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29.05.2012

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Inland
Gesucht wird: Generation freiwillig
Bundesfreiwilligendienst startet

Gesucht wird: Generation freiwillig

Bei der Bundeswehr tun künftig Freiwillige Dienst und bei den Wohlfahrtsverbänden arbeiten nun Bufdis statt Zivis. 35.000 Bundesfreiwillige sind das erklärte Ziel der Familienministerin - die Wirklichkeit bleibt allerdings weit dahinter zurück. Bei der Bundeswehr sieht es kaum besser aus.

Von Eva Corell, NDR, ARD-Hauptstadtstudio

Zivildienstleistender in einem Hospiz (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Die Bufdis sollen die Zivis ersetzen: Ein Zivildienstleistender bei der Betreuung in einem Hospiz ]
Für die Bundeswehr begann das neue Zeitalter schon im April. Seit diesem Zeitpunkt werden keine Wehrpflichtigen mehr eingezogen. Die Rekruten, die am 1. Januar als Letzte ihren sechsmonatigen Pflichtdienst angetreten hatten, sind verabschiedet - und jetzt ist auch der Zivildienst Geschichte.

An seine Stelle tritt der neue Bundesfreiwilligendienst, aber im zuständigen Familienministerium ist man sich darüber klar, dass dieser nie die Personalstärke des Zivildienstes erreichen wird. 35.000 Freiwillige erhofft sich Ministerin Kristina Schröder, doch bisher konnte man nicht einmal ein Zehntel davon vertraglich verpflichten, wie ihr Sprecher Hanno Schäfer bestätigte. "Wir schätzen, dass wir zwischen 2000 bis 3000 mit dem Start haben und angesichts der Umstände ist das durchaus als Erfolg zu werten."

Alles ein bisschen kurzfristig

Gerade mal sechs Wochen läuft die Werbekampagne. Alles ein bisschen kurzfristig, ein bisschen übereilt, meinen auch die Verbände. Es brauche noch mehr Zeit und eine offensive Informationspolitik, um den neuen Dienst bei der Bevölkerung bekannt zu machen.

Das Ministerium gibt sich Zeit bis nächstes Jahr, um seine Zielmarke zu erreichen. Im Sommer sei erfahrungsgemäß immer Flaute, meint Amtssprecher Schäfer, weil junge Leute anderes zu tun hätten. "Wenn es dann am Baggersee im September kühler wird und Australien durchreist ist und genug Geld verdient ist und vielleicht auch die Universität abgesagt hat, dann überlegt man noch einmal, wie es weitergeht. Von daher erwarten wir, dass im Herbst noch einmal ein Schub an Nachfragen kommt."

Persönliche Begrüßung bei der Bundeswehr

Verteidigungsminister Guttenberg (Foto: dapd) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: "Bis an die Leistungsgrenze": Stellenbeschreibung bei der Bundeswehr ]
Viel besser sieht es bei der Bundeswehr auch nicht aus. Nicht mehr als 3000 junge Frauen und Männer werden ab Montag ihren Freiwilligen Wehrdienst antreten. Diejenigen, die in Berlin einrücken, wird Verteidigungsminister Thomas de Maiziere persönlich begrüßen.

Für ihn liegt die künftige Attraktivität der Bundeswehr nicht nur im höheren Wehrsold und besseren Ausbildungschancen: "Man soll gefordert werden, auch körperlich, bis an die Leistungsgrenze. Man soll Menschen aus allen sozialen Schichten kennenlernen, Kameradschaft erfahren, Führungsverantwortung übernehmen, auch den verantwortungsvollen Umgang mit Waffen lernen. Das ist etwas was zur Reife beiträgt. Das ist alles in allem attraktiv."

Nicht zuletzt soll auch ein höherer Sold zur Attraktivität beitragen. Bis zu 1150 Euro wird der Wehrsold für Freiwillige betragen, die sich dafür zwischen zwölf und 23 Monate verpflichten müssen. Das sei mehr als viele Lehrlinge bekämen, betont der Minister.

Aber angesichts der Chancen auf dem Arbeitsmarkt vielleicht nicht genug, meint die SPD-Abgeordnete Angelika Graf. "Viele junge Leute, die vielleicht sonst zur Bundeswehr gegangen wären, sehen nun, dass es in der Wirtschaft genügend Chancen gibt. Wer wird sich für eine Bundeswehr entscheiden, die Auslandseinsätze hat, die gefährlich sind, wenn er alternativ in eine Firma gehen kann, die vielleicht auch im Ausland arbeitet?"

Bundeswehr-Werbung: "Wir dienen Deutschland"

Dass es um Leben und Tod geht, will der Verteidigungsminister nicht verschweigen. Aber auch um Ehre, das ist ihm wichtig. Der neue Werbeslogan der Bundeswehr klingt deshalb ein wenig pathetisch: "Wir dienen Deutschland - diese Überschrift haben wir für unsere Werbung", sagt Staatssekretär Christian Schmidt. Und er zählt auf: "Attraktivität, mehr Geld, mehr berufliche Sicherheit, Chancen im Zivilen - da müssen wir noch ein Stück daran arbeiten." Dennoch gibt er sich optimistisch. Bei den Soldaten auf Zeit gebe es keine Engpässe. Dort hat man bereits 70 Prozent der Freiwilligen rekrutiert, die bis Ende des Jahres gebraucht werden.

Stand: 01.07.2011 16:50 Uhr
 

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