Soldaten stehen in einer Reihe

Missstände in der Bundeswehr Mehr Beschwerden über Fehlverhalten

Stand: 15.07.2017 16:28 Uhr

In der Bundeswehr häufen sich Meldungen über Fehlverhalten von Vorgesetzten, sexuelle Belästigungen und Rechtsextremismus. Das belegen Daten des Verteidigungsministeriums für das erste Halbjahr diesen Jahres.

Die Beschwerden über sexuelle Belästigung, rechtsextreme Auswüchse und Fehlverhalten von Vorgesetzten in der Bundeswehr haben in der ersten Jahreshälfte massiv zugenommen. Das bestätigte das Verteidigungsministerium. Zunächst hatte die "Rheinische Post" darüber berichtet.

Besonders stark zugenommen haben Verdachtsfälle, in denen Fehlverhalten Vorgesetzter gegenüber Untergebenen gemeldet wurde. Während 2016 nur 28 solche Fälle gemeldet wurden, seien es bis zum 9. Juli 2017 schon 56 gewesen, heißt es in dem Bericht. Bei Meldungen zu Verstößen gegen die sexuelle Selbstbestimmung sei mit 127 erfassten Verdachtsfällen schon jetzt das Vorjahresniveau von 128 Fällen quasi erreicht.

Und auch bei Meldungen über Vorfälle mit rechtsextremem beziehungsweise fremdenfeindlichem Hintergrund habe das Verteidigungsministerium bereits im ersten Halbjahr 96 Verdachtsanzeigen gelistet - nach 63 im gesamten Vorjahr.

Gewachsene Sensibilität als Grund?

Ein Ministeriumssprecher führte den Anstieg auch auf eine neue Einstellung in der Truppe zurück. "Die Sensibilität in der Truppe für Vorkommnisse, wie wir sie im Frühjahr öffentlich diskutiert haben, ist messbar gestiegen", sagte er. Er betonte, dass es sich um intern angezeigte Verdachtsfälle handele. "Gemeldet wurden dabei nicht nur frische neue Fälle, sondern auch eine Vielzahl alter Vorkommnisse, die aus der Perspektive der Betroffenen zuvor noch nicht angemessen bearbeitet oder gewürdigt wurden." Viele dieser Verfahren würden nun neu überprüft.

Für Aufsehen hatten in den vergangenen Monaten unter anderem Vorwürfe wegen sexueller Übergriffe im Rahmen der Bundeswehr-Ausbildung am Standort Pfullendorf sowie Rechtsextremismus-Vorwürfe im Zusammenhang mit dem Fall des Oberleutnants Franco A. gesorgt. Er soll einen Anschlag vorbereitet haben.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau und Deutschlandfunk am 15. Juli 2017 um 12:00 Uhr.

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