Überschwemmungen in Rhüden (Niedersachsen) | Bildquelle: dpa

Tief "Alfred" Wassermassen überschwemmen Städte im Harz

Stand: 26.07.2017 12:53 Uhr

Der Dauerregen sorgt zunehmend für Probleme. Vor allem die Region um den Harz ist betroffen. Der Landkreis Goslar rief Katastrophenalarm aus. In Bad Harzburg sprechen die Einsatzkräfte von einer "fast aussichtslosen Lage".

Anhaltender unwetterartiger Dauerregen hat in vielen Teilen Deutschlands für steigende Pegelstände und erste Überschwemmungen gesorgt. Vor allem in Niedersachsen, Thüringen sowie Sachsen-Anhalt besteht laut Behörden die Gefahr, dass kleinere Flüsse über die Ufer treten könnten. Besonders angespannt ist die Lage im Landkreis Goslar. Dort traten gleich mehrere Flüsse über die Ufer.

Der Landkreis rief am Mittag Kakastrophenalarm aus. In der Stadt Goslar wurde die gesamte Innenstadt gesperrt. Die Altstadt, die zu den Weltkulturerbestätten der UNESCO zählt, wurde komplett überschwemmt. Ein Hotel sowie eine Seniorenresidenz mussten evakuiert werden. Die Polizei erhielt Unterstützung von 60 Bereitschaftspolizisten und bittet die Anwohner, Zuhause zu bleiben.

Polizei Braunschweig @Polizei_BS
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"Fast aussichtlose Lage" in Bad Harzburg

Bad Harzburg sprachen die Einsatzkräfte von einer mittlerweile "fast aussichtslosen" Lage, das Wasser stehe fast einen halben Meter hoch in einigen Straßen. Die Feuerwehr ist mit rund 350 Helfern im Einsatz. Aus den umliegenden Gemeinden wurden Helfer angefordert, das Technische Hilfswerk ist bereits mit im Einsatz. Einige Gebäude mussten die Einsatzkräfte nach eigenen Angaben aufgeben.

Überschwemmungen in Bad Harzburg (unkommentiert)
26.07.2017

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Man werde der Wassermassen nicht mehr Herr, so ein Sprecher. Volle Keller würden erst später leer gepumpt, wenn der Regen nachgelassen habe. Derzeit seien alle Zufahrtswege in die Stadt wegen Überschwemmungen gesperrt. Auch per Zug war Bad Harzburg nicht mehr zu erreichen. Sorgen bereiten den Einsatzkräften vor allem die Wassermassen, die von von den Bergen herunterkommen werden. Laut Polizei haben die Talsperren aber bislang noch Kapazitäten.

In Wernigerode wird eine Frau vermisst. Die 69-Jährige wohnt in der Nähe eines Flusslaufes. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass sie am Dienstag in den stark angestiegenen Fluss gefallen ist.

Hochwasser nach schweren Regenfällen in Niedersachsen
Morgenmagazin 05:30 Uhr, 26.07.2017, Christian Wyrembek, ARD Leipzig

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Notunterkünfte in Hildesheim eingerichtet

Angespannt war die Lage auch in der niedersächsischen Stadt Hildesheim. Nach Angaben der Stadtverwaltung trat der Fluss Innerste in der Nacht zwischenzeitlich über die Ufer, nachdem starke Regenfälle deren Pegelstände auf Rekordwerte ansteigen ließen. Helfer von Feuerwehr und Hilfsorganisationen errichteten Sandsacksperren, die zunächst standhielten. Dennoch besteht auch weiterhin die Gefahr, dass Teile eines Wohngebiets überflutet werden könnten. Bei einer weiteren Zuspitzung der Situation müsse der betroffene Bereich geräumt werden, teilte die Stadtverwaltung mit. In einer Sporthalle sei daher bereits eine Notunterkunft eingerichtet worden, in der Anwohner betreut werden könnten.

Unwetterwarnung bis Donnerstagfrüh

Besserung ist nicht in Sicht. Für fast ganz Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern warnt der Deutsche Wetterdienst (DWD) vor Starkregen. Für manche Landesteile von Mecklenburg-Vorpommern wird gar vor "extrem ergiebigem Dauerregen" mit bis zu 110 Litern pro Quadratmeter gewarnt. Besonders betroffen ist der Osten des Landes. Bis in die Mittagsstunden soll der Dauerregen laut DWD in Niedersachsen abziehen. In Mecklenburg-Vorpommern lässt er erst Donnerstagfrüh nach.

Paul Pietraß, MDR, mit Eindrücken aus Ilsenburg
Morgenmagazin 08:30 Uhr, 26.07.2017

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Weitere Regenfälle in Bayern

Bei Thüringens Flüssen wird im Laufe des Tages mit weiter steigenden Pegelständen gerechnet. Die Warnungen vor Dauerregen blieben aktiv. So sei mit weiteren 20 bis 30 Litern Regen pro Quadratmeter zu rechnen, in Staulagen bis zu 50 Litern. Erst in der Nacht sollte der Regen von Westen her abklingen.

Auch aus Brandenburg und Bayern wurden erste Schwierigkeiten gemeldet. So bestand für die Stadt und den Kreis Bamberg in Bayern die Gefahr von Überflutungen, wie das Wasserwirtschaftsamt Kronach meldete. Der Deutsche Wetterdienst warnte vor weiteren Regenfällen bis in die kommende Nacht.

An den Alpen, im Vorland und am Bayerischen Wald werden demnach bis zu 40 Liter Niederschlag pro Quadratmeter erwartet. Hinzu kommen südlich der Donau und in höheren Lagen des Bayerischen Walds und der Alpen Sturmöen.

Klimaforscher: Wetterextreme nehmen zu

Ein Sommer mit Stark- und Dauerregen über mehrere Tage wird nach Ansicht von Potsdamer Klimaforschern in Deutschland bald nicht mehr nur Ausnahme sein. "Ganz 'normale' Bilderbuchsommer, trocken und mit Temperaturen um die 25 bis 30 Grad über mehrere Wochen werden immer seltener", erklärte der Meteorologe Peter Hoffmann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Normal werden nach seiner Einschätzung zunehmend längere Trockenperioden und Hitzephasen, gefolgt von Stark- und Dauerregen.

"Es gibt erste Hinweise, dass der Klimawandel nicht nur die Temperaturen allmählich steigen lässt", sagte Hoffmann. Das sei schon einige Zeit zu beobachten. Da sich die Arktis stärker erwärme als der Rest der Welt, verändere das auch die Zirkulation in der Atmosphäre. "Ein häufiger Wechsel von Wetterlagen mit Unwetterpotenzial könnte die Folge sein", sagte der Meteorologe. "Und wenn die Atmosphäre potenziell wärmer ist, fallen Niederschläge intensiver aus." Tagesrekorde bei Hitze um 40 Grad in Süddeutschland im Vorjahr oder sintflutartige Regenfälle wie Ende Juni in Berlin seien dann ohne weiteres häufiger möglich.

Konträres Bild im Süden Europas

Während Deutschland die nasskalte Seite des Sommers zu spüren bekommt, zeigt sich in Südeuropa das genaue Gegenteil. Auf der Mittelmeerinsel Zypern sollen die Temperaturen durch eine Hitzewelle auf mehr als 40 Grad Celsius ansteigen. In Südfrankreich und in Portugal kämpfen Rettungskräfte gegen schwere Waldbrände, die durch Trockenheit und Wind teils noch zusätzlich angefacht werden.

Über dieses Thema berichtete am 26. Juli 2017 die tagesschau um 07:00 Uhr und tagesschau24 um 09:00 Uhr.

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