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Merkel wieder zur CDU-Chefin gewählt
Die One-Woman-Show
Die CDU steht fast geschlossen hinter ihr: Auf dem Parteitag in Hannover ist Angela Merkel mit knapp 98 Prozent der Stimmen erneut zur CDU-Chefin gewählt worden - es ist ihr bislang bestes Ergebnis. Schon zuvor konnte sich die Kanzlerin nicht über mangelnde Zustimmung der Delegierten beklagen. Der Parteitag gerät zur perfekten Inszenierung.
Von Ute Welty, tagesschau.de, zzt. Hannover
Dieser Parteitag heißt jede und jeden herzlich willkommen. So zumindest macht es den Eindruck rund um Halle 13 auf dem Messegelände der niedersächsischen Landeshauptstadt. Der DGB bietet Nikoläuse in Mannschaftsstärke auf, um für einen Mindestlohn von 8,50 Euro zu werben. Die deutschen Tafeln verteilen Äpfel - als ob die CDU-Delegierten bedürftig wären. Und Frauen an Blasinstrumenten sorgen für die Art von musikalischer Untermalung, wie sie gut auf ein Gartenfest im Spätsommer passt. Am Himmel über Hannover ziehen derweil Schneewolken auf.
"Wie eine Eins"
Souverän eröffnet Merkel die Veranstaltung. Die Gäste begrüßen, der Toten gedenken und David McAllister feiern. Der niedersächsische Ministerpräsident stellt sich am 20. Januar zur Wiederwahl. Die Umfragewerte sind gut, aber trotzdem könnte es am Ende nicht reichen. Von daher kann McAllister jede Unterstützung brauchen und lässt es im Gegenzug nicht an Unterstützung fehlen: "Wir stehen wie eine Eins hinter dir", ruft er Merkel zu. Die Delegierten, vor allem die aus Niedersachsen, reagieren begeistert. Sie halten Schilder in die Luft. "I'm a Mac" ist darauf zu lesen.
Parteitag und Alltag haben schon vom Grundsatz her wenig gemein. Schließlich wollen solche Veranstaltungen Zäsuren setzen, zum Beispiel auf ein Wahljahr einstimmen. Der 25. Parteitag der CDU aber erscheint völlig losgelöst von Raum und Zeit. Im Plenarsaal für die rund 1000 Delegierten dämpft hellgrauer Nadelfilz die Schritte. Stoffbespannung an den Wänden sorgt zusätzlich für Behaglichkeit. Nichts lärmt, nichts klappert, nichts stört. Sogar diejenigen, für die der Streit zu einem Parteitag unbedingt dazugehört, kommen auf ihre Kosten. Die steuerliche Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften ist in der CDU ein heiß diskutiertes Thema. Darüber entscheiden aber wird das Bundesverfassungsgericht.
CDU wählt Merkel erneut zur künftigen Führungsspitze
tagesthemen 22:15 Uhr, 04.12.2012, Gabi Kostorz, ARD Berlin
Selbstbewusstsein als Droge
Als Merkel dann selbst das Wort ergreift, versucht sie, ihrer Rede eine gewisse Sogwirkung zu verleihen. Die ständige Wiederholung steht als Stilmittel im Vordergrund. Das Selbstbewusstsein der Parteivorsitzenden und Kanzlerin soll sich so auf die Delegierten übertragen. Kaum ein Satz, der den eigenen Erfolg unerwähnt lässt. Was man geschafft habe, suche seinesgleichen, sagt sie, und: "Schwarz-Gelb ist die erfolgreichste Regierung seit 1990". Mit diesen Worten hat Merkel während der Haushaltsdebatte zwar punkten können, aber auch viel Spott provoziert. Das wiederum ficht sie nicht an, im Gegenteil. "Auch mir hat eine Satiresendung schon mal aus der Seele gesprochen", sagt Merkel. "Gott hat die FDP vielleicht nur erschaffen, um uns zu prüfen", fügt sie unter dem Gelächter und Geraune der Delegierten hinzu. Frechheit siegt eben doch, Widerstand und Widerspruch sind zwecklos.
Zweifellos beansprucht Merkel den Durchblick für sich. "Es sind turbulente Zeiten", betont sie mit Blick auf die Herausforderungen von Finanzkrise, Energiewende und demografischer Veränderung. Die Welt befinde sich in schwerer See, durch die CDU das Land mit klarem Kompass steuere. Das maritime Motiv scheint es ihr überhaupt angetan zu haben. "Wogen und Wind" hätte die Partei schon oft zu spüren bekommen, so Merkel, "aber immer haben wir dann Segel und Steuer ergriffen, um das stolze Schiff CDU in eine gute Zukunft zu führen". Merkel kann inzwischen auch Pathos.
Die stellvertretenden CDU-Parteivorsitzenden
Julia Klöckner, Armin Laschet, Volker Bouffier, Ursula von der Leyen und Thomas Strobl sind die stellvertretenden CDU-Parteivorsitzenden.
Die Zahl des Tages: 97,9
Belohnt wird sie dafür mit einem Ergebnis, das sich sehen lassen kann. 97,9 Prozent der Delegierten bestätigten Merkel im Amt der Parteivorsitzenden. Fast wirkt sie ein wenig gerührt, aber nur für Sekunden. Dann hat sie sich wieder unter Kontrolle. Wie vorher auch, als der Parteitag sieben Minuten und 40 Sekunden Applaus spendet. Stehend. Natürlich. Auf diesem Parteitag weiß eben jeder, was er zu tun hat.
Blöd nur, dass das auch die anderen wissen. Während die CDU noch in Halle 13 tagt, bereitet die SPD nur wenige Meter weiter in den Hallen 7 und 8 ihren Sonderparteitag am kommenden Sonntag vor. Einziger Programmpunkt: Die Wahl des Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück. Das Logo der deutschen Sozialdemokratie ist schon aufgebaut. Merkel dürfte es vom Tagungshotel aus gesehen haben.
Stand: 04.12.2012 16:32 Uhr
