Jerry Lewis | Bildquelle: NDR / Rune Hjelm

ARD-Dokumentation "Der Clown" Einem Film-Phantom auf der Spur

Stand: 03.02.2016 16:00 Uhr

1972 drehte der US-Komiker Jerry Lewis eine KZ-Tragikomödie - die nie in die Kinos kam: "The Day The Clown Cried". Lewis sprach kaum darüber - anders nun bei Regisseur Eric Friedler. Dessen Doku "Der Clown" mit bislang unveröffentlichtem Rohmaterial läuft heute im Ersten.

"The Day The Clown Cried" ("Der Tag, an dem der Clown weinte") - Mythen und Legenden ranken sich um die Entstehung und die Gründe für das Verschwinden des Films von Hollywood-Star Jerry Lewis. Er führte 1972 nicht nur Regie, sondern spielte auch den Clown, der sich abfällig gegen Hitler geäußert hatte und deshalb in ein Konzentrationslager gebracht worden war. Dort bringt er mit seinen Tricks jüdische Kinder zum Lachen und soll sie am Ende in die Gaskammern führen.

Doch der Film wurde nie fertig gestellt. Warum nicht? Weil Lewis gescheitert ist, wie er es selber von sich behauptet? Weil er sich "tausendmal" gefragt hat: "Wo war die Comedy, wenn man 65 Kinder in eine Gaskammer führt?" Und welche Gründe spielten noch eine Rolle, dass der Lewis-Film zu einem so genannten "lost film", verlorenen Film, wurde?

Diesen Fragen ging nun der Dokumentarfilmer Eric Friedler nach. Er wollte wissen, was aus dem Film geworden ist, der seit mehr als 40 Jahren auf der ganzen Welt gesucht wird. Und Friedler hat es geschafft, Lewis, der sonst kaum ein Wort über sein Projekt verloren hat, in seiner 115-minütigen NDR-Produktion zum Reden zu bringen. "Ich habe nie darüber gesprochen. Warum? Weil niemand durch die Gegend läuft und herum posaunt: Ich habe verloren", erzählt Lewis ihm. Aber er sagt auch: "Es gibt keinen Tag in meinem Leben, an dem ich nicht an diesen Film denke. Irgendwann am Tag fällt er mir ein und ich versuche, ihn aus meinem Kopf zu bekommen."

Bisher nie gezeigtes Rohmaterial

In Friedlers Film kommen nicht nur Zeitzeugen zu Wort. Er versammelt auch Schauspieler, die damals beteiligt waren und ihre Drehbücher noch besitzen, zu einem Experiment: Sie spielen noch einmal Szenen nach, die Friedler immer wieder fließend in Bilder aus "The Day The Clown Cried" übergehen lässt.

Die Filmausschnitte stammen aus neun Rollen Rohmaterial, die jemand bei der für Kamera und Tonentwicklung zuständigen Firma in Schweden Anfang der 80er-Jahre vor der Entsorgung retten konnte. "Wir haben weltweit in Filmarchiven gesucht, sind in Las Vegas gewesen, natürlich in Schweden, wo der Film gedreht wurde, aber auch in Paris", berichtet Friedler über seine Dreharbeiten.

Er ist überzeugt, dass Lewis zu streng mit sich selbst ist. Der Komiker sei seiner Zeit weit voraus gewesen und habe kaum filmische Vorbilder in der Aufarbeitung des Holocaust gehabt, sagt Friedler bei tagesschau24. Der Film sei ein großes Risiko gewesen - auch, weil Lewis in dem Film einen "guten Deutschen" spielt.

Eric Friedler, NDR, zur Dokumentation über den Jerry-Lewis-Film
tagesschau24 15:30 Uhr, 03.02.2016

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Ob er den Original-Film gefunden hat? Dazu meint Friedler: "Warten Sie es ab und gucken Sie sich "Der Clown" an!" - am Mittwoch, 03.02., um 22.45 Uhr im Ersten.

1/10

"Der Clown" - Jerry Lewis' nie gezeigter Holocaust-Film

Jerry Lewis

Er gilt als ein Kino-Mythos und Film-Phantom: 1972 drehte US-Komiker Jerry Lewis "The Day The Clown Cried" (Der Tag, an dem der Clown weinte"), eine Holocaust-Tragikomödie. | Bildquelle: NDR / Rune Hjelm

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