Fernsehwand während des Duells | Bildquelle: REUTERS

Schulz gegen Merkel Ein Hauch von Attacke - manchmal

Stand: 04.09.2017 00:06 Uhr

97 Minuten - ein bisschen Duell, oft Duett, meist Frage-Antwort-Spiel, zum Schluss Speed-Questioning. Herausforderer Schulz schlägt sich wacker, dankt vielleicht ein bisschen zu oft. Merkel ist wie immer. Und: Wichtige Themen fehlen.

Von Wenke Börnsen, tagesschau.de

Drei Wochen bis zur Wahl. Angela Merkel und ihre Union liegen weit vorn. Merkel reicht im von ihr ungeliebten TV-Duell ein Unentschieden, Schulz braucht einen klaren Sieg. Den traut ihm laut ARD-DeutschlandTrend aber nur eine Minderheit zu, selbst bei SPD-Anhängern sind die Pessimisten in der Mehrheit. Das ist die Ausgangslage. Kurz: Es sieht nicht gut aus für Schulz und seine SPD.

Ein bisschen Angriff

Und jetzt: Duell. Angriff. Endlich kann Merkel sich nicht mehr wegducken. Endlich Diskurs, Konfrontation. Doch es wird nur ein bisschen Attacke. Oft ist es auch GroKo pur. "Ich bin Frau Merkel sehr dankbar ...", "Ich stimme Frau Merkel zu". Schulz bedankt sich anfangs auch bei den Moderatoren für ihre Fragen.

Angela Merkel und Martin Schulz beim TV-Duell | Bildquelle: AP
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Mal Duell, oft Duett: Schulz und Merkel, 97 Minuten hochkonzentriert.

Das mag auch an den Themen liegen, die in den ersten 45 Minuten abgearbeitet werden: Migration, Flüchtlinge, Islam, Türkei. Schulz würde als Kanzler die Beitrittsverhandlungen mit der Türkei abbrechen. Punkt für Schulz, er ist hier klarer als die Kanzlerin. Merkel erinnert daran, dass sie die Türkei noch nie in der EU gesehen hat. Und dann zieht sie nach und sagt, sie werde mit den EU-Kollegen über eine gemeinsame Position beraten, ob "wir diese Beitrittsverhandlungen auch beenden können". Eine solche Festlegung vermied die Kanzlerin bislang.

Merkel betont auch, dass sie am Freitag mit Außenminister Sigmar Gabriel noch einig gewesen sei, keinen Abbruch zu fordern.

Und hier liegt eines von Schulz' Problemen: Er kann nicht glaubwürdig angreifen, da die SPD die vergangenen vier Jahre und bis heute recht gut zusammen mit Merkel regiert. Der Außenminister und Ex-SPD-Chef sogar so gern, dass er am liebsten weitermachen würde.

"Herr Schulz weiß das auch"

In der Flüchtlingspolitik versucht Schulz wieder ein bisschen Attacke. Merkel habe im September 2015 Fehler gemacht, sich nicht mit den europäischen Partnern abgestimmt. "Das sehe ich wirklich anders", kontert die CDU-Chefin. "Herr Schulz weiß das auch." Sie beruft sich auf die dramatische Lage mit Tausenden in Ungarn festsitzenden Flüchtlingen. "Es gibt im Leben einer Bundeskanzlerin Momente, da müssen Sie entscheiden." Im Übrigen habe sie ihr Vorgehen damals sowohl mit den Partnerstaaten Österreich und Frankreich abgestimmt als auch im Inland mit dem damaligen Außenminister Steinmeier und mit Vizekanzler Gabriel, also mit dem Koalitionspartner SPD.

Und dann schiebt Merkel doch noch etwas Selbstkritik hinterher - allerdings keine neue: Es sei ein Versäumnis gewesen, dass Deutschland ebenso wie auch andere Länder lange die dramatische Lage in den Flüchtlingslagern in Nachbarländern Syriens ignoriert habe.

