Schützenpanzer des Typs Marder werden auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr (Bayern) auf einen Zug verladen | Bildquelle: dpa

Bundeswehr-Ausrüstung Nach wie vor bescheiden

Stand: 26.02.2018 21:26 Uhr

Der Zustand der Bundeswehr-Ausrüstung ist nach wie vor schlecht - zu diesem Ergebnis kommt der Jahresbericht des Verteidigungsministeriums. Insgesamt gebe es aber einen positiven Trend.

Von Christian Thiels, tagessschau.de

Kaum hat die Kanzlerin verkündet, dass Ursula von der Leyen weiter die Chefin im Wehrressort bleibt, da liefert ihr Ministerium den Bericht zum Zustand der wichtigsten Waffensysteme der Bundeswehr ab. Und der liest sich nicht gerade als feurige Empfehlung für eine weitere Amtszeit. Denn die Lage beim Militärgerät ist nach wie vor bescheiden. Bei 30 Waffensystemen habe sich die Lage im Jahr 2017 "verstetigt", ist im Bericht, der tagesschau.de vorliegt, nachzulesen. Allerdings sei bei den U-Booten, den Leopard-Kampfpanzern und dem Schützenpanzer Marder auch "ein deutliches Absinken der Einsatzbereitschaft" festzustellen.

Dass keines der sechs deutschen U-Boote aktuell einsatzbereit ist, hat bereits negative Schlagzeilen gemacht. Aber auch von den 244 Leopard2-Kampfpanzern waren nur 105 einsatzbereit. Eine schlechte Quote, auch wenn 71 der Kampfpanzer zu geplanten Inspektionen oder Aufrüstungen in den Werkstätten standen und deshalb nicht einfach so als kaputt mitgerechnet werden können. 382 Schützenpanzer Marder hat das Heer, abzüglich der Fahrzeuge in den Werkstätten waren nur 212 einsatzbereit.

Ein Kampfpanzer Leopard 2 fährt fährt während einer Bundeswehr-Übung. | Bildquelle: dpa
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Ein Kampfpanzer des Typs Leopard 2 während einer Bundeswehr-Übung.

Arbeitsgruppe speziell für Helikopter

Eigentlich soll der Marder bald durch den moderneren Puma abgelöst werden. Von dem hat die Bundeswehr schon 176, aber nur 112 standen 2017 zur Verfügung und davon waren gerade 48 einsatzbereit. Die schlechte Lage begründet das Papier auch mit einer höheren Beanspruchung durch Übungen und Auslandseinsätze: "Dies wirkt sich unmittelbar auf die materielle Einsatzbereitschaft aus", heißt es im Bericht. Allerdings, das beeilen sich die Autoren zu betonen, könnten die von Deutschland eingegangenen Verpflichtungen in der NATO "durchhaltefähig erfüllt werden". Zuletzt hatte es zum Teil erhebliche Zweifel daran gegeben, und das Ministerium bemüht sich seither eifrig, diesen Eindruck zu zerstreuen.

So auch im Bericht zur Einsatzbereitschaft. Der Transporthubschrauber NH90 etwa, seit langem Sorgenkind der Heeresflieger, weise trotz der Belastung durch den Einsatz im Mali insgesamt "einen leichten Aufwärtstrend in der Entwicklung der Einsatzbereitschaft - wenn auch auf niedrigem Niveau" auf, so der Bericht.

alt Die Bundesverteidigungsministerin und stellvertretende CDU-Vorsitzende Ursula von der Leyen | Bildquelle: AP

Von der Leyen zu den Mängeln

Angesichts der Kritik an der Einsatzbereitschaft der Bundeswehr hat Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen erneut um Nachsicht geworben. "Wir können nicht in wenigen Jahren alles aufholen, was zuvor 25 Jahre lang abgebaut und gespart worden ist", sagte sie der "Passauer Neuen Presse". Bei
Ausrüstung im Gesamtwert von rund 200 Milliarden Euro sei die vollständige Modernisierung "ein langsamer und mühsamer Weg".

