Infografik Partei-Hochburgen

Hochburgen der Parteien Schwarzes Herz und rotes Band

Stand: 07.09.2017 13:07 Uhr

Bei Bundestagswahlen zählt für die Parteien das bundesweite Ergebnis. Es ergibt sich aus 299 Wahlkreisen mit unterschiedlichen Mehrheiten. Wo liegen dabei die Hochburgen der Schwarzen, der Roten und der anderen Parteien?

Von Claus Hesseling für tagesschau.de

Das schwarze Herz schlägt rund um Cloppenburg und Vechta im westlichen Niedersachsen: 63,2 Prozent - über dieses Zweitstimmenergebnis konnte sich die CDU bei der Bundestagswahl 2013 im Wahlkreis 32 freuen. So etwas erreichte selbst die sonst so prozent-starke Schwesterpartei CSU in Bayern nicht.

tagesschau.de hat die Ergebnisse der vergangenen Bundestagswahlen ausgewertet und auf Basis des aktuellen Zuschnitts der Wahlkreise für die Bundestagswahl 2017 umgerechnet. Die Frage dabei lautete: Wo haben die einzelnen Parteien besonders gut abgeschnitten, und zwar nicht nur bei der Wahl vor vier Jahren, sondern bei allen Bundestagswahlen seit 1994?

Schwarzes Stammland: Bayern und das Emsland

Das Ergebnis: CDU und CSU konnten sich bisher am häufigsten auf ihre Stammwähler verlassen. 22 der 299 Wahlkreise für die Bundestagswahl 2017 waren bisher fest in der Hand der Union. Bei allen sechs Bundestagswahlen seit 1994 erzielten die konservativen Schwesterparteien hier Zweitstimmenergebnisse weit über dem Bundesdurchschnitt.

Außer Cloppenburg-Vechta und dem Nachbarwahlkreis Mittelems liegen alle anderen dieser Hochburgen in Bayern. Im nordrhein-westfälischen Wahlkreis Borken II fuhr die CDU bei allen Wahlen ebenfalls besonders starke Ergebnisse ein - mit Ausnahme von 2002. CDU und CSU erreichten seit 1994 insgesamt 228 Mal Wahlkreisergebnisse, die mindestens zehn Prozentpunkte über dem Bundesschnitt lagen.

Rotes Herz? Rotes Band!

Nicht weit dahinter folgt die SPD: Sie verbuchte seit 1994 in 213 Fällen Wahlkreisergebnisse, die deutlich höher lagen als ihr bundesweiter Zweitstimmenanteil. Treue SPD-Wähler wohnen vor allem im Ruhrgebiet: Im Wahlkreis Herne-Bochum II kam die SPD 2013 auf 43,9 Prozent. Ähnlich hoch waren die Ergebnisse in Dortmund, Oberhausen, Duisburg, Recklinghausen oder Essen.

Die SPD kann aber auch auf andere Regionen bauen: Ostfriesland, Nordhessen und Südniedersachsen. Im Wahlkreis Aurich-Emden konnten die Sozialdemokraten in allen untersuchten Wahlen deutlich mehr Zweitstimmen verbuchen als im Bundesschnitt. Und vom Umland rund um Hannover bis nach Fulda zeigt sich auf der Karte ein rotes Band von SPD-Hochburgen. Insgesamt 20 der 299 Wahlkreise hat die SPD seit 1994 immer mit mehr als zehn Prozentpunkten Unterschied im Vergleich mit dem bundesweiten Zweitstimmenanteil gewonnen.

Die Linke: Im Osten überall überdurchschnittlich

Schwierig ist die Analyse bei der Partei Die Linke (ehem. Linkspartei.PDS, PDS, WASG). Da die Zweistimmenergebnisse im Osten und Westen sehr unterschiedlich sind, werden die Ergebnisse teilweise verzerrt. Da das bundesweite Zweitstimmenergebnis der Partei sehr viel niedriger ausfällt als die Ergebnisse in vielen ostdeutschen Wahlkreisen, ist fast jeder Wahlkreis in Ostdeutschland eine Hochburg für Die Linke.

Logo der Partei Die Linke
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Aufgrund der Unterschiede im Wahlverhalten zwischen Ost- und Westdeutschland ist fast jeder ostdeutsche Wahlkreis eine Hochburg für Die Linke.

