Die Kaserne Panzertruppenschule in Munster, Niedersachsen | Bildquelle: dpa

Tod nach Bundeswehr-Marsch Hitzschlag, Medikamente und viele Fragen

Stand: 01.09.2017 07:30 Uhr

Bei einem Ausbildungsmarsch im Juli brachen vier Rekruten zusammen, einer starb. Nun hat das Heer einen vorläufigen Untersuchungsbericht vorgelegt. Kernaussage: Die medizinischen Ursachen für Kollaps und Tod sind weiter unklar, aber Vorgesetzte haben mehrfach falsche Entscheidungen getroffen.

Von Christian Thiels, tagesschau.de

Der 19. Juli ist kein besonders heißer Tag in Munster in Niedersachsen. So um die 28 Grad ist es in der Spitze, im Schnitt aber nur gut 20 Grad. Bei diesen Temperaturen brechen bei einem Ausbildungsmarsch vier junge Rekruten zusammen, müssen intensivmedizinisch behandelt werden. Einer überlebt den Kollaps nicht, ein weiterer ist immer noch in kritischem Zustand auf der Intensivstation. Die übrigen zwei erholen sich langsam. Angebliche Ursache laut Bundeswehr: ein Hitzschlag. Doch wie konnte es dazu kommen?

Ariane Reimers, ARD Berlin, zu möglichen Ursachen des Unglücks
tagesschau 12:00 Uhr, 01.09.2017

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Das Heer hat nun einen vorläufigen Untersuchungsbericht vorgelegt und kommt auf 42 Seiten zu wenig erhellenden Ergebnissen. "Die Ursachen, die zum Tode des Offizieranwärters (OA) und zu den schwerwiegenden Erkrankungen von drei weiteren Soldaten führten, konnten bislang nicht vollständig aufgeklärt werden", heißt es in dem Bericht, der tagesschau.de vorliegt. Eine eindeutige Ursache für die Häufung von Hitzeschlägen am 19. Juli habe man nicht finden können. Von "ungünstiger Verkettung von Umständen und Faktoren" ist die Rede.

Mehrfach falsche Entscheidungen

In Vorbereitung und Verlauf der Ausbildung der Rekruten an diesem Tag seien zwar "mehrfach nicht sachgerechte - in einem Fall auch weisungs-/vorschriftenwidrig - Entscheidungen getroffen und Maßnahmen angewandt" worden. Doch für sich gesehen seien diese aber "nicht singulär ursächlich" für die tragische Entwicklung.

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen | Bildquelle: ZB
galerie

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen zeigte sich betroffen von den Geschehnissen.

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen sagte, die Untersuchungen seien noch nicht abgeschlossen, zumal auch die Staatsanwaltschaft eigene Ermittlungen führe und immer neue Hinweise untersucht würden. Im Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" lobte sie das "sorgfältige und akribische Vorgehen" der Untersuchungsgruppe.

Soldat hat geringes Übergewicht

Doch wie könnte es dann zu den Ereignissen am 19.Juli kommen? Dem verstorbenen Soldat attestierten die Militärärzte ein vergleichsweise mäßiges Übergewicht von vier Kilo. Man setzte darauf, dass sich dieses Problem innerhalb eines Monats von selbst lösen werde. Der Soldat bekam Ernährungstipps und einen Trainingsplan und soll auch deutlich an Gewicht verloren haben.

Außerdem wurde ihm offensichtlich ein Asthma-Spray verschrieben, das er auch während des fatalen Marsches mindestens einmal nutzte. Bei der Kontrolle der Spinde der kollabierten Rekruten fanden sich offensichtlich auch Medikamente, die zur Behandlung von Neurodermitis und Allergien genutzt werden. Die Nebenwirkungen solcher Präparate könnten "als begünstigender Faktor für einen Hitzschlag bewertet werden", ist im Bericht nachzulesen. Doch augenscheinlich nahmen nur zwei der vier Soldaten solche Medikamente.

Keine Hinweise auf Drogen

Über Aufputschmittel, Drogenmissbrauch und übermäßigem Konsum von Energy-Drinks ist nach Bekanntwerden der tragischen Fälle viel spekuliert worden. Doch beim Drogenscreening der betroffenen Soldaten fand sich laut Bericht nichts. Auch die Obduktion des toten Rekruten war in dieser Hinsicht ohne Ergebnis.

Das medizinische Fazit liest sich so banal wie erschreckend: Benannt werden "relativer Trainingsmangel", Überlastung, das Übergewicht. Aber auch die Einnahme von Substanzen, die die Temperaturregelung des Körpers beeinflussen können, sei "nicht auszuschließen". Selbst ein "übertriebener Ehrgeiz und gruppendynamische Prozesse" werden angeführt.

Zwischenbericht zum Todesfall bei der Bundeswehr in Munster
tagesschau 15:00 Uhr, 01.09.2017, Ariane Reimers, ARD Berlin,

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Fehler der Vorgesetzten

Allerdings räumt der Bericht auch Fehler der Vorgesetzten ein. Die Kleidung sei in manchen Abschnitten der an diesem Tag durchgeführten Ausbildung nicht für das Wetter und die herrschenden Temperaturen geeignet gewesen. So mussten die Rekruten ihre Splitterschutzweste unter der Feldjacke tragen, was "an Leistungsstand und Witterung nicht angepasst" gewesen sei.

Gleichwohl heißt es im Bericht absurderweise, dass genau diese Bekleidung durch "übergeordnete Befehlsgebung" angeordnet gewesen sei. Davon abzuweichen fiel den Vorgesetzen offenbar nicht ein.

Kritik an Führungspersonal - eher nachsichtig

Die Kritik am Führungspersonal fällt dennoch in vielen Punkten vergleichsweise nachsichtig aus. Auf Anzeichen für Erschöpfung hätten die Ausbilder angemessen reagiert, den bevorstehenden Kollaps der Soldaten hätten sie nicht erahnen können, kann man aus den Zeilen herauslesen.

Dass die Ausbilder während des Marsches immer wieder Laufschritt anordneten und Liegestütze machen ließen, "widerspreche der Zielsetzung" eines solchen Eingewöhnungsmarsches und "sei zu unterlassen".

Als problematisch wird auch die Abwesenheit wichtiger Vorgesetzter bewertet. So heißt es im Bericht, dass auch die "urlaubsbedingten Abwesenheiten am ersten Tag der Gefechtsausbildung des III. Zuges ein nicht zweckdienliches Vakuum in der Dienstaufsicht" ergeben habe. Um gleich darauf zu erklären, dass Urlaubs- und ferienbedingte Abwesenheiten sich auch künftig nicht vermeiden lassen könnten. Außer natürlich, man bekomme mehr Personal und könne damit den Dienstposten eines "Kompanieeinsatzoffiziers und stellvertretenden Kompaniechefs" in allen Einheiten einrichten. "Kumulierte Abwesenheiten von führungswichtigem Personal" seien zu vermeiden.

Neue Regelungen

Ansonsten beschreibt das Heer, dass und wie man aus den Ereignissen gelernt habe. Neue Regelungen zur Bekleidung würden bereits umgesetzt. Außerdem müsse künftig eine Belehrung oder eine Unterrichtseinheit zum Thema Marsch, "einschließlich Vermeidung von Hitze-/Kälteschäden" in Vorbereitung auf die Eingewöhnungsmärsche stattfinden.

Und nicht zuletzt listet der Bericht auch auf, wie die Bundeswehr sich um die Angehörigen des verstorbenen Soldaten und seiner trotz Kollaps überlebenden Kameraden gekümmert hat. Darunter auch der Hinweis, dass man dem Vater des toten Rekruten die Übernahme der "notwendigen Kosten für eine Bestattung im angemessenen Rahmen" zugesichert habe.

Bundeswehr räumt Fehler im Fall Munster ein
Christoph Prössl, ARD Berlin
01.09.2017 08:44 Uhr

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Über dieses Thema berichteten am 01. September 2017 die tagesschau um 09:00 und 12:00 Uhr sowie NDR Info um 12:08 Uhr.

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