Eingang zur Staufer-Kaserne in Pfullendorf | Bildquelle: dpa

Bundeswehrskandal Gewalt in der Staufer-Kaserne

Stand: 15.02.2017 14:53 Uhr

In einer Kaserne für Elitesoldaten in Pfullendorf sind Gewaltrituale und sexuelle Erniedrigungen aufgedeckt worden. Wegen der Praktiken in der Sanitäter-Ausbildung wurden bereits Soldaten suspendiert. Von der Leyen verurteilte die Vorfälle als abstoßend.

Wegen zweifelhafter Rituale in einer baden-württembergischen Bundeswehr-Kaserne sind innerhalb der Bundeswehr Ermittlungen eingeleitet worden. In der Kaserne in Pfullendorf ist es wiederholt zu Misshandlungen von Soldaten gekommen. "Spiegel Online" hatte die Ermittlungen zunächst öffentlich gemacht und von den "sexuell-sadistische Praktiken" berichtet.

Debatte über Vorfälle in Bundeswehrkaserne
tagesschau 20:00 Uhr, 28.01.2017, Arnd Henze, ARD Berlin

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"Häufung ernstzunehmender Vorfälle"

In einer Stellungnahme des Heers ist von "einer Häufung ernstzunehmender Vorfälle" zu lesen. "Anteile der sanitätsdienstlichen 'Combat First Responder'-Ausbildung im Ausbildungszentrum Spezielle Operationen in Pfullendorf waren hinsichtlich des Gebotes zur Achtung der Würde des Menschen, der sexuellen Selbstbestimmung und des Schamgefühls unangemessen."

Geprüft würden unter anderem so genannte Aufnahmerituale unter dortigen Mannschaftsdienstsoldaten. Auch Hinweise auf Mobbing habe es gegeben. Die Staatsanwaltschaft Hechingen sei eingeschaltet.

Von der Leyen verspricht Aufklärung

Ein Sprecher des Verteidgungsministeriums bestätigte personelle Konsequenzen: Für sieben Personen sei die Entlassung und für sieben weitere Personen die Versetzung beantragt.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen verurteilte die Vorfälle als "abstoßend und widerwärtig". Die Vorgänge seien auch beschämend für alle Soldaten, die respektvoll mit ihren Kameraden umgingen, und die das Ansehen der Truppe hochhielten, sagte die CDU-Politikerin. Die Vorgänge würden "mit aller Härte aufgeklärt".

Bundeswehr-Generalinspekteur: "Defizite in der Führung"

Der Generalinspekteur der Bundeswehr, Volker Wieker, unterrichtete die Verteidigungsexperten und den Wehrbeauftragten des Bundestages von den Vorfällen. In einem Schreiben, das tagesschau.de vorliegt, teilte er mit, er habe - in Abstimmung mit Verteidigungsministerin von der Leyen - den Inspekteur des Heeres angewiesen, "die erforderlichem organisatorischen und personellen Konsequenzen unverzüglich und mit aller gebotenenen Konsequenz zu ziehen".

Auch auf der Führungsebene am Standort Pfullendorf wird es offenbar Konsequenzen geben - denn "die Häufung der bisher bekannt gewordenenen Ereignisse zeigt gravierende Defizite in der Führung", heißt es in dem Schreiben Wiekers. Der Generalinspekteur kündigte an, den Standort in den kommenden Tagen zu inspizieren. Weitere Konsequenzen seien nicht auszuschließen.

Veröffentlichung kurz vor Workshop zum Thema

Der Zeitpunkt, zu dem die Vorfälle durch "Spiegel Online" nun öffentlich wurden, erscheint nicht zufällig: Demnächst findet in der Bundeswehr ein Workshop zum Thema "Sexuelle Orientierung und Identität in der Bundeswehr" statt. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hatte dafür Kritik einstecken müssen.

Es sei "kein randständiges Thema", sondern beschäftige Tausende Angehörige der Streitkräfte, hatte sie das Vorhaben in einer Rede verteidigt. "Ich finde deshalb, dass unsere Soldatinnen und Soldaten und die Zivilbeschäftigten, egal woher sie kommen, egal, wen sie lieben, egal, an was oder wen sie glauben, nicht dem Spott dafür ausgesetzt werden dürfen, sondern unseren Respekt und unsere Anerkennung verdienen", so von der Leyen.

Pfullendorf - ein Einzelfall?

Der Bundestagsabgeordnete Alexander S. Neu geht davon aus, dass Pfullendorf kein Einzelfall ist. "Immer wieder erfahren wir von sogenannten Einzelfällen", kritisierte der Abgeordnete der Linkspartei. "Eine Ursache ist sicherlich, dass in gesellschaftlich abgeschlossenen Räumen mit Verhaltensstrukturen, die auf Befehl und Gehorsam basieren, Ventile gesucht werden", sagte er tagesschau.de. "Gewaltrituale scheinen ein beliebtes Ventil zu sein. Die Bundeswehr ist eben trotz aller coolen Werbemaßnahmen eine Armee."

Mit Informationen von Christian Thiels, tagesschau.de

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 27. Januar 2017 um 21:45 Uhr und tagesschau24 am 28. Januar 2017 um 09:00 Uhr.

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