Zur Haupt-Navigation der ARD.
Zum Inhalt.
Der Castor-Transport aus Frankreich nähert sich langsam seinem Ziel im niedersächsischen Gorleben. Welche Strecke der Zug mit dem hoch radioaktiven Müll nimmt, ist geheim. Trotzdem formieren sich die Gegner an den Gleisen und versuchen, den Zug zu stoppen. Es kam zu heftigen Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten
[Bildunterschrift: In Haßloch gelang es Demonstranten den Castor zu stoppen. ]
In Rheinland-Pfalz musste der Castor-Transport einen außerplanmäßigen Stopp für etwa zwei Stunden einlegen. 70 bis 100 Demonstranten waren nach Angaben der Bundespolizei bei Haßloch in einem Abschnitt von etwa drei Kilometern auf die Schienen gestürmt und hatten so die Weiterfahrt zunächst blockiert. Nachdem die Polizei die Schienen "weitgehend friedlich" geräumt hatte, fuhr der Zug in Richtung Hessen weiter. Die Polizei nahm etliche Protestierende in Gewahrsam und sprach eine große Zahl von Platzverweisen aus, wie ein Polizeisprecher berichtete.
Auch in Niedersachsen nahm der Widerstand gegen den Castor-Transport weiter zu. Atomkraftgegner beschädigten mit Molotowcocktails im Wendland zwei Streifenwagen, teilte die Polizei mit. Wie schon am Vorabend gingen die Einsatzkräfte mit einem Wasserwerfer gegen gewaltbereite Protestler vor und kündigten eine harte Linie an.
[Bildunterschrift: In Niedersachsen warfen Castor-Gegner mit Molotowcocktails. ]
Die Polizei sprach von einem ungewöhnlichen Ausmaß an Aggressivität. Beamte seien mit Steinen angegriffen worden, sagte ein Polizeisprecher in Lüneburg. In einem Waldgebiet an der Castor-Schienenstrecke wurden 200 bis 300 Menschen vermutet. Molotowcocktails und Böller seien geflogen. Demonstranten versuchten laut Polizei, Steine aus dem Gleisbett an der Castor-Schienenstrecke zu entfernen.
Der Castor-Transport hatte am Freitagmorgen die französisch-deutsche Grenze bei Saarbrücken passiert. In Neunkirchen im Saarland legte er mehr als fünf Stunden Pause ein. Dann wurden Polizisten ausgetauscht, die Lok gewechselt und Strahlen gemessen. Die Gesellschaft für Nuklear-Service teilte mit, es gebe nachweislich keine Grenzwertüberschreitungen beim Castor-Transport.
Die schweren Zusammenstöße zwischen Polizei und Atomgraftgegnern haben eine eine Diskussion zur Gewalt rund um den Atommülltransport ausgelöst. Die Grünen und die Linkspartei riefen die Sicherheitskräfte zur Zurückhaltung auf. Die Grünen-Fraktionsvorsitzende im EU-Parlament, Rebecca Harms, sagte der "tageszeitung": "Es hat im Wendland über viele Jahre die Strategie der Deeskalation gegeben. Das jetzt aufzukündigen, dafür sehe ich keine Begründung." Der Protest im Wendland habe sich immer zum Prinzip der Gewaltlosigkeit bekannt. "Ich fordere die Polizei nun auf, hier nicht weiter zu eskalieren."
Der Fraktionschef der Linksfraktion im Bundestag, Gregor Gysi, rief die Polizei ebenfalls zur Zurückhaltung auf, wie die "taz" weiter meldete. Die Bevölkerung habe ein Recht zur Demonstration und zum Widerspruch. Die Polizei habe dieses Recht Gysi zufolge wiederum nicht nur zu dulden, sondern müsse es eigentlich fördern. "Doch statt zu deeskalieren, eskaliert sie die Situation - angetrieben von den politisch Zuständigen", sagte Gysi weiter.
Die Polizei verteidigte den Einsatz. "Straßenblockaden werden nicht mehr hingenommen", sagte der Sprecher der Bundespolizei, Fabian Hüppe. Der Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Bernhard Witthaut, forderte ein Ende der Gewalt. Anti-Atom-Organisationen sprachen von einer Machtdemonstration der Polizei.
Der Castor-Transport ist beladen mit hochradioaktiven Abfällen aus der Wiederaufarbeitung deutscher Brennelementem in der französischen Anlage La Hague. Es ist der letzte Transport dieser Art. Viele Menschen in der Region befürchten, dass mit den Atommülltransporten ins Zwischenlager Gorleben, wo bereits über 100 Atommüllbehälter stehen, auch eine Entscheidung für ein Endlager vorweg genommen wird.
Die Landesrundfunkanstalten der ARD: BR, HR, MDR, NDR, Radio Bremen, RBB, SR, SWR, WDR,
Weitere Einrichtungen und Kooperationen: ARD Digital, ARTE, PHOENIX, 3sat, KI.KA, DLF/ DKultur, DW