Schloss Bellevue, Amtssitz des Bundespräsidenten. | Bildquelle: dpa

Gaucks letzte Rede Ein Mann, ein Wort

Stand: 18.01.2017 01:24 Uhr

Es gab Ruck-Reden und Wanderlieder: Deutschlands Bundespräsidenten haben alle irgendwie ihren Platz in den Geschichtsbüchern gefunden. Ein Rückblick: Wem wird das Zitat "Equal goes it loose" zugeschrieben? Wer hielt wegweisende Reden? Und kann Gauck eigentlich singen?

Von Martin Mair, ARD-Hauptstadtstudio

"Deutschland hat mit seinen Bundespräsidenten bisher viel Glück gehabt", meinte einst Johannes Rau. Der Bundespräsident als oberster Mann im Staat. Einer mit Durchblick und Orientierung, die ihm nur selten abhanden kommt. Heinrich Lübke ist das einmal passiert, als er eine Rede zum 17. Juni halten wollte. Doch als der CDU-Politiker die Bürger ansprechen wollte, kam er nicht auf den Ortsnamen. Zuschauer riefen ihm zu, dass er in Helmstedt war und Lübke setzte seine Ansprache ungerührt fort.

Diese Szene gehört zu den echten Anekdoten des zweiten Bundespräsidenten, dem so manches  Zitat zugesprochen wird. "Equal goes it loose" etwa als Übersetzung für "Gleich geht's los". Verbrieft ist dieser Satz nicht. Im Gegensatz zur Wanderslust von Karl Carstens: "Wenn das die einzigen Spuren wären, die ich hinterlassen würde, dann wäre ich vielleicht etwas enttäuscht. Dass ich auch diese Spuren hinterlasse, das freut mich."

Die NS-Vergangenheit - immer ein Thema

Doch wirklich tiefe Spuren im Gedächtnis der Deutschen hinterlassen haben wohl doch eher andere Staatsoberhäupter. Richard von Weizsäcker etwa, der in Umfragen noch immer Deutschlands beliebtester Bundespräsident ist. Und der in den 1980er-Jahren die Sätze sagte, die noch heute vielen in Erinnerung sind: "Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung. Er hat uns alle befreit von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft."

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Richard von Weizsäcker - Sein Leben in Bildern

Sein Leben in Bildern

Richard von Weizsäcker

Er war der sechste deutsche Bundespräsident: Richard von Weizsäcker wurde am 1. Juli 1984 vereidigt.

Die deutsche NS-Vergangenheit - ein Thema, das alle bislang elf Bundespräsidenten irgendwann beschäftigt hat. Ganz zu Beginn der jungen Republik etwa Theodor Heuss: "Das teuflische Unrecht, das sich an dem jüdischen Volk vollzogen hat, muss zur Sprache gebracht werden." Denn die Sprache, sprich das Wort, ist die einzige Waffe des deutschen Staatsoberhauptes. Und im Rückblick bleibt oft ein Satz hängen - bei Roman Herzog etwa dieser: "Durch Deutschland muss ein Ruck gehen. Wir müssen Abschied nehmen von liebgewordenen Besitzständen. Alle müssen Opfer bringen, aber es müssen auch alle mitmachen."

Gute Nerven und eine Prise Humor

Mit dem Mitmachen allerdings ist das so eine Sache. Denn nicht immer folgen die Deutschen ihrem Staatsoberhaupt. Manchmal ist er, wie Christian Wulff, seiner Zeit voraus: "Der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland." Was nicht alle so sahen und sehen - mit Veränderungen ist das eben auch so eine Sache, wusste auch Johannes Rau: "Die Debatten über Veränderungen werden auch in Zukunft weitergehen. Wir müssen aber aufpassen, dass nicht unser gesamtes gesellschaftliches Leben in Bereichen immer mehr nach den Mustern von Wirtschaftlichkeit und Effizienz geprägt wird."

Bundespräsident Johannes Rau ( 1999 - 2004) | Bildquelle: picture-alliance/ dpa
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Johannes Rau war von 1999 bis 2004 Bundespräsident. (Archivfoto vom 2. Juli 1999)

Da kommt dann vielleicht doch ein bisschen Raus sozialdemokratische Seele zum Ausdruck, wenngleich der Bundespräsident über der Alltagspolitik schweben muss. Das braucht bisweilen gute Nerven und eine Prise Humor, was Walter Scheel wohl so gut wusste wie kein anderes Staatsoberhaupt. Für eine Hilfsorganisation sang er vor seiner Amtszeit das Volkslied "Hoch auf dem gelben Wagen" auf Platte und wurde berühmt. Das Lied verfolgte ihn: "Einmal sogar ist es irrtümlich, so habe ich angenommen, bei amtlichen Besuchen im Ausland als Nationalhymne gespielt worden."

Ein Fauxpas, den der derzeit amtierende erste Mann im Staat nie erleben musste. Und ob Joachim Gauck besonders gut singt, ist nicht bekannt. Die Geschichtsbücher werden klären, was von ihm alles bleibt und was vergessen wird. Heute jedenfalls die letzte große Rede. Und danach? "Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Ich stelle mir das total schön vor, eine Phase zu haben, wo ich nicht aufpassen muss, ob ich ein falsches Wort sage."

Von Ruck-Reden und Wanderliedern- die besten Sprüche der Präsidenten
M. Mair, ARD Berlin
18.01.2017 22:40 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 18. Januar 2017 um 10:45 Uhr.

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