Vorstoß zur Entkriminalisierung

Kriminalbeamte für Ende des Cannabis-Verbots

Stand: 05.02.2018 17:11 Uhr

Schluss mit dem Cannabis-Verbot fordert der Bund Deutscher Kriminalbeamter. Die jetzige Regel sei "willkürlich erfolgt" und "nicht zielführend", so der Vorsitzende. Die Bundesärztekammer sieht das anders.

Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) hat ein Ende des Cannabis-Verbots gefordert. So sollen Konsumenten "entkriminalisiert" werden. Der BDK-Vorsitzende André Schulz sagte der "Bild"-Zeitung, dass das Verbot von Cannabis "historisch betrachtet willkürlich erfolgt und bis heute weder intelligent noch zielführend" sei.

Der Vorsitzende des BDK, André Schulz

Es habe in der Menschheitsgeschichte noch nie eine Gesellschaft ohne Drogenkonsum gegeben, dies müsse akzeptiert werden. "Cannabis, so meine Prognose, wird in Deutschland nicht mehr allzu lange verboten sein."

"Bessere Möglichkeiten, als auf Repression zu setzen"

Durch das derzeitige Rechtssystem würden Menschen stigmatisiert und kriminelle Karrieren erst befördert. Es gebe bessere Möglichkeiten in der Drogenpolitik, als vor allem auf Repression zu setzen, sagte Schulz. Dazu gehöre, zu lernen, mit einem verantwortungsvollen Drogenkonsum umzugehen, Konsumenten und Suchtkranken unter Fürsorgeaspekten zu helfen und einen tatsächlich wirksamen Kinder- und Jugendschutz möglich zu machen.

Der BDK-Vorsitzende stellte zugleich klar: "Aus Sicherheitsgründen darf das Führen eines Kraftfahrzeuges weder im alkoholisierten oder sonstwie berauschten Zustand erfolgen." Derzeit gebe es dabei "noch einige rechtliche Unsicherheiten und Gesetzeslücken", was den Unterschied zwischen Cannabis und Alkohol sowie illegalem Cannabis-Konsum und Konsum auf Rezept betreffe.

"Kiffen nicht harmlos"

Die Bundesärztekammer spricht sich gegen diesen Vorstoß aus. "Kiffen ist kein harmloses Freizeitvergnügen", sagte Erik Bodendieck, Vorsitzender der Arbeitsgruppe "Sucht und Drogen" der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Das habe auch eine aktuelle Studie der Ludwig-Maximilians-Universität in München im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums bestätigt.

Cannabis könne negative psychische, organische und soziale Effekte haben. Besonders für junge Konsumenten sei das Risiko hoch. "Cannabis kann abhängig machen - gerade auch in Hinblick auf die in den letzten Jahren stark angestiegenen THC-Gehalte der verwendeten Pflanzen", warnte Bodendieck. Die Bundesärztekammer werde weiterhin intervenieren, wenn es um die Freigabe von Cannabis zum Freizeitgebrauch gehe.

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#kurzerklärt: Cannabis

15.05.2017, Kristin Joachim, RBB