Seitenueberschrift

Verteidigungsminister bei der deutschen Luftwaffe in Fort Blizz

Sparkurs bei der Luftverteidigung

Bundeswehr streicht Ausbildung in den USA

Die Bundeswehrreform ist bei den deutschen Auslandsstandorten angekommen. Nach mehr als 55 Jahren schließt sie ihr Luftwaffen-Ausbildungszentrum im US-amerikanischen Fort Bliss, wo gegenwärtig rund 270 Soldaten stationiert sind.

Bei seinem Truppenbesuch im Taktischen Aus- und Weiterbildungszentrums für Flugabwehrraketen informierte Verteidigungsminister Thomas de Maizière über die Entscheidung. Er teilte den Soldaten mit, dass die Ausbildung am Patriot-Raketenabwehrsystem ins schleswig-holsteinische Husum umziehen soll. Bürgermeister Uwe Schmitz bezeichnete dies "als großes Glück für die Stadt".

Eine Luftabwehrrakete vom Typ "Patriot" wird zu Testzwecken abgeschossen (Foto undatiert).
galerie

Eine Luftabwehrrakete vom Typ "Patriot" wird zu Testzwecken abgeschossen. Diese Übung sollen die deutschen Soldaten künftig nicht in Husem, sondern auf Kreta absolvieren.

Das scharfe Raketenschießen werde auf der griechischen Insel Kreta stattfinden, ergänzte de Maizière. Das deutsche Luftwaffenkommando, das die Ausbildung von Bundeswehrpiloten an zahlreichen Standorten über die ganzen USA und Kanada verstreut koordiniert, soll aufgelöst werden.

Stichwort

1956 hatte die Bundeswehr die Ausbildung ihrer FlaRak-Soldaten in Fort Bliss im US-Bundesstaat Texas begonnen. Zunächst wurde sie an dem Abwehrsystem Nike geschult, das bis 1986 im Dienst war. Danach folgte bis 2003 das Waffensystem Hawk. Seit 1987 ist das Patriot-System Kern der bodengestützten Luftverteidigung. Diese Abwehrraketen können auch gegen ballistische taktische Raketen sowie gegen Marschflugkörper eingesetzt werden. In den vergangenen gut 55 Jahren haben nach Angaben der Bundeswehr mehr als 50.000 Soldaten diese Kurse durchlaufen.

Quelle: dapd

Hintergrund ist die Umstrukturierung der Luftwaffe, die auch einen Abbau der gegenwärtig 24 Staffeln mit geschätzt knapp 200 Patriot-Systemen auf künftig nur noch zwölf vorsieht. Zugleich versicherte er, dass die Bundeswehr weiter an dem bewährten Patriot-System festhalte, das auch der deutsche Beitrag zum künftigen NATO-Raktenabwehrschild für Europa sein soll.

Eurofighter-Ausbildung möglicherweise in den USA

De Maizière machte ferner deutlich, dass die Ausbildung der Tornado-Piloten auf dem US-Luftwaffenstützpunkt in Holloman in New Mexico reduziert werde.

Zudem werde geprüft, ob die Ausbildung der künftigen Eurofighter-Piloten in die USA verlagert werde könne. Die Luftwaffe soll den jüngsten Plänen zufolge bis 2025 über 85 Tornado-Kampfjets und 140 Eurofighter verfügen.

US-Truppenabzug beginnt wie geplant

US-Verteidigungsminister Leon Panetta
galerie

Mit ihm traf sich de Maizière in Washington: US-Verteidigungsminister Panetta

Im Rahmen seines USA-Besuches kam de Maizière mit seinem amerikanischen Amtskollegen Leon Panetta zusammen. Das Treffen in Washington diente vor allem der Vorbereitung des NATO-Gipfels. Zudem ging es in dem Gespräch um den Afghanistan-Einsatz und die neue Militärstrategie der USA samt Truppenabzug aus Deutschland.

Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums werden mehr als 10.000 Soldaten aus der Bundesrepublik abgezogen. Die Verlegung soll in diesem Jahr beginnen und bis 2017 abgeschlossen sein. De Maizière sagte, die Zahlen seien kein Grund zur Klage. Das Verfahren sei transparent verlaufen und das Ergebnis moderat. Deutschland bleibe für die USA das Hauptstationierungsland in Europa.

Auflösung von Kampfbrigaden

Wie erwartet lösen die USA zwei schwere Kampfbrigaden mit je 3850 Soldaten auf, die in Baumholder in Rheinland-Pfalz und Grafenwöhr in Bayern stationiert sind. Die Einheiten waren durch den Afghanistan-Einsatz in den vergangenen zehn Jahren ohnehin die meiste Zeit abwesend. Auch das Aus für die bayerischen Standorte Schweinfurt und Bamberg war bereits bekannt. Nach Angaben des Pentagon sollen 1600 Soldaten einer Luftlandebrigade mit ihren Familien künftig im italienischen Vicenza stationiert sein.

Außerdem kündigte das US-Verteidigungsministerium die Auflösung eines in Spangdahlem (Rheinland-Pfalz) stationierten Luftwaffen-Geschwaders mit 525 Soldaten an. Das Hauptquartier des 5. US-Corps in Wiesbaden soll ebenfalls weichen, rund 750 Soldaten werden von hier im Sommer nach Afghanistan verlegt. Auch der geplante Abzug von 2500 Soldaten aus Unterstützungseinheiten dürfte deutsche Standorte treffen, das US-Militär will die Entscheidung nach eigenen Angaben noch in diesem Jahres treffen.

Texas: Von Tieffliegern und Standortschließungen
S. Ueberbach, ARD Berlin zzt. El Paso
16.02.2012 12:24 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Gespräche mit CIA-Chef und Senator McCain

Anschließend sind Gespräche mit US-Geheimdienstdirektor James Clapper und mit dem republikanischen Senator John McCain geplant. Die viertägige Reise de Maizières endet mit einer Grundsatzrede an der renommierten Harvard Universität in Boston. Zum Auftakt am Dienstag hatte de Maizière den CIA-Chef und Ex-Kommandeur der Afghanistan-Schutztruppe, David Petraeus, mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt.

Stand: 16.02.2012 12:04 Uhr

Darstellung: