Kommentar

Spitzentreffen von CDU und CSU Die große Einheitsshow

Stand: 06.02.2017 16:52 Uhr

Merkel und Seehofer bemühten sich redlich, das Mäntelchen der Einigkeit auszubreiten. Glaubwürdig ist das aber nicht, meint Martin Mair. In Wahrheit herrscht kein Frieden, sondern nur die Einsicht: Im Wahlkampf muss die Union zusammenhalten.

Ein Kommentar von Martin Mair, ARD-Hauptstadtstudio

Horst Seehofer wird geradezu zum Hobby-Poeten: "Wir brauchen keinen Neuanfang, wir haben auch im Alltag unseren Zauber." Was der bayerische Ministerpräsident da frei nach Hermann Hesse poesiert will heißen: Probleme? Gibt's nicht! Zerstritten? Wir doch nicht!

Es ist schon einigermaßen atemberaubend, wie sich die Unionsschwestern nach ihrem Treffen in München präsentieren: gemeinsame Wurzeln, gemeinsame Ziele, große Harmonie zwischen den konservativen Schwestern. Der monatelange Dauerstreit um die Obergrenze wird fluchs zur Nebensache erklärt und das leidige Thema in den Bayernplan abgeschoben. Ein eigenes CSU-Mini-Wahlprogramm soll die große Einheitsshow der Unionsparteien retten.

Angela Merkel und Horst Seehofer haben sich in München wirklich redlich bemüht, das Mäntelchen der Einigkeit auszubreiten - glaubwürdig aber ist das nicht. Denn zu sehr beharrten beide in den vergangenen Monaten auf ihren Positionen, als dass sie jetzt glaubhaft versichern könnten: Die Obergrenze ist doch nur eine Kleinigkeit - ein bisschen Differenz zwischen zwei ansonsten einigen Parteichefs.

Weder Frieden noch Harmonie

In Wahrheit aber herrschen eben weder Frieden noch Harmonie, sondern nur die Einsicht: Wenn wir uns jetzt nicht zusammenreißen, bekommen wir im Wahlkampf ein echtes Problem. Der plötzliche Höhenflug der SPD mit ihrem Kanzlerkandidaten Martin Schulz hat die Union aufgeschreckt. Auch deshalb rückt sie jetzt enger zusammen. Auch deshalb versuchen Merkel und Seehofer krampfhaft, sich als einträchtiges Duo zu verkaufen. Das wirkt einigermaßen gequält und angestrengt. Ob sie damit zweifelnde konservative Wähler überzeugen können, ist fraglich. Der selbst verordnete Frieden ist brüchig. Keine guten Voraussetzungen für einen Wahlkampf, der gerade erst begonnen hat.

Von wegen Harmonie: CDU und CSU finden Burgfrieden
M. Mair, ARD Berlin
06.02.2017 15:56 Uhr

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