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Die deutschen Bundespräsidenten - ein Überblick:
[Bildunterschrift: Theodor Heuss (Bundespräsident 1949-1959) ]
Nach dem Studium der Nationalökonomie und Kunstgeschichte, folgte Theodor Heuss noch während seiner Promotion dem Ruf von Friedrich Naumann, um in dessen Zeitschrift Die Hilfe als Redakteur zu arbeiten Anschließend wurde er Chefredakteur bei der Heilbronner Neckarzeitung. 1910 trat Heuss der Fortschrittlichen Volkspartei bei, ehe er 1919 Mitglied der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) wurde.
Nach dem Kriegsende wirkte Heuss eifrig am Aufbau eines demokratischen Deutschland mit. Er war Mitbegründer der Demokratischen Volkspartei, die später in die FDP aufging. In den Bundestag zog er 1949 ein, nachdem er bereits das Amt des FDP-Vorsitzenden übernommen hatte. Im gleichen Jahr wurde er zum ersten Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland gewählt.
Allgemein gilt er als populäres Staatsoberhaupt. Durch beide Amtsperioden hindurch wurde ihm bestätigt, er habe durch Würde, Persönlichkeit und Geist dem Amt Gewicht gegeben und dazu beigetragen, Vorurteile der Weltöffentlichkeit gegen die Deutschen abzubauen. Gleichwohl mangelte es ihm wohl an Durchsetzungsfähigkeit. Zumindest gelang es ihm trotz etlicher Bemühungen nicht, eine neue Nationalhymne für Deutschland einzuführen. Trotzdem verkörperte er so sehr das Ideal des Bundespräsidenten, dass man 1959 eine Änderung des Grundgesetzes und eine 3. Amtsperiode erwog. Heuss lehnte aber ab. Er wollte keinen Präzedenzfall schaffen. Nach seinem Ausscheiden zog er sich in sein Haus nach Stuttgart zurück und widmete sich vor allem literarischen Arbeiten.
[Bildunterschrift: Heinrich Lübke (Bundespräsident von 1959-1969) ]
Während der Weimarer Republik engagierte sich der diplomierte Vermessungs- und Kulturingenieur Heinrich Lübke in landwirtschaftlichen Organisationen. Von 1926 bis 1933 war Lübke Direktor der Deutschen Bauernschaft, an deren Gründung er beteiligt war. Als Mitglied der Zentrumspartei gelang ihm der Einzug in den preußischen Landtag. Während des 2. Weltkriegs war Lübke Mitarbeiter im Büro des Architekten Schlempp, der für den späteren Rüstungsminister Albert Speer Aufträge durchführte. Das sollte Lübke in der Nachkriegszeit zu schaffen machen.
1945 trat Lübke der CDU bei, zog nach Stationen als Landwirtschaftsminister in Nordrhein-Westfalen im Jahre 1949 in den Bundestag ein. 1953 übernahm er das Amt des Bundesministers für Ernährung und Landwirtschaft. Im Sommer 1959 von der CDU als Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten aufgestellt, gewann er und wurde 1964 wiedergewählt.
Lübke blieb als schwaches Staatsoberhaupt in Erinnerung. Und das, obwohl er zu Anfang versucht hatte, dem Amt mehr politisches Gewicht zu geben. So hatte er einmal gar die Unterschrift unter ein verabschiedetes Gesetz verweigert. Zudem blieb er der einzige Bundespräsident, der ein wahrlich politisches Ziel erreichte – die Große Koalition. Lange hatte er sich in der Stille darum bemüht und nahm dabei den Zorn des Bundeskanzlers Ludwig Erhard in Kauf. In den letzten Jahren fiel ein deutliches Nachlassen seiner Kräfte mit gezielten Angriffen aus der DDR zusammen, die ihn wegen seiner Tätigkeit in dem oben beschriebenen Architekturbüros als „KZ-Baumeister“ diffamierte. Lübke konnte die Vorwürfe nicht schnell genug entkräften. Nach Drängen aus den eigenen Reihen, bot Lübke seinen Rücktritt 1969 an.
