Eine Frau hält ein Schild mit der Aufschrift ''Wo sind unsere Kinder?'' (Archivbild von 2014) | Bildquelle: picture alliance / dpa

Zwangsadoptionen in der DDR Gegen eine Mauer des Schweigens

Stand: 05.04.2018 18:08 Uhr

Wer in der DDR auf Druck des Staates sein Kind zur Adoption freigeben musste, darf bis heute nichts von seinem Nachwuchs erfahren. Betroffene zogen nun vor den Bundestag und überreichten eine Petition.

Betroffene von Zwangsadoptionen in der DDR fordern von Bundestag und Bundesregierung mehr Unterstützung bei der Aufklärung von staatlichem Kindesentzug. Die "Interessengemeinschaft gestohlene Kinder der DDR" übergab dem Vorsitzenden des Petitionsausschusses im Bundestag, Marian Wendt, eine entsprechende Petition.

Gefordert wird darin unter anderem die Verlängerung von Aufbewahrungsfristen für Akten in Geburtskliniken, die Einrichtung einer zentralen Clearingstelle und eine gesetzliche Auskunftspflicht für alle Adoptivstellen. "Jeder Mensch hat ein Recht darauf, alles über seine Herkunft zu erfahren", sagte der Sprecher der Interessengemeinschaft, Frank Schumann.

"Man kann es einfach nicht loslassen"

Der Petitionsübergabe war ein am Mittwoch in Dresden gestarteter Autokonvoi mit Ziel Berlin vorangegangen. Der Korso mit rund 80 Teilnehmern stand unter dem Motto "Fahrt für Gerechtigkeit".

Heidrun Daßler kam aus Rostock zur Übergabe der Petition nach Berlin. Sie sagt: "Mein Sohn ist im Februar 1986 geboren und im August 86 verstorben." Die wenigen Unterlagen, die sie inzwischen zusammengetragen hat, zeigen aus ihrer Sicht jedoch, dass etwas an der offiziellen Darstellung nicht stimmt. "Wir wurden von der Polizei benachrichtigt, dass wir zum Krankenhaus kommen sollen, was damals eigentlich auch nicht üblich war. Wir durften das Kind nicht sehen. Und so sind wir immer noch auf der Suche." Daßler sagt, sie wolle nun Gewissheit, ob sie trauern oder ob sie womöglich einen inzwischen erwachsenen Sohn lieben darf. "Man kann es einfach nicht loslassen, man kann es nicht vergessen."

Frank Schumann, Interessengemeinschaft Gestohlene Kinder der DDR, zur abgegebenen Petition
tagesschau24 15:00 Uhr, 05.04.2018

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Gleich nach der Geburt für tot erklärt

Die vor zwei Jahren von Betroffenen gegründete Interessengemeinschaft zählt nach eigenen Angaben etwa 1500 Mitglieder. Sie geht von 300 bis 400 Fällen aus, in denen Kinder ihren leiblichen Eltern gegen deren Willen entzogen wurden.

Häufig habe es sich um Eltern gehandelt, die nach Lesart des SED-Regimes politisch unliebsam waren, so Schumann. Die Kinder seien gleich nach der Geburt für tot erklärt und ohne Wissen der leiblichen Eltern regimetreuen Paaren zur Adoption vermittelt worden. Im Interview mit tagesschau24 sagt er: "Bei Eltern, die nicht in das System gepasst haben, habe sich der Staat das Recht genommen, die Kinder aus der Familie zu nehmen." Ein Beispiel seien Eltern, die in Gefängnissen einsaßen. Von ihnen sei häufig gefordert worden, eine Adoptionsfreigabe zu unterschreiben. "Manche haben das getan", sagt Schumann. Diese leiblichen Eltern durften ihre Kinder dann nicht mehr sehen.

Keinerlei Rechte mehr

Viele Betroffene sehen sich heute vor einer Mauer des Schweigens, wenn sie zu ihren Kindern recherchieren. "Auch Jahre nach der Wiedervereinigung bleibe ihnen das Recht verwehrt", sagt Schumann auf tagesschau24. "Wenn Sie heute bei einer Adoptionsstelle anfragen, ob Unterlagen vorliegen und Sie diese einsehen möchten, sagt die Adoptionstelle zum Schutz des Kindes, wir können Ihnen keine Unterlagen geben." Die leiblichen Eltern hätten mit der Unterschrift auf der Adoptionsurkunde keinerlei Rechte mehr. "Das gilt in der BRD, das galt auch schon in der ehemaligen DDR", so Schumann.

Der CDU-Abgeordnete aus Nordsachsen und Vorsitzende des Petitionsausschusses Wendt sagt, man müsse nun prüfen, ob das Unrecht flächendeckend geschehen und ob von zentraler Stelle gehandelt worden sei. Das könne gegebenenfalls auch länger dauern. "Ich will damit aber zum Ausdruck bringen, dass es keine normale Petition ist für mich wie jede normale Petition, bei der man eine Stellungnahme einholt, gegebenenfalls das Einzelproblem löst und einen Haken dran macht, sondern dass man sich tiefer damit auseinandersetzt."

Mit Informationen von Christoph Scheld, ARD-Hauptstadtstudio.

Petition fordert Aufklärung über Zwangsadoptionen in der DDR
Christoph Scheld, ARD Berlin
05.04.2018 17:17 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 05. April 2018 um 15:00 Uhr.

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