Legalisierung von Marihuana Cannabis künftig auf Rezept erhältlich

Stand: 17.08.2010 19:20 Uhr

Künftig können Ärzte schwerkranken Patienten Cannabis zur Therapie ihrer Leiden verschreiben. Wie Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler mitteilte, beschlossen die Regierungspartner aus Union und FDP eine entsprechende Änderung des Betäubungsmittelgesetzes. Bislang ist der Konsum und die Verschreibung von Cannabis in Deutschland auch zu medizinischen Zwecken nicht erlaubt. Der Konsum zu Rauschzwecken und der Handel mit der Droge bleiben auch weiterhin verboten.

Cannabis-Medikamente sollen Multiple-Sklerose-Patienten helfen

Joint | Bildquelle: dpa
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Sich mit Cannabis zu berauschen bleibt weiterhin illegal.

Die Wissenschaft sei inzwischen deutlich weiter als noch vor einigen Jahren, sagte Rösler in Berlin. So könne das Rauschmittel etwa Multiple-Sklerose-Patienten helfen, Krämpfe zu lindern. Auch Menschen, die im Sterben liegen, soll so geholfen werden. Union und FDP wollen dazu Hospizen auch erlauben, Notfallvorräte für schmerzlindernde Betäubungsmittel anzulegen. Ärzte sollen Cannabis-Medikamente nur dann verschreiben dürfen, wenn eine eindeutige Diagnose für einen Patienten vorliegt.

Neuregelung geht nicht weit genug

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans, nannte die geplanten Gesetzesänderungen am Dienstag in Berlin einen wichtigen Schritt für schwerstkranke Menschen. Auch die Deutsche Hospiz Stiftung begrüßte die Pläne der Regierung. Bislang würden viele Schmerzpatienten "in die Illegalität gedrängt", wenn sie versuchten, Cannabis als Medikament zu erhalten, sagte Verbandschef Eugen Brysch. Das zu ändern, sei richtig.

Der Arbeitsgemeinschaft "Cannabis als Medizin" (ACM) reicht die Neuregelung nicht aus. So kritisierte ACM-Vorsitzende Franjo Grotenhermen, dass eine Verschreibung nur dann möglich sei, wenn ein Pharmaunternehmen einen entsprechenden Antrag dafür stelle. Einen solchen Antrag gebe es bisher nur für ein Multiple-Sklerose-Präparat. "Patienten mit anderen Erkrankungen haben auch dann keinen Zugang zu entsprechenden Medikamenten", sagte Grotenhermen der Nachrichtenagentur dpa.

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