Konstant die besten Ergebnisse erzielte die Partei in Brandenburg, östlich von Berlin. In den beiden Wahlkreisen Märkisch-Oderland-Barnim II und Frankfurt (Oder)-Oder-Spree fuhr die Partei bei fast allen Bundestagswahlen überdurchschnittlich starke Zweitstimmenergebnisse ein.

Aber nicht nur in Ostdeutschland gibt es Wahlkreise, in denen Die Linke bei den vergangenen Wahlen vergleichbar gut abgeschnitten hat. Im äußersten Westen Deutschlands hat die Partei ebenfalls Anhänger, die ihr die Treue halten - im Saarland.

Allerdings: In ihren Hochburgen verbuchte Die Linke zwar starke Ergebnisse weit über 20 Prozent der Zweitstimmen - doch die Mehrheit lag trotzdem häufig bei CDU oder SPD.

Die Grünen: Urbane Stammwähler

Die Hochburgen der Grünen liegen verstreut über ganz Deutschland, aber stark ist die Partei vor allem in städtischen Wahlkreisen: In Münster, Frankfurt am Main, Heidelberg, Tübingen und Freiburg konnten Bündnis 90/Die Grünen bei allen sechs Wahlen seit 1994 Ergebnisse deutlich über dem Bundesschnitt erzielen. In Freiburg verpasste die Partei bei der Bundestagswahl 2013 die 20-Prozentmarke der Zweitstimmen nur knapp.

Stimmzettel für die Bundestagswahl 2017 | Bildquelle: dpa
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Frankfurt am Main II gehört zu den Wahlkreisen, in denen regelmäßig besonders viele Wähler ihre Stimme für die Grünen abgeben.

FDP: Stark rund um Frankfurt und Bonn

Zurück in den Bundestag möchten die Liberalen. Der Wahlkreis 181 Main-Taunus in Hessen könnte ihnen dabei helfen. Hier hat die FDP in vier der vergangenen sechs Bundestagswahlen Zweitstimmenergebnisse erzielen können, die mehr als fünf Prozentpunkte über dem Bundesschnitt lagen.

Auch im Wahlkreis Rhein-Sieg II in Nordrhein-Westfalen schnitt die FDP immer wieder vergleichbar gut ab. Aber die Treue die FDP-Wähler hat ihre Grenzen: Bei der Bundestagswahl 2013 konnten die Liberalen in keinem Wahlkreis ein Ergebnis einfahren, das fünf Prozentpunkte über dem Bundesergebnis von 4,8 Prozent lag.

Zur Methodik

Die vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Zweitstimmenergebnisse der Bundestagswahlen 1994 bis 2013 hat tagesschau.de auf Gemeindeebene ausgewertet. Die Ergebnisse von mehr als 11.000 Gemeinden wurden so berechnet, dass sie zu der Wahlkreiseinteilung 2017 passen. Denn: Wahlkreisgrenzen verschieben sich.

Was ist eine Hochburg? Für die Volksparteien wurden für diese Auswertung alle Wahlkreis als Hochburgen eingestuft, in denen sie mehr als zehn Prozentpunkte über dem Bundesergebnis lagen. Bei den kleineren Parteien wurden Wahlkreise mit einem Plus von fünf Prozentpunkten als Hochburgen gewertet. Die Linke bildet wie beschrieben eine Ausnahme.

Allerdings gibt es dabei Unschärfen: Da jeweils nur das Zweitstimmenergebnis einer Stadt vorliegt, kann bei großen Städten mit mehreren Wahlkreisen (vor allem Berlin und Hamburg) keine Analyse vorgenommen werden. Außerdem wurden bei den ersten Bundestagswahlen nach der Wiedervereinigung Briefwahlstimmen nicht immer der richtigen Gemeinde zugeordnet, sondern beispielsweise von einer Nachbargemeinde ausgezählt und dort eingerechnet. Besonders stark ist dieser Effekt bei der Bundestagswahl 1990, deshalb wurde auf die Analyse verzichtet. Zusätzlich erschweren Gemeindegebietsreformen, beispielsweise Fusionen von Gemeinden, die Berechnung.

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