Der Tatort mit den zugedeckten Leichen von Siegfried Buback (rechts hinten) und seines Fahrers (links) sowie der Dienstwagen des Generalbundesanwaltes in Karlsruhe | Bildquelle: picture-alliance/ dpa

Buback-Mord vor 40 Jahren Als der "Deutsche Herbst" begann

Stand: 07.04.2017 02:11 Uhr

Heute vor 40 Jahren wurde der damalige Generalbundesanwalt Buback von der RAF ermordet. Auftakt einer Anschlagsserie, die sich als "Deutscher Herbst" ins kollektive Gedächtnis gebrannt hat. Nach wie vor ist unklar: Wer gab die tödlichen Schüsse ab?

Von Klaus Hempel, ARD-Rechtsredaktion

Siegfried Buback | Bildquelle: dpa
galerie

Siegfried Buback

Es ist der 7. April 1977, ein Gründonnerstag, die Sonne scheint über Karlsruhe. Gegen 9 Uhr morgens ist Generalbundesanwalt Siegfried Buback mit seinem blauen Dienst-Mercedes auf dem Weg zu seinem Arbeitsplatz. Am Steuer sitzt sein Fahrer Wolfgang Göbel. Auf der Rückbank: Justizhauptwachtmeister Georg Wurster. Der Mercedes ist nicht gepanzert. Es gibt auch keinen Sicherheitsbeamten, der den Generalbundesanwalt begleitet. Als der Wagen an einer roten Ampel auf der Linkenheimer Landstraße hält, nähert sich von hinten rechts ein Motorrad der Marke Suzuki GS 750. Als die Ampel auf Gelb springt, feuert der Beifahrer mit einem Selbstladegewehr Heckler & Koch 43 mindestens 15 Schüsse auf die Insassen des Dienstwagens. Die Flucht der Mörder gelingt mit einem in der Nähe bereitstehenden Alfa Romeo.

Georg Wurster saß nur zufällig im Wagen

Als Sicherheitskräfte eintreffen, sind Generalbundesanwalt Buback und sein Fahrer bereits tot. Wurster, Leiter der Fahrbereitschaft der Bundesanwaltschaft, stirbt eine Woche später. Dass auch er im Dienstwagen von Buback saß, war purer Zufall. Seine Tochter Sabine Reichel erinnert sich: "Er saß zufällig hinten drin, denn das Privatauto von Herrn Buback war kaputt, es ging an diesem Morgen nicht. Mein Vater sollte nachschauen, ob er es wieder in Gang bringen kann. Das hat er wohl auch geschafft. Und deshalb saß er zufällig mit im Auto."

RAF-Planung "Margarine" zu spät entschlüsselt

Der Anschlag wurde sorgfältig geplant. Mit etwas Glück hätten die Sicherheitsbehörden sogar herausfinden können, wer im Visier der Terroristen war. Die Behörden wussten von einer geplanten Aktion, der die RAF das Schlagwort "Margarine" gegeben hatte. Aber damit konnten die Ermittler zunächst nichts anfangen. Nach dem Attentat wurde klar, wer damit gemeint war: Margarine stand für die Marke "SB" - die Initialen von Siegfried Buback.

Kurz nach dem Anschlag meldete sich die RAF mit einem Schreiben zu Wort. Ein Kommando "Ulrike Meinhof" übernahm die Verantwortung für die Morde. Begründung: Buback sei "direkt verantwortlich für die Ermordung" der RAF-Mitglieder Holger Meins, Siegfried Hausner und Ulrike Meinhof. Meins war 1974 in der Haft im Zuge eines Hungerstreiks gestorben. Hausner starb 1975 schwerverletzt nach dem Anschlag auf die deutsche Botschaft in Stockholm. Meinhof hatte sich 1976 in Stuttgart-Stammheim in ihrer Zelle erhängt.

Die Täter hüllen sich in Schweigen

Wegen der Beteiligung an dem Anschlag wurde Knut Folkerts im Juli 1980 zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt, im April 1985 Brigitte Mohnhaupt und Christian Klar. 2012 wurde Verena Becker wegen Beihilfe zum Mord zu vier Jahren Freiheitstrafe verurteilt.

Auch 40 Jahre nach dem Attentat wisse man aber immer noch nicht, wer die tödlichen Schüsse abgegeben hat, so Generalbundesanwalt Peter Frank in einem aktuellen Interview mit der ARD-Rechtsredaktion: "Wir würden das auch gerne wissen. Wir haben in all diesen Jahren immer wieder kriminaltechnische Untersuchungen vorgenommen, um genau herauszufinden: Wer saß auf dem Motorrad hinten? Wer hat geschossen?" Es sei aber nie gelungen, anhand aller kriminaltechnischen Möglichkeiten festzustellen, wer es war.

Die RAF-Täter selbst schweigen dazu. "Dieses Schweigekartell müsste aufgebrochen werden", so Frank - bislang ohne Erfolg. Das seit für die Bundesanwaltschaft und die Ermittler nicht befriedigend.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 06. April 2017 um 22:15 Uhr.

Darstellung: