Grünenthal zahlt weitere 50 Millionen Euro für Opfer Contergan-Verband spricht von "gutem Anfang"

Stand: 08.05.2008 17:40 Uhr

50 Jahre Contergan
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Mahnwachen vor Arzneimittelhersteller Grünenthal

Die rund 2800 noch lebenden Contergan-Geschädigten erhalten mehr Geld: Das Aachener Pharmaunternehmen Grünenthal will weitere 50 Millionen Euro in die bestehende Contergan-Stiftung zahlen. Daraus sollen die Betroffenen dann einmal im Jahr einen zusätzlichen persönlichen Betrag erhalten, teilte der Konzern mit.

Ziel der Opfer noch nicht erreicht

Der Bundesverband der Contergan-Geschädigten begrüßte das Angebot und sprach von einem Schritt in die richtige Richtung. "Das ist auf jeden Fall ein guter Anfang", sagte die Vorsitzende Margit Hudelmaier. Noch seien aber nicht alle Ziele erreicht.

Der Verband fordere auch weiterhin eine Einmalzahlung von je 100.000 Euro für die Betroffenen des größten Arzneimittelskandals der Nachkriegsgeschichte und eine Verdreifachung der Entschädigungsrente.

Union und SPD hatten kürzlich eine Verdopplung der Sonderrenten auf den Weg gebracht, die der Bundestag am Nachmittag einstimmig verabschiedete. Die monatlichen Entschädigungszahlungen sollen demnach ab Juli auf 242 bis 1090 Euro steigen und künftig anrechnungsfrei sein.

Weltweit 10.000 Contergan-Fälle

Ausschnitt aus dem preisgekrönten Film "Contergan" | Bildquelle: obs
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Ausschnitt aus dem ARD-Film "Contergan"

Das Schlafmittel Contergan, das Grünenthal 1957 auf den Markt gebracht hatte, hat in weltweit etwa 10.000 Fällen starke Missbildungen bei Neugeborenen ausgelöst. Der Hersteller nahm das Medikament im November 1961 vom Markt. Bis dahin kamen in Deutschland etwa 5000 teilweise schwer missgebildete Kinder zur Welt, etwa 2800 Betroffene leben noch.

Familienunternehmen Grünenthal ist heute ein forschendes Pharmaunternehmen mit den Schwerpunkten Schmerztherapie und Gynäkologie. Der 1946 gegründete Konzern hat zuletzt einen Umsatz von über 800 Millionen Euro gemacht und beschäftigt weltweit rund 4800 Mitarbeiter.

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