Smartphone-Nutzer | Bildquelle: picture alliance / Bildagentur-o

Permanente Datensammlung Android weiß immer, wo du bist

Stand: 23.11.2017 18:43 Uhr

Zu wissen, wo sich Smartphone und Besitzer gerade befinden, hilft Apps und Diensten, die richtigen Daten bereitzustellen. Wer das nicht will, kann die Ortung abschalten. Doch jetzt hat sich herausgestellt: Android-Geräte sammeln auch dann weiter Daten.

Von Jan Rähm, WDR-Wissenschaftsredaktion

Wenn das Telefon ausgeschaltet ist oder einzelne seiner Funktionen, dann ist es auch aus. So zumindest sollten die Nutzer annehmen können. Nun jedoch werden Besitzer von Android-Geräten eines Besseren belehrt: Das US-amerikanische Online-Magazin Quartz hat herausgefunden, dass aktuelle Smartphones und Tablet-Computer mit Android-Betriebssystem permanent Standortdaten aufzeichnen und zur Analyse weiterleiten.

Datensammlung auch über WLAN

Google Maps Logo | Bildquelle: REUTERS
galerie

Deaktivieren der Ortung verhindert nicht die Übertragung von Daten.

Dabei spiele es keine Rolle, heißt es in dem Bericht, ob gerade aktiv Dienste zur Standortbestimmung wie Navigationsanwendungen genutzt würden. Außerdem sammele das Telefon weiter Daten, selbst wenn die Ortungsfunktion bewusst ausgeschaltet worden sei. Die Daten würden dann über das mobile Datennetz oder zum Beispiel, wenn keine SIM-Karte eingelegt sei, über das drahtlose Netzwerk WLAN übertragen.

Position auf einige 100 Meter genau zu bestimmen

Konkret geht es um Daten, an welcher Funkzelle das Gerät angemeldet ist und welche Funkzellen sich noch in der Nähe befinden. Gesammelt werden die Identifikationsnummern der Funkzellen. Damit kann die Position auf einige hundert Meter genau bestimmt werden. Problematisch ist, dass die Daten unablässig gesammelt werden. Das gehe deutlich über das hinaus, was die Anwender erwarten würden, schreibt das Online-Magazin.

Gegenüber mehreren Medien bestätigten Google-Sprecher die Datensammlung, die seit Anfang 2017 erfolge. Allerdings seien die Daten niemals dauerhaft gespeichert und auch nicht genutzt worden. Ende November soll mit der Praxis laut Google Schluss sein.

Nutzungsbestimmungen genau lesen

Der Fall zeigt erneut, dass Anwender die Nutzungsbedingungen von Soft- und Hardware gründlich lesen sollten. Denn in den Vereinbarungen, denen jeder vor Benutzung zustimmen muss, ist bei Android eine Passage enthalten, in der der Anwender die Sammlung von Standortdaten akzeptiert. So heißt es auch in den deutschen Nutzungsbedingungen für Google-Dienste:

"Wenn Sie Google-Dienste nutzen, erfassen und verarbeiten wir möglicherweise Informationen über Ihren tatsächlichen Standort. Wir verwenden zur Standortbestimmung verschiedene Technologien, wie IP-Adressen, GPS und andere Sensoren, die Google beispielsweise Informationen über nahe gelegene Geräte, WLAN-Zugangspunkte oder Mobilfunkmasten bereitstellen."

Wehren kann sich der Anwender gegen solchen Bedingungen nicht. Einzige Möglichkeit: Geräte und Software nicht mehr nutzen.

Immer wieder Ärger mit Standortdaten

Die Sammlung von Standortdaten ist nicht zum ersten Mal in der Kritik. 2011 kam heraus, dass Apples mobiles Betriebssystem iOS für iPhones und weitere Geräte Bewegungsdaten aufzeichnete und diese für Anwendungen leicht zugänglich waren. So ließen sich umfangreiche Bewegungsprofile erstellen. Unklar blieb 2011, ob die Daten auch an den Konzern übermittelt wurden. Als Reaktion auf die Entdeckung schottete der Hersteller den Zugang zu den gesammelten Daten ab.

Daten helfen bei Navigation

Grundsätzlich werden Standortdaten wie die IDs von Funkzellen und WLANs für verschiedenste Anwendungen gespeichert. Sie helfen den Geräten beispielsweise bei der Navigation, wenn Signale von Navigationssatelliten gerade nicht empfangen werden können.

Auch auf der anderen Seite der Funkverbindung werden Daten gesammelt. So registrieren zum Beispiel Mobilfunkanlagen die Identifikation von Geräten, die sich mit ihnen verbinden. Diese Standortdaten sollten auch im Rahmen der Vorratsdatenspeicherung zur Strafverfolgung genutzt werden können. Die Vorratsdatenspeicherung in Deutschland wurde von der Bundesnetzagentur aufgrund eines Gerichtsbeschlusses vorerst ausgesetzt.

Bundesnetzagentur setzt Vorratsdatenspeicherung vorerst aus
tagesthemen 23:25 Uhr, 28.06.2017, Ariane Reimers, Marie von Mallinckrodt, ARD Berlin

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Schnittstellen bleiben aktiv - auch bei gekappter Verbindung

Die nur anscheinend deaktivierten Funktionen sorgten in diesem Jahr bereits für Verwunderung. Nach Veröffentlichung des neuesten iOS von Apple fanden Nutzer heraus, dass die Schalter für das drahtlose Netzwerk WLAN oder die Nahbereichsfunktechnik Bluetooth nur die Verbindung kappen, die Schnittstellen aber aktiv bleiben. In einem technischen Dokument (https://support.apple.com/en-us/HT208086) erklärt der Hersteller, so sollten Komfortfunktionen und die Verbindung zu Zubehör erhalten bleiben. Will der Nutzer die Funktechnik ganz deaktivieren, müsse er dies in den Systemeinstellungen vornehmen. Das hilft im aktuellen Fall der Standortdatensammlung mit Android-Geräten nicht.

Über dieses Thema berichtete DLF Nova am 13. September 2016 um 09:09 Uhr.

Darstellung: