Eurofighter | Bildquelle: picture alliance / dpa

Neue Materialmängel bei der Bundeswehr Weniger Flugstunden für Eurofighter

Stand: 30.09.2014 22:15 Uhr

Neue Hiobsbotschaft für Verteidigungsministerin von der Leyen: Sämtliche Eurofighter dürfen nur noch die Hälfte der vorgesehenen Flugstunden absolvieren. Der Grund: Qualitätsmängel bei der Fertigung. Doch die praktischen Auswirkungen halten sich in Grenzen.

Von Christian Thiels, tagesschau.de

Es ist eines der absoluten Prestigeprojekte der Bundeswehr: Der Eurofighter. Gut 134 Millionen Euro kostet ein einziges dieser Kampfflugzeuge. 109 Stück hat die Bundeswehr derzeit. Doch die dürfen nun nur noch halb so viele Flugstunden absolvieren, wie eigentlich aktuell vorgesehen. Die Industrie habe im Rahmen einer Qualitätskontrolle einen Herstellungsfehler an "einer großen Anzahl von Bohrungen am Rumpfhinterteil" des Eurofighters festgestellt, teilte die Bundeswehr auf ihrer Webseite mit.

Herstellungsfehler reduzieren Einsatzdauer des Eurofighters
tagesthemen 22:45 Uhr, Arnd Henze, ARD Berlin

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Zuvor waren die Obleute im Verteidigungsausschuss des Bundestages vom Ministerium in einem Schreiben über den Mangel informiert worden. Demnach waren beim britischen Hersteller BAE Systems offenbar Bohrlöcher unzureichend entgratet worden. Weil noch unklar ist, ob und welche Auswirkungen die Qualitätsmängel auf die Lebensdauer der Maschinen haben, hat die Industrie die aktuell zulässige Flugstundenzahl von 3000 auf 1500 reduziert.

"Das kommt zur Unzeit"

Es seien allerdings keine Auswirkungen auf die Flugsicherheit und die Einsatzfähigkeit des Waffensystems zu erwarten und auch der Ausbildungs- und Einsatzflugbetrieb sei sichergestellt - sagt zumindest die Herstellerfirma. Den Ärger in der Luftwaffe mindert das nicht. Die Bundeswehr erklärt schon mal, dass sie bis zur Klärung des Problems vorerst keine Eurofighter mehr abnehmen werde. "Das kommt zur Unzeit", heißt es aus der Truppe.

Die Ausrüstung der Bundeswehr steht wegen erheblicher Probleme aktuell besonders in der Kritik. Verteidigungsministerin von der Leyen will den gesamten Rüstungsbereich neu strukturieren, kommende Woche sollen Ergebnisse der Überprüfung der Großprojekte der Armee durch die Wirtschaftberatungsfirma KPMG vorgestellt werden. Zu den Waffensystemen, die untersucht worden sind, gehört auch das Milliardenprojekt Eurofighter. Eigentlich sollten die Jets eine Lebenserwartung von 6000 Flugstunden haben, doch bislang gab die Industrie nur maximal 3000 Stunden frei. Belastungstests seien noch nicht abgeschlossen, heißt es.

Für die deutsche Luftwaffe wird die Flugstundenhalbierung vorerst keine spürbaren Auswirkungen haben. Von den 109 Maschinen sind nur 42 überhaupt einsatzbereit, und aus Kostengründen fliegen die deutschen Jets aktuell nur rund 140 Stunden pro Jahr. Fast alle Kampfjets haben bisher nur maximal 800 Flugstunden auf dem Buckel. Die Maschine, die am häufigsten geflogen wurde, liegt bei weniger als 1100 Stunden, heißt es aus der Luftwaffe. Die Luftraumüberwachung über dem Baltikum etwa sei aktuell nicht gefährdet.

Darstellung: