Merkel und Seehofer auf dem CDU Parteitag

CDU-Parteitag in Karlsruhe Jetzt muss Seehofer auf Merkels Bühne

Stand: 15.12.2015 10:30 Uhr

Einen solchen Eklat wie beim CSU-Parteitag in November hatte es in der Union sehr lang nicht mehr gegeben: Parteichef Seehofer führte Kanzlerin Merkel auf der Bühne quasi vor. Heute sind die Zeichen umgekehrt: In Karlsruhe ist er Gast der frisch gestärkten CDU-Chefin.

Von Martin Mair, MDR, ARD-Hauptstadtstudio, zzt. Karlsruhe

Angela Merkel muss ein bisschen nachhelfen. Als sie zum Schluss ihrer Rede beim Parteitag die übliche Danksagung zündet, gibt es höflichen Applaus. Bis die CDU-Chefin auf die bayerische Schwester zu sprechen kommt.

Keiner klatscht.

Merkel reckt die Arme, lächelt verschmitzt und am Ende applaudieren die Delegierten doch für Horst Seehofer. Er muss sich warm anziehen - den roten Teppich wird ihm die CDU-Basis nicht ausrollen. Beim CSU-Parteitag vor ein paar Wochen ließ Seehofer die Kanzlerin wie ein Schulmädchen neben sich auf dem Podium stehen.

"Das war unterirdisch"

Die bayerische Watschn haben viele Delegierte in Karlsruhe nicht vergessen. Dass Seehofer so vehement eine Obergrenze fordert, damit können die meisten leben. Denn, so sagt es Martina Hurst: In der Sache streiten - das sei völlig in Ordnung. Doch für die Baden-Württembergerin überschritt der CSU-Chef eine Grenze. Der Stil sei "unterirdisch" gewesen, sagt sie.

Und deshalb, so glaubt die Brandenburgerin Kristy Augustin, wird Seehofer wohl eher höflich als begeistert empfangen. Der Familienzwist der Schwesterparteien ist noch nicht ausgestanden. "Wir haben uns wirklich sehr geärgert", sagt sie. Auch beim Bundesvorstand der Frauen-Union sei es Thema gewesen: "Vielleicht gibt es ein kleines Signal, aber wir werden die Schwesterpartei natürlich höflich begrüßen."

Zahmer CSU-Chef

Seehofer selbst gibt sich vor seinem heutigen Auftritt zahm - jedenfalls für seine Verhältnisse. Den gefundenen Kompromiss zur Flüchtlingsfrage nannte sein Umfeld einen richtigen Schritt. Gemeint ist der Passus im Leitantrag der CDU, dass die Flüchtlingszahlen spürbar reduziert werden sollen. Fast einstimmig unterstützten die Delegierten diesen Kurs.

Jetzt muss Seehofer auf Merkels Bühne
ARD-Morgenmagazin, 15.12.2015, Kirsten Girschik, BR

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Rückenwind für Merkel also und der kam, so glaubt es der Kölner Karsten Möring, ausgerechnet von Seehofers Abkanzeln der Kanzlerin. Dies habe trotz aller parteiinternen Differenzen in der Flüchtlingspolitik dazu geführt, "ein bisschen stärker den Zusammenhalt zu betonen", meint er. "Und auf dem Weg sind wir einen ganz entscheidenden Schritt weitergekommen."

Frieden von Dauer?

Zumindest stützt die CDU-Basis die Kanzlerin - einmal mehr. Ob der Frieden aber von Dauer ist, muss sich noch zeigen. Denn auch wenn die Kritiker in Karlsruhe verstummt sind, muss sie liefern. Die Hardliner werden genau beobachten, ob die Flüchtlingszahlen tatsächlich zurückgehen und die europäische Lösung, die Merkel immer wieder anmahnt, konkreter wird. Es sind viele Baustellen für Kanzlerin - sie gibt sich kämpferisch.

Heute kann die Kanzlerin kurz durchatmen: Die eigentliche Klippe des Parteitags hat sie umschifft, ihre Partei stützt ihren Kurs in der Flüchtlingsfrage. Und daran wird auch Seehofer nichts ändern - zumindest nicht bei Merkels Heimspiel. Die Bühne in Karlsruhe gehört ihr allein.

CDU stützt Merkels Kurs in der Flüchtlingsfrage
M. Mair, ARD Berlin
15.12.2015 03:06 Uhr

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