Die Kaserne Panzertruppenschule in Munster, Niedersachsen | Bildquelle: dpa

Verteidigungsministerium Vor dem Kollaps noch ein Zusatzmarsch

Stand: 18.08.2017 13:34 Uhr

Im Fall der kollabierten und eines verstorbenen Bundeswehrsoldaten bringt ein Bericht des Verteidigungsministeriums neue Erkenntnisse. Demnach mussten die Soldaten einen Zusatzmarsch im Laufschritt absolvieren, der im Dienstplan eigentlich nicht vorgesehen war.

Im Zusammenhang mit dem Tod eines Soldaten bei einem Bundeswehrmarsch in Munster gibt es neue Details. Unmittelbar vor dem Kollaps und anschließendem Tod eines Soldaten bei einem Bundeswehrmarsch sind er und mehrere seiner Kameraden noch auf einen Zusatzmarsch geschickt worden.

"Dieser Hin- und Rückmarsch (...) vom Ausbildungsort in die Kaserne und zurück war im Dienstplan nicht vorgesehen", heißt es in einem Zwischenbericht des Verteidigungsministeriums zur Untersuchung der Vorfälle. Mehr als 25 Soldaten hätten dabei "eine Strecke von insgesamt ca. sechseinhalb Kilometern, streckenweise im Laufschritt" absolvieren müssen.

Grund für den zusätzlichen Marsch, den die Soldaten vor der eigentlichen Übung absolvieren mussten, war dem Papier zufolge, dass fehlende Ausrüstungsgegenstände aus der Kaserne geholt werden sollten. Einige Offiziersanwärter mussten außerdem bei sommerlichem Wetter Liegestütze machen.

Noch keine Erklärung für Hitzschlag

Am 19. Juli waren mehrere Offiziersanwärter bei einer Übung im Gelände kollabiert, einer starb an den Folgen. Nach ersten Untersuchungen hatten die Soldaten einen Hitzschlag erlitten. Eine Erklärung dafür angesichts der nicht außergewöhnlich hohen Temperaturen von knapp 28 Grad gibt es aber weiterhin nicht.

Der Verteidigungspolitiker der Linkspartei, Alexander Neu, forderte Bundeswehr und Verteidigungsministerium auf, die Vorgänge "transparent" aufzuklären und auf "Verharmlosungen" zu verzichten. In einer ersten Obleuteunterrichtung sei auf seine Nachfrage, ob der Marsch mit Laufintervallen oder anderen Maßnahmen ergänzt worden sei, "mit einem unverschämten und höhnischem Unterton verneint" worden. "Es hat den Anschein, dass wesentlich mehr stattgefunden hat als ein einfacher Marsch", sagte Neu. Die hohe Zahl an äußerst erschöpften und verletzten SoldatInnen lasse "andere Ablaufszenarien" vermuten.

Tod durch multiples Organversagen

Der später gestorbene Soldat brach dem Bericht zufolge bereits beim Zusatzmarsch auf dem Hinweg zur Kaserne kurz vor dem Ziel zusammen. Als Todesursache gab die Staatsanwaltschaft laut Obduktionsbericht multiples Organversagen an. Wie die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Lüneburg der Deutschen Presse-Agentur sagte, habe dieses im Zusammenhang mit einer Sepsis - Blutvergiftung - gestanden. "Wie es dazu kommen konnte, müssen weitere rechtsmedizinische Folgeuntersuchungen zeigen", sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

Ein Offizier weiter in kritischem Zustand

Ein weiterer Offiziersanwärter liege wegen seines kritischen Zustands noch immer im Krankenhaus, heißt es weiter im Zwischenbericht. Zwei weitere Soldaten befänden sich derzeit in einer Reha. Insgesamt klagten demnach elf Rekruten im Zusammenhang mit den Märschen über Beschwerden, darunter auch leichtere Verletzungen.

Acht Ausbilder und 35 Offiziersanwärter seien bereits vom Kompaniechef zu dem Fall vernommen worden. Der Kompaniechef leitet die internen Ermittlungen der Bundeswehr. Auch die Staatsanwaltschaft in Lüneburg ermittelt. Das Verteidigungsministerium hatte am Montag Berichte dementiert, demnach die Soldaten illegale Aufputschmittel genommen hätten. Ein Soldat habe zwar eine Aussage gemacht, aber angegeben, einen Energy Drink getrunken zu haben. Unklar ist bislang, ob das Getränk zu dem Hitzschlag beigetragen haben könnte.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 30. Juli 2017 um 08:00 Uhr.

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