Joachim Herrmann und Markus Söder (Archivbild Juni 2016) | Bildquelle: picture alliance / dpa

Herrmann gegen Söder? Die Erbstreiter

Stand: 30.11.2017 04:30 Uhr

Ob sich Bayerns Ministerpräsident Seehofer überhaupt zurückzieht, ist noch offen. Seine Nachfolge ist jedoch Gesprächsthema. Offenbar will neben Finanzminister Söder auch Innenminister Herrmann als Spitzenkandidat bei der Landtagswahl 2018 antreten. Sicher scheint das aber noch nicht.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann will laut übereinstimmenden Zeitungsberichten Nachfolger von Ministerpräsident Horst Seehofer werden. Der CSU-Politiker und Vertraute von Parteichef Seehofer habe diesem zugesagt, sich um die Spitzenkandidatur seiner Partei für die Landtagswahl 2018 zu bewerben, berichten "Süddeutsche Zeitung" und "Münchner Merkur". Laut der Deutschen Presse-Agentur habe Herrmann jedoch nichts zugesagt. Dies hätten mehrere CSU-Landtagsabgeordnete am Mittwochabend übereinstimmend berichtet. Bestätigt hätte Herrmann allerdings einen Termin in der Münchener Staatskanzlei am vergangenen Montag.

Söder will - aber noch nicht offiziell

Söder hatte mehrfach seinen Anspruch auf die Nachfolge von Seehofer deutlich gemacht, ohne jedoch bisher offiziell seine Kandidatur zu erklären. Seehofer hatte mehrfach betont, dass er Söder nicht für einen geeigneten Nachfolger hält.

Horst Seehofer, CSU | Bildquelle: dpa
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Seehofer steht seit der Bundestagswahl verstärkt unter Druck.

Den Berichten zufolge hatte sich Seehofers engster Führungskreis am vergangenen Montag in der bayerischen Staatskanzlei getroffen. In dieser Runde habe Herrmann mitgeteilt, gegen Söder antreten zu wollen. Bestätigen wollte Herrmann die Entscheidung aber nicht. Der "Süddeutschen Zeitung" sagte er lediglich: "Ich werde nichts sagen, bis Horst Seehofer sich erklärt hat. Das ist eine Frage des Respekts und Anstands."

Ähnlich äußerte sich aktuell auch Herrmanns Rivale: "Zunächst einmal gebietet es der Respekt, dass Horst Seehofer selber sagt, was er für richtig hält", sagte Söder. Er strebe eine einvernehmliche Lösung an.

Entscheidung wohl am Montag

Die Landtagsfraktion will am kommenden Montag in einer Sondersitzung mit Seehofer einen Spitzenkandidaten für die Landtagswahl nominieren. In der Fraktion werden Söder deutlich mehr Anhänger und Unterstützer zugeordnet als Herrmann, der bereits CSU-Spitzenkandidat bei der Bundestagswahl war. Die Entscheidung der Fraktion hat allerdings keine bindende Wirkung für den Vorstand. Die finale Entscheidung über den Spitzenkandidaten steht am 15. und 16. Dezember auf dem CSU-Parteitag in Nürnberg an.

In der CSU wird allgemein erwartet, dass sich Seehofer zurückzieht. Ob er das wirklich tut, ist aber nicht klar. Als mögliche Anwärterin für das Amt des Regierungschefs wird in der CSU auch Wirtschaftsministerin Ilse Aigner genannt. Sie zählt - ebenso wie Herrmann - zum Seehofer-Lager. Söder gilt als Seehofer-Rivale.

Seehofer - der Ministerpräsident und Parteichef ist - steht seit dem Absturz der CSU bei der Bundestagswahl massiv unter Druck, mindestens eines seiner Ämter abzugeben. Sollte er den Parteivorsitz abgeben, gelten CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt und Parteivize Manfred Weber, der auch EVP-Fraktionschef im Europaparlament ist, als mögliche Nachfolger.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 23. November 2017 um 22:15 Uhr, am 24. November 2017 die tagesschau um 20:00 Uhr und am 29. November 2017 MDR aktuell um 15:35 Uhr.

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