Zwei Kinder gehen am in Kassel bei Regen in die Schule. | Bildquelle: dpa

Urteil des Bundessozialgerichts Versicherungsschutz für Schüler gestärkt

Stand: 23.01.2018 16:24 Uhr

Die Arbeit in schulischen Projektgruppen steht auch außerhalb des Schulgeländes grundsätzlich unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Das hat jetzt das Bundessozialgericht entschieden.

Schüler stehen bei Gruppenarbeiten außerhalb des Schulunterrichts bei Unfällen grundsätzlich unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Voraussetzung für den Schutzstatus ist, dass der Lehrer die Gruppe gebildet und den Mädchen und Jungen die Projektaufgaben zugewiesen hat.

Die Richter des Bundessozialgerichts gaben damit dem heute 20 Jahre alten Schüler Jochen Knoop recht, der im Rahmen einer schulischen Projektarbeit einen so schweren Unfall erlitt, dass er seitdem im Rollstuhl sitzt.

Kläger beim Bundessozialgericht: Jochen Knoop | Bildquelle: dpa
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Klagte beim Bundessozialgericht: Schüler Jochen Knoop

Folgenreicher Streit auf dem Heimweg

Knoop besuchte im Alter von 15 Jahren eine Realschule. Im Musikunterricht sollte er zusammen mit Klassenkameraden nach dem Schulunterricht als Projektarbeit ein Werbevideo drehen und mit Musik unterlegen. Drehzeit und Drehort waren nicht festgelegt, so dass die Schüler den Film auch daheim produzieren konnten. Allerdings wurde der Abgabetermin von der Musiklehrerin vorgegeben.

Beim Videodreh nach dem Schulunterricht geriet Knoop mit seinen Mitschülern in Streit. Auf dem Heimweg rempelte ihn ein anderer Schüler an: Der 15-Jährige stürzte und schlug mit dem Kopf auf. Seitdem ist der junge Mann, der heute eine Behindertenschule besucht, auf den Rollstuhl angewiesen.

Keine Aufsicht = keine Versicherung?

Die Unfallkasse Baden-Württemberg lehnte die Anerkennung als versicherten Schulunfall ab. Die Schüler hätten ihr Projekt außerhalb des organisatorischen Verantwortungsbereichs der Schule bearbeitet. Es habe keinerlei Aufsicht gegeben, so dass kein Unfallschutz bestehen könne.

Dem widersprach jedoch jetzt das Bundessozialgericht. Während reguläre Hausarbeiten im Verantwortungsbereich der Eltern liegen und damit kein Unfallschutz besteht, sehe das bei von der Schule veranlassten und von Schülergruppen eigenverantwortlich bearbeiteten Projekten anders aus. Denn hier sollen die Schüler auch lernen, Aufgaben gemeinsam zu lösen, auch wenn das außerhalb des Schulunterrichts stattfindet.

Bundessozialgericht urteilt zum Verantwortungsbereich Schule
tagesschau 17:00 Uhr, 23.01.2018, Christoph Dörr, HR

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"Jugendtypischer Gruppenprozess"

Für jedes Gruppenmitglied finde bei "schulisch veranlassten Gruppenarbeiten daher 'Schule' und damit ein 'Schulbesuch' ausnahmsweise an dem Ort und zu dem Zeitpunkt statt, am dem sich die Gruppe zur Durchführung der Projektarbeit trifft", so das oberste Sozialgericht.

Hier sei der Unfall auf einen jugendtypischen Gruppenprozess zurückgegangen, "dessen Ursache letztlich in der Zusammenstellung der Gruppe durch die Lehrkraft lag". Solch eine "gruppentypische Gefahr" stehe unter dem Schutz der Unfallversicherung, urteilte das Gericht.

Aktenzeichen: Bundessozialgericht B 2 U 8/16 R

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 23. Januar 2018 um 15:00 Uhr.

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