Helmut Schmidt im Frühjahr 1940 als Leutnant der Luftwaffe | Bildquelle: dpa

Durchsuchungen bei Bundeswehr Bundeswehruni hängt Schmidt-Foto ab

Stand: 12.05.2017 19:35 Uhr

Ausgerechnet der Namensgeber: In der nach Helmut Schmidt benannten Bundeswehruniversität Hamburg ist ein Bild abgehängt worden, das den Altkanzler in Wehrmachtsuniform zeigt. SPD-Verteidigungsexperte Arnold kritisierte die Entscheidung in klaren Worten.

In der nach Helmut Schmidt benannten Bundeswehruniversität Hamburg ist ein Bild des Altkanzlers entfernt worden, weil es ihn in Wehrmachtsuniform zeigt. "Die Vorgesetzten haben die Studenten angewiesen, das Bild abzuhängen", sagte ein Sprecher der Helmut-Schmidt-Universität der Deutschen Presse-Agentur und bestätigte damit einen Bericht des "Focus".

Das Bild hing im Flur eines Studentenwohnheims der Bundeswehruniversität. Nach der Affäre um den rechtsextremen Soldaten Franco A. will Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen die Truppe verändern. Dazu gehört auch die Überarbeitung des sogenannten Traditionserlasses von 1982. Dabei handelt es sich um ein umstrittenes Regelwerk, das seit mehr als 30 Jahren nicht mehr angetastet wurde. Es hält fest, wie die Bundeswehr mit ihren historischen Ursprüngen umgehen soll.

Kasernen werden durchsucht

Derzeit werden Kasernen nach Wehrmachtsandenken - etwa Stahlhelme oder Gewehre - durchsucht. "Davon sind auch wir nicht ausgenommen", sagte der Hochschulsprecher. Er wies darauf hin, dass das Konterfei verstorbenen Ehrenbürgers Hamburgs bereits seit Jahren in dem Flur hing. Es sei aufgehängt worden, lange bevor die heute studierenden Soldaten an der Universität angefangen hätten.

Bedenken im Ministerium

Nach Ansicht des Verteidigungsministeriums hätte die Fotografie nicht unbedingt abgehängt werden müssen. Die Entscheidung hätte "nicht zwingend so ausfallen müssen", teilte ein Sprecher mit.

Klare Kritik formulierte der SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold. "Dieses Beispiel beweist, dass die Ministerin Maß und Mitte verloren hat und die Truppe tief verunsichert", sagte er der "Bild". Einen Kanzler in Wehrmachtsuniform zu zeigen, der vielfach seine Zeit als Soldat kritisch und klug kommentiert habe, sei die beste Art, die Vergangenheit des Militärs unter Hitler aufzuarbeiten. "Unter dieses Bild ein Zitat von Helmut Schmidt - besser kann man nicht zeigen, wie junge Menschen in Hitlers Armee missbraucht worden sind und oft auch zu Tätern wurden", betonte Arnold.

Helmut Schmidt war von 1939 bis 1945 Soldat. Dabei kämpfte er an der Ostfront in einer Panzerdivision, war als Referent für Ausbildungsvorschriften dem Oberkommando der Luftwaffe zugeteilt und zuletzt an der Westfront als Oberleutnant und Batteriechef eingesetzt. Schmidt starb im November 2015 im Alter von 96 Jahren.

Über dieses Thema berichtete NDR 90,3 am 12. Mai 2017 um 15:00 Uhr

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