Kanzlerin Merkel in der Sendung "Wahlarena" | Bildquelle: dpa

Wahlarena mit Merkel Sanft im Ton

Stand: 11.09.2017 23:32 Uhr

Entspannter Auftritt im Wahlkampfendspurt: In der ARD-Wahlarena darf sich Kanzlerin Merkel über viel Lob aus dem Publikum freuen. Selbst Kritik wird gemäßigt vorgetragen. Nur einmal droht die Sendung aus dem Ruder zu laufen.

Von Julian Heißler, tagesschau.de

Einmal droht die Stimmung dann doch kurz zu kippen. Eine gute Stunde läuft die Wahlarena im Ersten bereits, als die Moderatoren einem Mann aus Apolda das Wort erteilen. Der Gast bleibt ruhig im Ton, doch seine Frage hat es in sich. Angesichts der vielen Flüchtlinge sorge er sich vor Überfremdung, sagt er. Auch verstehe er nicht, dass Syrer in Deutschland Asyl beantragen könnten, weil sie keinen Wehrdienst leisten wollen. "Wenn unsere Großeltern das 1945 gemacht hätten, gäbe es Deutschland vermutlich gar nicht mehr", sagt er.

Angela Merkel hört zu. Schnell hebt sie die Hand, als aus dem Publikum der erste "Pfui"-Ruf in Richtung des Mannes aus Thüringen schallt. Assad sei ein Diktator, der sein eigenes Volk umbringen will, erklärt sie. Sie verweist auf die "humanitäre Notlage" im Jahr 2015, auf die Notwendigkeit, die Fluchtursachen zu bekämpfen.

"Sie müssen sich keine Sorgen um ihre Kinder machen", versucht die Kanzlerin den Fragesteller zu beruhigen. Auch nimmt sie ihn vor dem "Pfui"-Rufer in Schutz. Es gehöre zur Meinungsfreiheit, dass er diese Sorgen aussprechen dürfe, sagt Merkel. Den Vergleich mit dem Zweiten Weltkrieg ignoriert sie. Am Ende ihrer Antwort applaudiert das Publikum.

Ganze Sendung: Die Wahlarena mit Angela Merkel
12.09.2017

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Fragen aus dem "Querschnitt der Bevölkerung"

Es ist der einzige Moment, in dem die Wahlarena für Merkel aus dem Ruder laufen könnte. Ansonsten fühlt sich die Kanzlerin sichtlich wohl im Lübecker Studio. Entspannt lehnt sie am durchsichtigen Pult in der Mitte der Halle, um sie herum 150 Zuschauer, die einen "Querschnitt der Bevölkerung" abbilden sollen, wie die Moderatoren Sonia Mikich und Andreas Cichowicz zu Beginn der Sendung erklären.

Merkel war zuletzt auch andere Auftritte gewohnt. Bei Kundgebungen in den neuen Bundesländern musste sich die Kanzlerin zuletzt immer wieder auch mit lautstarken Gegendemonstranten herumschlagen. In der Wahlarena wiederum darf sie sich immer wieder auch das Lob der Fragesteller abholen. "Ich bin extremer Fan von ihr", sagt eine junge Frau mit Down-Syndrom, die der Kanzlerin eine Frage zum Thema Spätabtreibung stellt.

Ein 18-Jähriger aus Würzburg wiederum beschwert sich, dass er in seiner fränkischen Heimat ja nur die CSU wählen könnte, aber seine Stimme doch eigentlich Merkel geben wolle. Auch der Mann aus Apolda leitet seine Frage zunächst mit einem Lob ein. "Die Wirtschaftspolitik von Ihnen ist super", sagt er.

Faktensichere Kanzlerin

Dabei wird Merkel durchaus auch mit Kritik konfrontiert. Ein Pflege-Auszubildender beklagt die Zustände in seinem Berufsfeld, ein anderer junger Mann wirft ihr vor, in der Diesel-Affäre zu viel Rücksicht auf die Automobilkonzerne zu nehmen. Die Kanzlerin bleibt dennoch entspannt. Inhaltlich ist sie nach zwölf Jahren im Amt sowieso kaum aus der Bahn zu werfen - vor allem, wenn es konkret wird.