[Bildunterschrift: Gustav Heinemann, Bundespräsident von 1969 bis 1974 ]
Nachdem der erste Weltkrieg zu Ende war, begann Gustav Heinemann Jura und Volkswirtschaft zu studieren. Anschließend bekam er eine Anstellung als Justitiar, ehe er von 1936 bis 1949 als Vorstandsmitglied der Rheinischen Stahlwerke tätig war. Politisch aktiv war Heinemann bereits in seiner Studentenzeit. 1945 trat Heinemann der CDU bei. 1949 wurde er als Innenminister in das erste Kabinett Adenauer berufen.
Am 9. Oktober 1950 trat er – der überzeugte Pazifist, der während der NS-Herrschaft auch einer der führenden Männer der Bekennenden Kirche war – demonstrativ zurück, weil Adenauer den Westmächten ohne Wissen des Kabinetts einen Wehrbeitrag angeboten hatte. Heinemann befürchtete eine Blockierung der Deutschland-Politik. 1952 trat er aus der CDU aus, gründete die „Gesamtdeutsche Volkspartei“, die sich 1957 wieder auflöste. Heinemann ging nun in die SPD. Dann folgten Jahre als Bundestagsabgeordneter. Zudem arbeitet er in einer angesehenen Anwaltspraxis, die bspw. 1962 den „Spiegel“ gegen Minister Strauß vertrat. 1966 wurde er Bundesjustizminister und krönte seine Karriere 1969, als er zum Bundespräsidenten gewählt wurde.
Heinemann gab als erster Bundespräsident offen zu, dass Parteikalkül ihm zum Titel verholfen hatte. Seiner Beliebtheit tat dies keinen Abbruch. Besonders im Ausland wurde er geschätzt und als „das Aushängeschild eines anständigen Deutschen“ bezeichnet. Er erwies sich als friedliebender, mutiger und bescheidener Mann. Gemäß dieser Haltung, trat er mit der gebotenen Zurückhaltung konsequent für die Ostpolitik Brandts ein. Für eine zweite Amtszeit war er nicht zu haben. Als er im Alter von 76 Jahren starb, wurde Heinemann in zahlreichen Nachrufen als eine Persönlichkeit von hohem moralischen Anspruch, als unbequemer Mahner und ein im Christentum fest verwurzelter Politiker gewürdigt.
[Bildunterschrift: Walter Scheel (Bundespräsident 1974-1979) ]
Walter Scheel absolvierte nach dem Abitur eine Banklehre. Im zweiten Weltkrieg war er Oberleutnant der Luftwaffe. Nach dem Krieg war er als Geschäftsführer in der Industrie tätig. 1946 schloss er sich der FDP an, machte Karriere und übernahm 1961 unter Adenauer als Minister für wirtschaftliche Zusammenarbeit erstmals ein Regierungsamt. 1968 wurde Scheel FDP-Parteivorsitzender und als Willy Brandt 1969 mit Hilfe der FDP-Stimmen zum Bundeskanzler gewählt wurde, übernahm er das Außenressort.
1974 wurde Scheel zum Bundespräsidenten gewählt. Sein Gegenkandidat war Richard von Weizsäcker. Anders als sein Vorgänger, der gleich zu Beginn seiner Amtszeit Tabus missachtete und deutliche Zeichen einer neuen Amtsauffassung gesetzt hatte, blieb Scheel eher den Konventionen treu und betonte Repräsentation und Würde des Amtes. Rhetorisch allerdings glänzte er.
Politisch wurde er nur am Rande, aber da richtig, als er 1976 das Gesetzes zur Abschaffung der Gewissensprüfung bei Wehrdienstverweigerern nicht unterzeichnete.
Als der Zeitpunkt der Wiederwahl des Bundespräsidenten näher rückte, entspann sich ein monatelanger Parteienstreit um die Neubesetzung des Amtes, zumal sich Scheel lange bedeckt hielt. Ganz spät verzichtete Scheel endgültig auf eine erneute Kandidatur. Nach seinem dem Präsidentenamt setzte er seine rege Vortrags- und Interviewtätigkeit fort und übernahm eine Vielzahl von Ehrenämtern und Aufsichtsratsposten in der Industrie.
[Bildunterschrift: Karl Carstens (Bundespräsident 1979-1984) ]
Karl Carstens kannte als Staatsrechtler das Bundespräsidentenamt sehr genau. Nach seinem Studium der Rechtswissenschaften und Politologie eröffnete Carstens bereits im Mai 1945 eine Anwaltspraxis in Bremen. Von 1954-55 war er ständiger Vertreter der Bundesrepublik beim Europarat in Straßburg. Nach Bildung der „Großen Koalition“ 1966, wurde Carstens Staatssekretär, erst im Verteidigungsministerium, dann im Bundeskanzleramt. Mit Bildung der sozialliberalen Koalition 1969 schied er aus dem Staatsdienst aus. 1972 schaffte er dann den Sprung in den Bundestag.
Ein großer Karriereschritt gelang ihm – der erst mit 40 Jahren in die CDU eingetreten war - mit der Übernahme des CDU-Fraktionsvorsitzes im Jahre 1973. In dieser Position beeindruckte Carstens durch Sachkenntnis, verschärfte aber gleichzeitig das Klima im Bundestag durch seine polemischen Attacken.
1979 schlug er seine Herausforderin Annemarie Renger, SPD, und wurde zum Bundespräsidenten gewählt.
Die vor seinem Amtsantritt von verschiedenen Seiten geäußerten Befürchtungen, mit Carstens würde rechtskonservatives Gedankengut in die Villa Hammerschmidt einziehen, erwiesen sich als unbegründet. Zwar verteidigte er stark konservative Tugenden und Normen wie Leistungsbereitschaft, Einsatzwillen und Pflichtbewusstsein, bemühte sich aber um Objektivität und bewies dabei häufig Würde, Stil und politische Sensibilität. Populär wurde er durch seine Wanderungen durch die Republik. Im Amt gefordert war er, als er im Januar 1983 die Auflösung des Deutschen Bundestages verfügte und Neuwahlen ansetzte, nachdem 1982 die Regierung Schmidt durch ein konstruktives Misstrauensvotum durch die Regierung Kohl abgelöst worden war. Diese Entscheidung war rechtlich gesehen sehr umstritten. Carstens wollte eigentlich Neuwahlen verhindern, aber Kohl drohte: Sollte es keine Neuwahlen geben, würde er eine Verfassungsänderung betreiben, mit der dem Bundestag das Recht zur Selbstauflösung eingeräumt würde. Der Präsident wäre auch für die Zukunft in kritischen Situationen kaltgestellt worden. Carstens sprach sich frühzeitig gegen eine zweite Amtszeit aus, nach seinem Ausscheiden hielt er sich mit politischen Aktivitäten zurück.
[Bildunterschrift: Richard von Weizsäcker, Bundespräsident von 1984 bis 1994 ]
Richard von Weizsäcker stammt aus einer bekannten evangelischen Theologen- und Juristenfamilie. So lag es nahe, dass auch er Jura studierte. Doch schon während seines Studiums stieg Weizsäcker bei der Firma Mannesmann in Düsseldorf ein. 1958 verließ Weizsäcker das Unternehmen und war bis 1962 persönlich haftender Gesellschafter des Bankhauses Waldthausen und Co., das mit der Familie seiner Frau verwandt ist. CDU-Mitglied wurde er 1954, 1969 wurde er in den Bundestag gewählt. 1981 folgte das Amt als Regierender Bürgermeister von Berlin. 1984 trat er davon zurück, um im gleichen Jahr als Nachfolger von Karl Carstens zum sechsten Bundespräsidenten gewählt zu werden.
Sein Anliegen war von Anfang an nicht bloßes Repräsentieren. Er mischte sich ein, suchte vor allem die Begegnung mit Menschen, vornehmlich der Jugend, und suchte immer wieder ohne Berührungsängste die Diskussion. Dadurch bekam er den Stempel, wohl der „politischste“ Präsident gewesen zu sein. Er wirkte integrierend, obwohl er beständig dosierte Kritik wagte - etwa im Konflikt um die Hamburger Hafenstraße oder bei der Begnadigung ehemaliger RAF-Terroristen.
In besonderer Erinnerung ist seine Rede zum 40. Jahrestag des Kriegsendes am 8. Mai 1985 vor dem Bundestag, die vor allem im Ausland hohe Anerkennung fand, weil Weizsäcker sagte, dieser Tag sei für die Deutschen kein Grund zum Feiern, wohl aber ein Tag der Befreiung von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. 1989 wurde er wiedergewählt und trat in den turbulenten Zeiten des Zusammenbruchs der DDR für ein behutsames Zusammenwachsen von Ost und West ein. Zu seinem Leidwesen erlebte er mit, dass es anders kam. Vorausblickend wies er beim Staatsakt zur Wiedervereinigung 1990 Deutschland die Schlüsselrolle für eine gemeinsame Ostpolitik des Westens zu. „Sich zu vereinen, heißt teilen lernen“, mahnte er. Nach seinem Ausscheiden aus dem Amt 1994 übernahm Weizsäcker öffentliche Funktionen, u. a. den Vorsitz der Kommission zur Reform der Bundeswehr.
