Rekordzahl von Beschwerden beim Wehrbeauftragten

Bundeswehr-Soldaten (Bildquelle: dapd)

Mehr als 5000 Beschwerden beim Wehrbeauftragten

Mächtig Frust in der Truppe

Die Beschwerden von Soldaten über Missstände bei der Bundeswehr haben in diesem Jahr einen Höchststand erreicht. Bis zum 23. Dezember gingen nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa beim Wehrbeauftragten des Bundestags, Hellmut Königshaus, 5061 Beschwerden ein und damit 17 Prozent mehr als im Vorjahr. Gemessen an der Zahl der Soldaten, ist das der höchste Stand seit Beginn der Erfassung 1959.

Bundeswehrreform ein Kritikpunkt

Königshaus führte die Unzufriedenheit unter anderem auf die Bundeswehrreform zurück. "Die Soldaten fragen sich: Was ist eigentlich die positive Veränderung gegenüber dem vorhergehenden Zustand?", sagte er gegenüber der Nachrichtenagentur dpa."Es geht auch nicht nur um Kommunikationsmängel. Es sind die Inhalte selbst, die zumeist Anlass der Verärgerung sind."

Mehr als 5000 Beschwerden beim Wehrbeauftragten der Bundeswehr
tagesschau 20:00 Uhr, 29.12.2013, Oliver Köhr, ARD Berlin

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Mehr als 50 Prozent sind Pendler

Als einen Grund für den Frust in der Truppe nannte Königshaus die häufigen Versetzungen. Bei der Bundeswehr geben es inzwischen weit mehr als 50 Prozent Pendler. "Viele fühlen sich von ihrem Dienstherrn alleingelassen. Die Anlässe für Versetzungen müssen reduziert werden", forderte er.

Viele Beschwerden betreffen auch Verzögerungen bei Beihilfezahlungen für Arztrechnungen durch personelle Umstrukturierungen im Zuge der Reform. "Die Situation ist besonders schwierig, weil die Patienten in Vorleistung gehen müssen, teilweise Überziehungskredite in Anspruch nehmen müssen", so Königshaus.

Das Grundproblem bleibt

Der Wehrbeauftragte hatte bereits in seinen vergangenen beiden Jahresberichten auf die Unzufriedenheit über die Reform hingewiesen "Wir haben keine echte Besserung", sagte er. "Eine Beruhigung hat sich dadurch ergeben, dass eine gewisse Gewöhnung an die Situation eingetreten ist, aber das Grundproblem bleibt ja bestehen."

Die Aufgabe des Wehrbeauftragten ist es, Beschwerden von Soldaten zu prüfen und auf Missstände bei der Bundeswehr auch öffentlich hinzuweisen. Einmal im Jahr veröffentlicht er einen umfassenden Bericht über seine Arbeit. Den letzten Bericht hatte er im Januar 2012 vorgestellt.

Kernpunkte der Bundeswehrreform sind die Aussetzung der Wehrpflicht, die Verkleinerung der Truppe von 250.000 auf 185.000 Soldaten und die Schließung von 32 Bundeswehrstandorten. Rund 90 weitere Standorte werden teils drastisch verkleinert.

Stand: 29.12.2013 09:20 Uhr

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