Eine junge Frau hat Angst um ihre Altersvorsorge? Merkel betet ihre Argumente für eine Riester-Rente vor - und versichert gleichzeitig, dass sie nicht vorhabe, das Rentenalter zu erhöhen. Angesprochen auf prominente Unionsvertreter, die das durchaus anders sehen, lässt die CDU-Chefin sich nicht aus dem Konzept bringen. Die Beschlüsse der Gesamtpartei gelten, verspricht sie.

Auch beim Umgang mit der Türkei weicht Merkel nicht von ihrer bisherigen Linie ab. "Wir sehen, dass die Türkei sich in schnellem Tempo von Rechtsstaatlichkeit weg entwickelt. Das nennen wir auch beim Namen", sagt sie. Den Gesprächsfaden mit dem Land wolle sie dennoch nicht abreißen lassen. Trotzdem habe das Verhalten der türkischen Regierung Konsequenzen: "Wir werden nicht über eine Erweiterung der Zollunion verhandeln und im Europäischen Rat darüber diskutieren, ob wir die Beitrittsverhandlungen suspendieren oder gar abbrechen."

Manchmal schwimmt die Kanzlerin

Merkel stellt sich Bürgerfragen in der ARD-Wahlarena
tagesthemen 22:30 Uhr, 11.09.2017, Svea Eckert, NDR

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Es ist diese Fähigkeit, die Merkels Gegner bereits in den vergangenen Wahlkämpfen zum Verzweifeln gebracht hat. Kritik scheint einfach an ihr abzuprallen. Die Kanzlerin lässt sich durch schwierige Fragen nicht aus dem Konzept bringen. Sie antwortet vielmehr mit einer abgewogenen Position, in der sich die meisten Zuschauer wiederfinden. Am Ende erntet sie so von den Fragestellern meist Nicken - und in den Umfragen zwei Wochen vor der Wahl einen gehörigen Vorsprung.

Dabei kann Merkel durchaus ins Schwimmen kommen - vor allem, wenn es um die Gesellschaftspolitik geht. Ein Moment wie bei der Wahlarena vor vier Jahren, als sie ihren damals noch geltenden Vorbehalt gegen Adoptionen durch gleichgeschlechtliche Paare noch mit ihrem "Bauchgefühl" begründete, wiederholte sich in diesem Jahr zwar nicht.

Warme Worte

Doch das Thema "Ehe für alle" ist für die Kanzlerin immer noch schwer. Warum sie dagegen gestimmt habe, will ein Mann wissen. Schließlich hätte ein Ja der Kanzlerin eine enorme Strahlkraft für schwule und lesbische Paare gehabt. Sie habe mit Nein gestimmt, weil sie die Ehe im Grundgesetz für die Verbindung für Mann und Frau halte, versucht die Kanzlerin zu erklären. Trotzdem sei sie froh, dass es durch den Bundestagsbeschluss jetzt zu einer Befriedung des Streits gekommen sei.

Der Mann ist nicht zufrieden. Er hätte sich trotzdem gewünscht, dass sie mit Ja stimmt, hakt er nach. "Damit muss ich jetzt leben", sagt die Kanzlerin.

Auch für einen Student iranischer Abstammung, der den zunehmenden Rassismus in der Bevölkerung beklagt, hat Merkel überwiegend aufmunternde Worte parat: "Lassen Sie sich Ihren Schneid nicht abkaufen", rät sie ihm. "Ich verspreche Ihnen, dass es viele Menschen gibt, die das offene Klima von Deutschland erhalten wollen." Dann schlägt sie noch vor, der Student und der Mann aus Apolda könnten sich nach der Sendung ja noch "ein Wort unterhalten".

Angela Merkel in der Wahlarena - die verständnisvolle Kanzlerin
W. Kerler, ARD Berlin
12.09.2017 12:35 Uhr

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Nach Bundeskanzlerin Angela Merkel tritt Herausforderer Martin Schulz kommende Woche in die Wahlarena - am 18. September, ebenfalls um 20.15 Uhr im Ersten.

Über dieses Thema berichtete am 11. September 2017 das Erste in der Sendung "Wahl 2017: Wahlarena - mit Angela Merkel" um 20:15 Uhr und die tagesthemen um 22:30 Uhr.

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