Hubschrauber Chinook  | Bildquelle: Defensie.nl

Neue Bundeswehr-Hubschrauber Kommt die nächste "fliegende Banane"?

Stand: 02.09.2017 02:33 Uhr

Die Bundeswehr will neue Transporthubschrauber kaufen. Viel deutet auf das Modell CH-47 "Chinook" hin: Davon stehen genug zur Verfügung und sie sind einsatzerprobt. Doch bei der deutschen Industrie stößt der Kandidat auf Kritik.

Von Christian Thiels, tagesschau.de

Die "fliegende Banane" gehört in den Anfangsjahren der Bundeswehr zu den eher skurrilen Hubschraubertypen der Streitkräfte. Die Maschine mit den charakteristischen Doppelrotoren und der Form, die an eine Banane erinnert und deshalb Pate für den Spitznamen stand, leistete von Ende der 1950er- bis Anfang der 1970er-Jahre Dienst als verlässliches Arbeitspferd der Heeresflieger.

Der "Chinook" als neuer Transporthelikopter?

Nun könnte ein moderner Nachfolger der "fliegenden Banane" wieder bei der Bundeswehr auftauchen. Nach Informationen von tagesschau.de will die militärische Führung sich für den CH-47 "Chinook" der US-Firma Boeing als Nachfolger für die betagte Flotte aus CH-53 Transporthelikoptern aussprechen. Es wird damit gerechnet, dass Generalinspekteur Volker Wieker bald eine entsprechende Empfehlung geben wird.

Hubschrauber Chinook | Bildquelle: Defensie.nl
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Sie hat das Verteidigungsministerium als mögliche Transporthelikopter ins Auge gefasst: den "Chinook"...

Hubschrauber CH-53K | Bildquelle: US Navy
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... oder die neueste Variante des CH-53, den CH-53K.

Aus der Luftwaffenführung heißt es, Stückpreis und Betriebskosten seien sehr gute Argumente für eine solche Entscheidung. "Was nützt mir ein Super-High-Tech-Hubschrauber, wenn ich nur eine Handvoll davon bekomme?", so ein Luftwaffen-General im Gespräch mit tagesschau.de. Man brauche eine größere Anzahl von Hubschraubern und da sei der "Chinook" ein sehr attraktives Angebot.

Im Rennen um den neuen Hubschrauber sind nur noch der "Chinook" von Boeing und die neueste Variante des CH-53, der CH-53K, hergestellt von der ebenfalls amerikanischen Firma Lockheed-Martin.

Einsatzerprobt und in größerer Stückzahl

Statt 40 CH-53K könnten 60 "Chinook" gekauft werden, heißt es inoffiziell aus dem Ministerium. Für das Boeing-Modell spreche auch, dass es bereits fertig entwickelt und bei vielen Streitkräften im Einsatz ist. Der CH-53K hingegen ist so umfangreich modernisiert worden, dass er bis auf den Rumpf ein eigentlich komplett neuer Hubschrauber ist. Die US-Marines haben gerade erst mit den Flugtests der Maschine begonnen.

Ein so neues System birgt das Risiko von Kinderkrankheiten und Pannen. Problematisches Fluggerät hat die Bundeswehr aber mit den Tiger- und NH90-Helikoptern, dem Kampfjet Eurofighter und den Airbus A400M-Transportern schon jetzt zu genüge. Es wäre also womöglich auch politisch ein Wagnis, erneut ein solches Risiko auf sich zu nehmen, weil es zu peinlichen und teuren Rüstungsskandalen führen könnte.

Wohl auch deshalb und mit Blick auf ausufernde Kosten bei Neuentwicklungen hat sich Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen in Rüstungsfragen mehrfach für marktverfügbare Systeme ausgesprochen. Auf Anfrage erklärt das Wehrressort allerdings, eine endgültige Entscheidung sei noch nicht gefallen. Selbst wenn der Generalinspekteur sich für den "Chinook" ausspricht, hat die Politik das letzte Wort.

In der Vergangenheit folgten die Minister und auch Ministerin von der Leyen allerdings dem Ratschlag des höchsten Soldaten. Vor der Bundestagswahl ist aber nicht mehr mit einer Entscheidung zu rechnen. Im Ministerium plant man mit dem endgültigen Votum der Politik für Anfang 2018.

Deutsche Industrie will ihr Stück vom Kuchen

Europäische Hersteller wie Airbus sind dabei weitgehend außen vor, denn sie haben kein passendes Fluggerät im Angebot. Eine Neuentwicklung wäre zu kostspielig und langwierig, räumen die Unternehmen selbst ein.

Trotzdem versucht die deutsche Industrie, vom finanziellen Kuchen zumindest ein Stück abzubekommen. In einer Art Bettelbrief bemühten sich die Unternehmen bei der zuständigen Rüstungsstaatssekretärin Katrin Suder um gesonderte Ausschreibungen für Wartung und Instandhaltung des neuen Hubschraubers. Suder will Beschaffung und Betrieb aber im Paket einkaufen. Auch dann wären vermutlich deutsche Firmen beteiligt, doch in geringerem Umfang, sagen Branchenkenner.

Die deutsche Industrie verweist als Argument vor allem auf ihre Expertise bei den bisher eingesetzten Maschinen vom Typ CH-53. Betreuung und Versorgung der Luftfahrzeuge werde "völlig autark, von den USA unabhängig und eigenverantwortlich von der deutschen Industrie sichergestellt", heißt es dazu in einem Schreiben des Bundesverbandes der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie.

"Chinook" bereits in anderen EU-Ländern im Einsatz

Doch Suder erteilte den Waffenschmieden jüngst eine deutliche Abfuhr. Womöglich auch, weil sie bereits wusste, dass es auf einen anderen Hubschrauber als das CH-53-Modell hinausläuft. Einen, bei dem die deutschen Unternehmen so gut wie keine Erfahrung haben.

Der "Chinook" wird in Europa von Großbritannien, Griechenland, Spanien, der Türkei und den Niederlanden eingesetzt. Mit einigen dieser Nationen und vor allem mit Deutschlands gefühltem Lieblingspartner Holland könnte man möglicherweise eine Kooperation bei Ausbildung und Betrieb vereinbaren. Schon jetzt arbeitet Deutschland mit dem Nachbarn militärisch zusammen. Erst vor wenigen Tagen vereinbarte man eine enge Kooperation bei der Luftverteidigung.

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