankung, die lebensbedrohlich sein kann. tagesschau.de hat Fragen und Antworten zum Thema Depressionen zusammengestellt.
von Stephan Trinius für tagesschau.de
[Bildunterschrift: Oft brechen depressive Menschen ihre sozialen Kontakte ab - und leiden dann zusätzlich unter ihrer Einsamkeit. ]
Etwa vier Millionen Menschen gelten derzeit in Deutschland als depressiv, das sind fünf Prozent der Bevölkerung. Experten gehen davon aus, dass zehn Prozent der Bundesbürger mindestens einmal in ihrem Leben an einer Depression erkranken. Damit zählen Depressionen zu den größten Volkskrankheiten überhaupt. Laut einer Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind Depressionen in den Industrieländern die häufigste Ursache für eine jahrelange Beeinträchtigung der Lebensqualität – noch vor Alzheimer und Schwerhörigkeit.
Neben gedrückter Stimmungslage leiden depressive Menschen meist unter Antriebslosigkeit, Niedergeschlagenheit oder innerer Unruhe. Oft sind die Betroffenen nicht in der Lage, alltägliche Aufgaben zu erledigen oder kleinste Entscheidungen zu treffen. Sie verlieren das Interesse an sich und ihrer Umwelt. Viele stellen ihre sozialen Kontakte ein, geben ihre Hobbys auf und können auch ihrer Arbeit nicht mehr nachkommen. Hinzu kommen Angst-, Schuld- oder Minderwertigkeitsgefühle sowie die Unfähigkeit zur Freude. Aber auch körperliche Symptome wie Schlafstörung, Appetitlosigkeit, Kopfschmerzen oder Herzrasen können Anzeichen einer depressiven Störung sein. Das "Kompetenznetz Depression" bietet auf seiner Internetseite einen Selbsttest mit zehn Fragen an, mit dem das eigene Risiko festgestellt werden kann, unter einer Depression zu leiden.
Es gibt unterschiedliche Gründe, warum Menschen depressiv werden. Neben einer möglichen genetischen Veranlagung können auch psychische Faktoren – wie der Verlust einer geliebten Person oder hoher Leistungsdruck – Depressionen auslösen. Daneben spielen Persönlichkeitsmerkmale und körperliche Erkrankungen, zum Beispiel eine Schilddrüsenerkrankung, eine Rolle. Viele Wissenschaftler gehen davon aus, dass während einer Depression der Stoffwechsel des Gehirns gestört ist. Botenstoffe, die für die Übertragung von Impulsen zwischen den Nervenzellen verantwortlich sind, funktionieren nicht mehr richtig oder sind nur noch in zu geringer Anzahl vorhanden.
[Bildunterschrift: Wer unter Depressionen leidet, kann oft seiner alltäglichen Arbeit kaum noch nachgehen. ]
Phasen der Trauer, Erschöpfung und Mutlosigkeit sind normale Reaktionen unserer Psyche auf einschneidende Erlebnisse, wie zum Beispiel dem Verlust eines Partners oder des Berufs. Diese Stimmungstiefs vergehen nach einigen Tagen, Wochen oder Monaten von selbst. Eine Depression hingegen ist eine psychiatrische Erkrankung. Sie kann, aber muss nicht unbedingt mit einem einschneidenden Erlebnis zusammenhängen. An einer Depression erkrankte Menschen können ihre niedergedrückte Stimmung nicht mehr aus eigener Kraft überwinden. Wenn sie nicht behandelt wird, kann die Depression so über Monate oder Jahre hinweg andauern.
Leiden die Betroffenen nur an depressiven Stimmungen, spricht man von einer unipolaren Depression. Bei manchen Erkrankten gibt es aber auch Phasen der Hochstimmung. In diesen manischen Phasen sind die Betroffenen überaktiv, haben eine Unmenge an Energie und Ideen und kaum ein
Schlafbedürfnis. Bei diesen Menschen sprechen Ärzte von einer bipolaren Depression (manisch-depressiv). Von einer Dysthemie wird gesprochen, wenn es sich um eine chronische Form der Depression handelt. Vor allem diese wird oft verkannt und als Persönlichkeitsmerkmal abgetan.
Bei der Mehrzahl der etwa 10.000 Menschen, die in Deutschland jährlich Selbstmord begehen, liegt eine depressive Störung vor. Fast alle Patienten mit einer schweren Depression werden auch von Selbstmordgedanken geplagt. 15 Prozent der schwer depressiven Menschen sterben durch einen Selbstmord.
Laut Statistik erkranken Frauen etwa zwei- bis dreimal so häufig an einer Depression. Dies könnte zum einen hormonell bedingt sein, denn Frauen sind vor ihrer Menstruation und nach einer Schwangerschaft deutlich anfälliger für Depressionen. Zum anderen müssen Frauen häufiger Karriere und Haushalt miteinander verbinden als Männer. Die Doppelbelastung könnte zu einer größeren Anfälligkeit führen. Der höhere Anteil von Frauen an depressiv kranken Menschen könnte aber auch schlicht falsch sein: Männer reden sehr viel seltener über ihre Gefühle, Ängste und Stimmungsschwankungen – lieber verdrängen sie diese und flüchten sich in die Arbeit. Daher ist eine depressive Erkrankung bei ihnen sehr viel schwerer festzustellen. Während bei Frauen die Diagnose "depressiv" gestellt wird, werden bei Männern oft organische Ursachen vermutet.
Mehr als 80 Prozent der depressiven Erkrankungen können heute erfolgreich behandelt werden. In erster Linie erhalten die Patienten Antidepressiva. Diese beheben die Funktionsstörung der Botenstoffe im Gehirn. Anders als oft angenommen, machen Antidepressiva nicht abhängig und führen auch nicht zu einer Veränderung der Persönlichkeit. Ein zweiter Baustein der Behandlung ist die Psychotherapie. Dabei versuchen Therapeut und Patient nicht nur innere Konflikte des Patienten zu lösen, sondern auch neue Verhaltensmuster einzuüben.
In erster Linie sollten Angehörige die Depression als Erkrankung ernst nehmen und nicht als bloße Stimmungsschwankung abtun. Unbedingt sollte ein Arzt zu Rate gezogen werden. Da sich das Verhalten vieler depressiver Menschen verändert, gehört zum Umgang mit ihnen auch viel Verständnis und Geduld.
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