Gleichzeitig betonte sie: "Wir werden in den nächsten Jahren deutlich mehr Mittel brauchen, damit die Bundeswehr die Aufgaben bewältigen kann, die ihr das Parlament gibt." Zehn Milliarden Euro für die Bundeswehr seien sicher, zusätzlich frei werdende Finanzmittel im Bundeshaushalt sollten "prioritär für die Bundeswehr und die Entwicklungszusammenarbeit eingesetzt werden".

Die Zahlen machen allerdings wenig euphorisch: 58 NH90 hat die Bundeswehr. Auch hier stehen etliche zu geplanten Inspektionen und Modernisierungsmaßnahmen in den Hangars. Verfügbar waren lediglich 37, wirklich einsatzbereit im Schnitt aber nur 13 Maschinen. Noch schlechter ist die Lage beim Kampfhubschrauber Tiger. Von 52 Stück waren 39 verfügbar, aber nur zwölf einsatzbereit.

Für den großen Transporthubschrauber CH53 suchen die Streitkräfte gerade nach einem Nachfolger. Offenbar dringend, denn von 72 Maschinen waren 2017 lediglich 16 einsatzbereit. Mit weitgehenden Folgen, wie der Bericht vermerkt: "Der Einsatz in Afghanistan war nur noch durch eine konsequente Priorisierung auf die Einsatzausbildung möglich." Anders formuliert: Die Ausbildung in Deutschland war kaum noch möglich. Wegen der misslichen Lage hat von der Leyen schon vor Jahren eine eigene Arbeitsgruppe eingesetzt, die sich speziell um die Helikopter kümmert. Dennoch müssen für die Weiterbildung der Piloten und das regelmäßige Training nun auch Hubschrauber bei einer Tochterfirma des ADAC angemietet werden.

Der Mehrzweckhubschrauber NH90 der Bundeswehr | Bildquelle: dpa
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Der Mehrzweckhubschrauber NH90 der Bundeswehr.

"Erschreckendes Bild"

Auch bei der Luftwaffe fliegt derzeit nur wenig. Von den 15 inzwischen ausgelieferten Transportfliegern des Typs A400M waren nur drei einsatzbereit. An manchen Tagen lag die Quote auch bei Null: "Die geringe und deutlich unter den Erwartungen liegende materielle Einsatzbereitschaft resultierte im Kern aus aufwändigen, nicht planbaren Instandhaltungsmaßnahmen, die auch durch Qualitätsmängel verursacht waren", resümiert der Bericht. Problematisch ist auch die Situation bei den 128 Eurofighter-Kampfjets. Nur 81 waren verfügbar, aber mit 39 davon nicht mal die Hälfte einsatzbereit. Noch schlechter sind die Zahlen bei den verbliebenen 93 Tornado-Jagdbombern. Zwar standen davon im Schnitt 63 zur Verfügung, aber nur 16 waren wirklich einsatzbereit.

Der Bericht gelobt Besserung, eine nachhaltig positive Wirkung "ist jedoch erst mittelfristig zu erwarten". Neue Verträge bräuchten Zeit - genau wie die Anpassung der Kapazitäten der Industrie bei der Produktion von neuem Kriegsgerät oder Ersatzteilen. Tobias Lindner von den Grünen beschwichtigt das nicht. Er spricht gegenüber tagesschau.de von einem insgesamt "erschreckenden Bild der Einsatzbereitschaft der Bundeswehr." Besonders gravierend sei, dass gerade bei den neuen Systemen keine Verbesserung bei der Einsatzbereitschaft zu verzeichnen sei. "Das zeigt, dass das Verteidigungsministerium die Ersatzteilversorgung und die Instandhaltung nach wie vor nicht im Griff hat", so Lindner

Mängel bei der Bundeswehr-Ausrüstung
Christoph Prössl, ARD Berlin
27.02.2018 14:15 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk24 am 26. Februar 2018 um 21:00 Uhr.

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