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Das Verteidigungsministerium soll bereits früh Hinweise auf zivile Opfer bei dem von einem deutschen Offizier angeordneten Luftangriff auf zwei von Taliban entführte Tanklastzüge in Afghanistan gehabt haben. Die "Bild"-Zeitung berichtet unter Berufung auf einen Bericht der deutschen Militärpolizei und bisher geheime Videos, das Ministerium habe von Anfang an auch klare Hinweise auf unzureichende Aufklärung vor dem Bombenabwurf gehabt.
Der "Bild" zufolge dokumentiert die Untersuchung der Bundeswehr-Feldjäger detailliert, zu welchem Zeitpunkt Informationen über zivile Opfer vom deutschen Regionalkommando in Masar-i-Scharif ans Einsatzführungskommando der Bundeswehr in Potsdam übermittelt wurden. Dieser Bericht wurde nach Informationen des Blattes aber nicht an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet, die in dem Fall ermittelt. Der Luftangriff am 4. September in der Nähe von Kundus war von dem Bundeswehr-Oberst Georg Klein befohlen worden. Bis zu 142 Menschen wurden dabei getötet.
Im ARD-Morgenmagazin reagierte Unionsfraktionschef Volker Kauder empört auf den Zeitungsbericht. "Für uns Parlamentarier bleiben drängende Fragen", sagte er. Sollte die Bundeswehrführung über das Video informiert gewesen sein und diese Information nicht an den damaligen Verteidigungsminister Franz Josef Jung weitergeleitet haben, "ist dies ein schweres Versäumnis." Personelle Konseuenzen seien nötig.
Kauder forderte eine lückenlose Aufklärung, über das, was in der Bundeswehrführung passiert ist. Minister Jung nahm Kauder hingegen in Schutz: "Ich gehe davon aus, dass er es nicht gewusst hat", sagte Kauder im Morgenmagazin.
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[Bildunterschrift: Was wusste Franz Josef Jung zu welchem Zeitpunkt? ]
Ex-Verteidigungsminister Franz Josef Jung hatte auch noch Tage nach dem Angriff gesagt, nach seinen Informationen seien ausschließlich Taliban-Kämpfer getötet worden. Der "Bild" zufolge meldete das deutsche Regionalkommando in Masar-i-Scharif aber bereits wenige Stunden nach dem Angriff an das Einsatzführungskommando in Potsdam, im Krankenhaus in Kundus würden im Zusammenhang mit dem Luftschlag auch Zehnjährige behandelt. Ein Arzt habe von zwei 14-jährigen Jungen mit offenem Bruch und Schrapnellverletzungen berichtet.
Außerdem habe das Regionalkommando unter Berufung auf NATO-Verbündete gemeldet, die Taliban hätten Dorfbewohner gezwungen, bei der Bergung von Benzin zu helfen. 14 von ihnen seien verschwunden.
[Bildunterschrift: Einer der beiden bombardierten Tanklaster nach dem Angriff. ]
Der "Bild" zufolge dokumentieren der interne Bundeswehr-Bericht und das Angriffsvideo auch schwere Versäumnisse bei der Aufklärung unmittelbar vor dem Bombenabwurf. Demnach hatte der Augenzeuge, der behauptet hatte, es seien nur Aufständische an den Tanklastern, gar keinen Sichtkontakt zu den entführten Fahrzeugen. Die NATO-Verbündeten seien zudem bei der Auswertung von Videobildern in einem Bericht vom 6. September zu dem Schluss gekommen, dass es für Klein unmöglich gewesen sei, anhand dieser Bilder die Aussagen des Informanten zu bekräftigen.
Dennoch sagte Jung am 8. September im Bundestag zu Kleins Vorgehen: "Er hatte durch klare Aufklärungsmittel den eindeutigen Hinweis, dass es sich ausschließlich um regierungsfeindliche Kräfte handelt."
Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) kündigte in der "Bild" eine Untersuchung der Vorgänge an. "Sollten mir zu Kundus nicht alle relevanten Informationen aus der letzten Legislaturperiode vorgelegt worden sein, werde ich unverzüglich Konsequenzen ziehen müssen", so zu Guttenberg.
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