Symbolbild zur Cyberattacken | Bildquelle: dpa

BSI-Lagebericht Immer mehr Cyberangriffe in Deutschland

Stand: 09.11.2016 14:19 Uhr

Cyberattacken auf IT-Systeme haben drastisch zugenommen. Immer häufiger werden Behörden oder Unternehmen Ziel von Erpresser-Software, die Daten verschlüsselt und nur gegen Lösegeld wieder freigibt. Eine neue schnelle Eingreiftruppe soll nun wichtigen Einrichtungen im Notfall helfen.

Die Gefährdung von Computern, Smartphones und IT-Systemen durch Cyberangriffe hat stark zugenommen. Kriminelle nutzen immer häufiger Schwachstellen in Software und Geräten aus, um Informationen auszuspähen, Geschäfts- und Verwaltungsprozesse zu sabotieren oder sich zu bereichern. Vor allem die Bedrohung durch Erpresserprogramme, sogenannte Ransomware, habe sich seit Ende vergangenen Jahres deutlich verschärft, heißt es im Lagebericht des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik, BSI. Durch Ransomware werden Computer blockiert oder Daten verschlüsselt - meist um Lösegeld zu erpressen.

Handeln gegen Cyber-Erpresser

"Wenn informationstechnische Systeme von Krankenhäusern, Unternehmen oder der Verwaltung lahmgelegt werden, um 'Lösegeld' zu erpressen, ist das eine ernstzunehmende Entwicklung, die ein entschiedenes Handeln erfordert", erklärte Bundesinnenminister Thomas de Maizière.

Handlungsbedarf gebe es auch angesichts der Angriffe auf IT-Systeme des Bundestages oder auf die dort vertretenen Parteien. "Haben sie Erfolg, sehe ich langfristig Gefahren für die freiheitliche Gesellschaft und unsere Demokratie", so der CDU-Politiker. Als große Sorge gilt, dass der Bundestagswahlkampf zum Ziel von Cyber-Attacken von Hackern etwa aus Russland werden könnte. Davor hat etwa Kanzlerin Angela Merkel gewarnt. Im BSI-Lagebericht heißt es dazu: "Das BSI hat aktuelle Angriffe auf Parteien, Medien und staatliche Einrichtungen beobachtet, welche die Sorge vor einer gezielten Manipulation der öffentlichen Meinung durch Dritte begründen."

Große Zunahme von Schadprogrammen

Sorgen machen den Experten die exorbitante Zunahme schädlicher Programme. Täglich würden rund 380.000 neue Varianten von Schadprogrammen entdeckt. Die Anzahl von Spam-Nachrichten mit Schadsoftware im Anhang sei im ersten Halbjahr 2016 explosionsartig um 1270 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Gleichzeitig verlören bisherige klassische Abwehrmaßnahmen an Wirksamkeit. Die Spam-Aktivitäten hätten um etwa 73 Prozent zugelegt.

Spam mit solchen Programmen wurden dem Bericht zufolg vor allem aus Entwicklungs- und Schwellenländern wie Indien, Vietnam und Mexiko verschickt. Angreifer verfügten inzwischen über leistungsfähige und flexibel einsetzbare Angriffsmittel und Methoden. Dies betreffe alle Unternehmen, Staat, Verwaltung und private Anwender.

Neue Cyber-Sicherheitstrategie

Um Staat, Gesellschaft und Wirtschaft bei der Abwehr von Cyberattacken zu helfen, werden die Kapazitäten des BSI ausgebaut, kündigte de Maizière an. Die neue Cyber-Sicherheitsstrategie, die heute parallel vom Bundeskabinett verabschiedet wurde, sieht demnach den Aufbau von sogenannten schnellen Eingreiftruppen (Mobile Incident Response Teams) vor. Sie sollen Verfassungsorganen, Bundesbehörden und Betreibern kritischer Infrastruktur vor Ort bei der Abwehr von Cyberangriffen unterstützen. Außerdem bekommt das Bundeskriminalamt eine Ermittlungseinheit, die sich gezielt gegen Cyberkriminalität richtet. Die neue Cyber-Sicherheitsstrategie löst die aus dem Jahr 2011 ab und soll für die nächsten fünf Jahre gelten.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 09. November 2016 u.a. um 11:43 Uhr und um 14:43 Uhr.

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