Roman Herzog studierte Jura, promovierte 1958 zum Dr. jur. und habilitierte sich 1964, nachdem er als wissenschaftlicher Assistent bei dem Staatsrechtler Professor Maunz in München gewirkt hatte. Anschließend lehrte er an verschiedenen Lehrstühlen. Bereits seit 1970 Mitglied der CDU, wechselte er 1973 endgültig von der Wissenschaft in die Politik. Nach Stationen als Innenminister Baden-Württembergs und Vizepräsident des Bundesverfassungsgerichts, wurde er 1987 dessen neuer Präsident. Immer wieder nahm Herzog in den folgenden Jahren auch zu politischen Fragen Stellung. Er bemängelte die zunehmende Verlagerung politischer Streitthemen nach Karlsruhe.
1994 setzte sich Herzog als Kandidat der CDU/CSU in einer Kampfabstimmung u .a. gegen Johannes Rau für das Amt des Bundespräsidenten durch. Schneller als viele Beobachter es erwartet hätten, fand er seine persönliche Rolle, die er im Inland und auf den vielen auswärtigen Besuchen in den Dienst der Integrationskraft stellt. Dabei wollte er kein Präsident zum Anfassen, sondern zum Reden und Diskutieren sein. Dazu passte, dass Herzog wie sein Vorgänger beanspruchte, ein politischer Präsident zu sein, der sich zu grundlegenden Problemen in dieser Gesellschaft zu Wort meldete.
In Umfragen war er sehr beliebt, wohl auch durch seine Grundsatzreden, in denen er sich oft als unbequemer Mahner und unbestechlicher Beobachter von Politik und Gesellschaft überall Respekt verschaffte. Als Schlüsselrede gilt seine „Ruck-Rede“, in der er mit seiner direkten Art forderte, es müsse ein Ruck durch Deutschland gehen. Nach seinem Ausscheiden wurde der Altpräsident wissenschaftlich und publizistisch tätig, talkte im Bayerischen Fernsehen und blieb überdies politisch engagiert – bis hin zum Vorsitz diverser Kommissionen.
[Bildunterschrift: Johannes Rau, (Bundespräsident von 1999 - 2004) ]
Rau wurde 1931 in Wuppertal-Barmen als Sohn eines Predigers geboren. Bereits früh engagierte sich Rau politisch. Mehrere Jahre war er Mitglied in der Gesamtdeutschen Volkspartei des späteren Bundespräsidenten Gustav Heinemann. Nach deren Auflösung folgte er 1957 seinem Mentor Heinemann in die SPD. Seit 1968 gehörte er dem Bundesvorstand der Sozialdemokraten an. Nach dem Rücktritt von Björn Engholm übernahm Rau bis zur Wahl von Rudolf Scharping für wenige Wochen auch das Amt des Parteichefs.
1958 schaffte Rau erstmals den Einzug in den Landtag von Nordrhein-Westfalen. 1978 wurde er zum Ministerpräsidenten des Bundeslandes gewählt - ein Amt, das er bis zum Mai 1998 inne hatte.
Ein Jahr später wurde Rau in Berlin zum achten Bundespräsidenten gewählt. Großes Ansehen verschaffte er sich mit seinem Auftritt vor dem israelischen Parlament und seinen Berliner Reden, in denen er klar Position bezog. Ebenso bleiben seine deutlichen Rügen im Streit um das Zuwanderungsgesetz in Erinnerung, das er trotz verfassungsrechtlicher Zweifel unterzeichnete. Auch in der Globalisierungsdebatte bezog Rau eine eigene Stellung und gab sich skeptischer als beispielsweise viele SPD-Politiker. "Ich sehe heute für das Amt des Bundespräsidenten eine doppelte Aufgabe: Er muss für die Deutschen sprechen, und er muss Minderheiten zur Sprache verhelfen", sagte Rau bei seinem Amtsantritt.
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