Militärtransporter A400M

Bundeswehr und ihr Transportflieger A400M Container statt Cockpit

Stand: 01.06.2016 00:59 Uhr

Für das Verteidigungsministerium bleibt der Pannenflieger A400M "alternativlos". Eine Haltung, die nicht nur viel Geld kostet, sondern auch eine ganze Reihe von Folgeproblemen aufwirft - einige von ihnen sehr skurril.

Von Christian Thiels, tagesschau.de

Das muss für einen Piloten wirklich eine herbe Enttäuschung sein: Da wird man monatelang ausgebildet, um den neuen High-Tech-Militärtransporter A400M steuern zu dürfen, und dann landet man statt im Cockpit des Riesenfliegers in einem Container und steuert Aufklärungsdrohnen. Doch genau das passiert derzeit in der Luftwaffe. Weil 2016 nur 60 Prozent der geplanten Flugstunden auf der neuen Transportmaschine abgeleistet werden können, müssen etliche der inzwischen 59 fertig ausgebildeten Piloten nun Drohnen lenken oder sie werden - so sie es denn können - auf den Regierungsfliegern der Flugbereitschaft eingesetzt.

Das ist nur ein Beispiel, wie die Bundeswehr mit den Pannen, Verzögerungen und Schwierigkeiten rund um den Transport-Airbus umgehen muss. Dennoch ist von einem Ausstieg aus dem A400M-Programm keine Rede. Aus dem Ministerium heißt es, ein Abbruch sei "kein Thema". Und das, obwohl die Liste der Mängel lang ist: Neben erheblichen Verzögerungen in der Produktion gibt es Qualitätsprobleme, Risse in verschiedenen Bauteilen, immer wieder Ärger mit den Triebwerken, und der Airbus kann immer noch nicht alles, was einst versprochen wurde. Doch all das seien "keine Flugsicherheitsprobleme", beschwichtigt man im Verteidigungsministerium.

Airbus A400M
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Ja, der A400M kann fliegen. Aber es treten immer wieder Probleme auf, vom Regelbetrieb für die Bundeswehr ist der Transporter noch weit entfernt.

Erhebliche Transportengpässe ab 2018

Größere Sorgen macht sich das Wehrressort um die drohende Lücke bei den Transportkapazitäten. Denn nun räumen auch Militärs und Fachbeamte ein, was Experten seit Monaten befürchten: Die Verzögerungen bei der Lieferung des Airbus und die gleichzeitige Ausmusterung der betagten Transall-Maschinen führt unweigerlich dazu, dass sich beim Lufttransport beginnend 2018 erhebliche Engpässe ergeben werden. Mit einer Finanzspritze von rund 400 Millionen Euro sollen einige der Transall-Maschinen noch bis 2021 am Leben und in der Luft gehalten werden. Doch das kann die Misere höchstens abschwächen, nicht lösen.

Deshalb sucht man im Ministerium nun händeringend nach Notlösungen. Demnach soll die Nutzung ziviler Transportunternehmen verstärkt werden. Doch dieser Markt ist schon jetzt heiß umkämpft, weil etliche europäische Verbündete ähnliche Probleme mit ihren A400M-Lieferungen haben. Außerdem steht etwa das ukrainisch-russische Joint-Venture SALIS, das mit seinen riesigen Antonow-Transportmaschinen auch für die Bundeswehr viel Kriegsgerät hin- und herfliegt, wegen der politischen Spannungen zwischen Kiew und Moskau auf der Kippe. Im Verteidigungsministerium will man wegen dieser Unwägbarkeiten auch bei den Alliierten anklopfen und sich um Flugstunden in deren Transportmaschinen bemühen. Alles in allem sei die Lage damit "beherrschbar", gibt man sich optimistisch.

Die Strafzahlungen stopfen die Finanzlöcher nicht

Doch all das wird auch Geld kosten: Das Ministerium verweist auf Strafzahlungen, die Airbus für die Verzögerungen zahlen müsse. Die könne man dann verwenden um das Stopfen der Lücke zu finanzieren. Doch ob das reichen wird, ist fraglich. Im vergangenen Jahr zahlte Airbus gerade einmal 13 Millionen an den Bund. Bei rund 30.000 Euro, die etwa eine Flugstunde mit der Antonow kostet, reicht das - rein rechnerisch - für gerade mal 35 Flüge Afghanistan-Deutschland.

Alexander Neu, der für die Linkspartei im Verteidigungsausschuss sitzt, ist ohnehin skeptisch, ob das Ministerium substanziellere Strafzahlungen von Airbus anstreben wird. Zu eng ist in seinen Augen die Verbindung von Bundesregierung und Flugzeughersteller. Trotzdem führe an solchen Zahlungen kein Weg vorbei, sagt Tobias Lindner, Haushaltspolitiker der Grünen: "Ursula von der Leyen muss sicherstellen, dass die verantwortliche Herstellerfirma Airbus die Karten auf den Tisch legt und Transparenz über den vollen Umfang der Probleme beim A400M sicherstellt. Selbstverständlich erwarte ich, dass der Hersteller die Probleme nachhaltig löst und seinen Schadensersatzpflichten nachkommt."

Hercules in Faysabad | Bildquelle: Christian Thiels
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Ein Transportflugzeug vom Typ C-130 "Hercules" in afghanischen Faysabad. Der A400M könnte hier im Notfall nicht landen.

A400M für viele Einsätze gar nicht tauglich

Doch selbst wenn Airbus zahlt, bleiben andere Probleme - neben den rein quantitativen Engpässen drohen der Bundeswehr auch qualitative Lücken. Denn sobald die Landepisten miserabel werden und die Flughäfen klein - wie etwa in Mali oder Afghanistan - kann der A400M nicht ohne Weiteres eingesetzt werden, weil er schlicht zu groß ist. Auch die schnelle Evakuierung von Verletzten oder Zivilisten aus potenziell umkämpften Regionen funktioniert mit ausreichender Sicherheit nur mit speziell geschützten Flugzeugen. Der A400M bietet das bislang nicht. Auch in diesen Bereich hoffen die Verantwortlichen in von der Leyens Haus auf Unterstützung der Verbündeten. Für SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold ist das ein Dilemma mit Ansage. "Das hat man jahrelang sehenden Auges zugelassen", sagt er im Gespräch mit tagesschau.de und ergänzt: "Eigentlich ist es da schon fünf nach zwölf".

Arnold fordert deshalb die Beschaffung eines kleineren, wendigeren Modells zusätzlich zum A400M. Da bliebe aktuell nur die Lockheed C130J Hercules. Doch auch diese Maschine könnte nicht über Nacht beschafft werden. Das Ministerium ist ohnedies zurückhaltend. Den Kauf eines weiteren Flugzeugmodells prüft man aktuell nur mit sehr gebremstem Elan, in der militärischen Luftfahrtstrategie der Bundesregierung wird der Kauf eines solchen Flugzeuges sogar als nicht notwendig abgelehnt. Für Arnolds Parteifreund Fritz Felgentreu unverständlich. Wenn man nur auf Airbus setze, sei das Erpressungspotential des Unternehmens viel zu groß.

Bundeswehr erwägt Alternative zum Transportflugzeug A400M
tagesschau 16:00 Uhr, 31.05.2016, Marion von Haaren, ARD Berlin

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