Unterschiede im Klein-Klein

Thema Integration: Eine "Generationenaufgabe" (Schulz), eine "riesige Aufgabe" (Merkel). Thema Islam: Für beide sind radikale Predigten in deutschen Moscheen nicht akzeptabel. Merkel bekräftigt, dass der Islam für sie zu Deutschland gehöre, "aber einer der verfassungskonform ist". Schulz: "Der Islam ist eine Religionsgemeinschaft wie jede andere auch, die integrierbar ist in unser Land." Keine Meinungsverschiedenheiten.

Beim Einwanderungsrecht ist Schulz dafür, und nennt Kanada als Vorbild, Merkel spricht dagegen von einem Fachkräfte-Zuwanderungsgesetz. In der Sache sind die Unterschiede nicht riesig, beide wollen geregelte legale Zuwanderung. Stichwort: Kampf gegen Fachkräftemangel.

Merkel und die Rente mit 70

Die ersten 60 Minuten sind vorbei. Frage-Antwort-Frage. Nur ganz selten kommt es zum direkten Gespräch zwischen Merkel und Schulz. Ein Duell? Wohl kaum. Dann endlich zur Innenpolitik. Rente. Merkel lässt sich auf eine konkrete Aussage ein: Keine Rente mit 70. Da gebe es von ihr ein "klares Nein". Sie wies darauf, dass schon die Rente mit 67 für viele Menschen "eine große Herausforderung" sei. Wieder ein möglicher Konflikt mit der Schulz-SPD abgeräumt. Der Herausforderer kann nur noch begrüßen, dass die Kanzlerin sich nun in diesem Punkt festgelegt und damit "die sozialdemokratische Position übernommen" habe. Er äußerte allerdings Zweifel, ob Merkel nicht - ähnlich wie bei der von ihr zunächst abgelehnten Pkw-Maut - letztlich doch einer Rente mit 70 zustimmen werde.

Merkel hatte im TV-Duell mit Steinbrück 2013 die legendären Sätze gesagt: "Mit mir wird es keine Pkw-Maut geben." Es kam bekanntlich anders. Merkel windet sich, schaut kurz genervt und schlägt zurück: Die SPD habe die Maut doch mitbeschlossen. Nächstes Thema: Dieselskandal. Beide wiederholen ihre Aussagen der vergangenen Wochen.

Fernsehdebatte der Spitzenkandidaten
tagesschau 12:00 Uhr, 04.09.2017, Sabine Rau, ARD Berlin

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Bildung, Arbeitsmarkt, Familie - keine Zeit

Für "Randthemen" wie Bildung, Arbeitsmarkt, Familienpolitik, Digitalisierung bleibt kaum noch Zeit. Die Moderatoren ziehen das Tempo an, verlegen sich aufs Speed-Questioning. Kurze Frage, Ein-Wort-Antwort. Das schaffen beide Kandidaten nur gequält. Aussagekraft gering.

Und sonst: Merkel und Schulz kritisieren die Pläne von Ex-Kanzler Gerhard Schröder, beim russischen Energieriesen Rosneft als Aufsichtsrat zu arbeiten. Schulz mauert bei der Frage nach einer erneuten Großen Koalition. Bei der Linkspartei als Koalitionspartner weicht er aus. Merkel ist deutlicher und schließt Linkspartei und AfD aus. Erwartungsgemäß.

Dann ist Schluss. Schulz wirbt noch für "Mut zum Aufbruch in Zeiten des Umbruchs". Man müsse Zukunft gestalten und nicht Vergangenheit verwalten, ein Seitenhieb Richtung Dauerkanzlerin. Merkel sagt, sie wolle mit der "Neugier auf das Neue", Deutschland gestalten. Sie wünscht dann noch einen schönen Abend. Das Duell ist vorbei. 97 Minuten. Durchatmen. Für Schulz hätte es schlimmer kommen können. Für eine Trendwende reicht es aber kaum. Und Merkel kann sich wohl zum ersten Mal in ihrer Kanzlerschaft nach einem Duell als Siegerin fühlen. Dabei mag sie Duelle eigentlich gar nicht.

Der Kommentar zum TV-Duell von Rainald Becker, SWR
tagesthemen 22:55 Uhr, 03.09.2017

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Über dieses Thema berichteten die Tagesthemen am 03. September 2017 um 22:55 Uhr.

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Wenke Börnsen  Logo tagesschau.de

Wenke Börnsen, tagesschau.de

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