Die Demonstration "Wir haben es satt!" | Bildquelle: REUTERS

"Grüne Woche" Zehntausende demonstrieren für Agrarwende

Stand: 20.01.2018 15:06 Uhr

Zehntausende Demonstranten, mehr als 100 Traktoren, ein Motto: "Wir haben es satt!". Unter diesem Slogan haben Umwelt- und Tierschützer eine gerechtere Agrarpolitik gefordert. Anlass ist die "Grüne Woche".

In Berlin haben nach Polizeiangaben mehrere Zehntausend Menschen für eine Agrar- und Ernährungswende demonstriert. Zu der Veranstaltung unter dem Motto "Wir haben es satt!" hatte ein Bündnis aus rund 100 Umwelt-, Verbraucher-, Landwirtschafts- und Entwicklungsorganisationen aufgerufen. Zu dem jährlichen Protestmarsch - der bereits zum 8. Mal stattfand - kamen auch zahlreiche Bauern mit mehr als 100 Traktoren in die Hauptstadt. Die Veranstalter sprachen von insgesamt 33.000 Teilnehmern.

Kritik an Glyphosat

Mit dem Protestmarsch wollen die Organisatoren ein Zeichen gegen die Industrialisierung der Landwirtschaft setzen. Im Mittelpunkt stand dabei die Kritik am Einsatz von Glyphosat. Das Unkrautvernichtungsmittel habe verhängnisvolle Konsequenzen für Menschen, Tiere und Umwelt, erklärten Umwelt- und Verbraucherverbände. Sie forderten zudem eine Kennzeichnungspflicht bei tierischen Lebensmitteln, ein Verbot von Reserve-Antibiotika sowie sowie mehr Unterstützung für kleine Landwirtschaftsbetriebe. Bislang profitierten von den Subventionen vor allem Großkonzerne, kritisierten die Aktivisten.

Die Demonstration "Wir haben es satt!" | Bildquelle: REUTERS
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Einige Traktoren kamen aus Süddeutschland nach Berlin, um an dem Protest teilzunehmen - trotz des Sturms "Friederike".

"Die industrielle Land- und Ernährungswirtschaft verursacht lokal und global Probleme für Bauern, Klima, Tiere und Umwelt", sagte Jochen Fritz, Sprecher der Organisatoren. "Der Umbau hin zu einer umwelt-, tier- und klimafreundlichen Landwirtschaft, in der Bauern gut von ihrer Arbeit leben können, darf von der Politik nicht weiter aufgeschoben werden." Eine Agrarwende sei dringend nötig. Anton Hofreiter, der Grünen-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, sagte bei der Demo, es gebe "gute Gründe, die Dinge zu verändern: Artensterben, Grundwasserverschmutzung und Billigexporte nach Afrika".

Parallel zu der Demonstration veranstalteten Landwirte in ganz Deutschland einen Aktionstag, um sich gegen Pauschalkritik an der Agrarwirtschaft zu wehren. Unter dem Titel "Wir machen Euch satt!" riefen sie Verbraucher dazu auf, mit den Bauern in Dialog zu treten.

Agrarministerkonferenz für bessere Tierhaltung

Anlass für die Veranstaltungen ist die "Grüne Woche, eine der weltweit größten Messen der Agrarbranche, die derzeit in der Hauptstadt stattfindet. Parallel dazu trafen sich die Agrarminister mehrerer Länder sowie Spitzenvertreter der Welternährungsorganisation (FAO) und der Weltorganisation für Tiergesundheit zu einer Konferenz in der Stadt. In ihrer Abschlusserklärung bekannten sie sich zu einer besseren weltweiten Tierhaltung, die auch stärker zum Klimaschutz beitragen soll. Für die Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung müsse die Produktion weiter ausgebaut werden, sagte Bundesagrarminister Christian Schmidt.

In ihrer gemeinsamen Abschlusserklärung erklärten die Minister, dass die Tierhaltung weltweit die Existenzgrundlage für 1,3 Milliarden oft arme und besonders gefährdete Menschen sichere. Der Generaldirektor der Welternährungsorganisation, José Graziano da Silva, erklärte, für Kleinbauern sei der zunehmende Konsum tierischer Erzeugnisse eine große Chance.

Menschen demonstrieren in Berlin für eine Agrarwende. | Bildquelle: dpa
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33.000 Menschen demonstrierten in Berlin für eine grundlegende Wende zu mehr Tier- und Umweltschutz.

Als der "Wir haben es satt!"-Zug am Bundeswirtschaftsministerium vorbeikam - wo die Agrarministerkonferenz stattfand - schlugen die Demonstranten lautstark auf Kochtöpfe und forderten die Achtung der Menschenrechte, faire Handelsbedingungen und mehr Unterstützung für die ländliche Bevölkerung weltweit. Zudem übergaben rund 160 Bauern eine Protestnote an die 70 versammelten Minister aus aller Welt.

Protesttag in Berlin: "Wir haben es satt"
Dieter Nürnberger, DLF
20.01.2018 19:35 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 20. Januar 2018 um 13:00 Uhr.

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