Pro und Contra

Wählen mit 16 - gute Idee?

Stand: 15.09.2017 16:59 Uhr

Schon mit 16 den Bundestag wählen zu können, ist wichtig, meint Demian von Osten. Politiker würden sich so mehr um junge Wähler bemühen. Juliane Fliegenschmidt hält dagegen: Jugendliche seien in dem Alter leicht manipulierbar.

Pro: Jugendliche sollten mitbestimmen dürfen

Von Demian von Osten, WDR

Wählen mit 16 - das geht schon jetzt in Deutschland. Bei Kommunalwahlen in zehn Bundesländern können Minderjährige abstimmen, in vier Bundesländern sogar bei Landtagswahlen. Warum also sollte man 16- und 17-Jährigen verweigern, auch den Deutschen Bundestag mitzubestimmen?

Schließlich gehen die vom Parlament getroffenen Entscheidungen die Jugendlichen genauso an - zum Teil sogar viel länger als ältere Erwachsene. Eine Rentenreform zum Beispiel. Die heute 16- und 17-Jährigen sollten dabei mitentscheiden können, wer ihre Interessen im Parlament vertritt.

Gegengewicht zu alten Wählern

Denn erstmals ist laut einer Studie die größte Wählergruppe bei der Bundestagswahl die der über 60-Jährigen. Und seien wir ehrlich: Politiker und Parteien richten sich insbesondere vor Wahlen ganz genau nach ihren potenziellen Wählern. 16- und 17-Jährige könnten da schon ein kleines, aber wichtiges Gegengewicht bilden zur Übermacht der Älteren in Deutschland. Denn: Parteien wären gezwungen, auch um die Stimmen der jungen Wähler zu buhlen - und Politikideen zu entwickeln, die sie ansprechen.

Und das Argument, 16- und 17-Jährige könnten noch keine guten Wahlentscheidungen treffen, ist Unsinn. Heute machen die 17-Jährigen Abitur. Oder andere sind da schon in der Ausbildung, verdienen Geld und zahlen Steuern. Da sollte man ihnen doch nicht verbieten, am demokratischen Prozess teilzunehmen.

Gute politische Bildung wichtig

Und wer behauptet, Jugendliche in dem Alter könnten so leicht manipuliert werden, dem sei gesagt: Gute politische Bildung in der Schule kann auch 16- und 17-Jährige zu mündigen Bürgern machen. Es wäre wünschenswert, sich verstärkt um solche politische Bildung gleichzeitig mit der Senkung des Wahlalters zu kümmern. Das wäre ein doppelter Gewinn für unsere Demokratie.

Contra: 16-Jährige noch nicht reif fürs Wählen

Von Juliane Fliegenschmidt, WDR

Mit 16 ist man nur beschränkt geschäftsfähig, darf ohne Einwilligung der Eltern keine Verträge abschließen, nicht heiraten, keinen Schnaps trinken. Vor dem Richter kann man sogar über das 18. Lebensjahr hinaus noch nach Jugendstrafrecht bestraft werden, wenn er findet, man sei zum Tatzeitpunkt noch nicht reif genug gewesen. Aber wählen können - das sollte man schon mit 16?

Wegweiser zu einem Wahlraum

Jugendliche leicht manipulierbar

Nein, das Gesetz hat die Grenze der Volljährigkeit mit gutem Grund bei 18 Jahren angesetzt. Dann, wenn die Pubertät abgeschlossen ist und aus Jugendlichen Erwachsene geworden sind. Auch beim Wahlalter sollte man sich an dieser gesetzlichen Volljährigkeit orientieren.

Die Pubertät ist eine Zeit, in der sich ein junger Mensch geschützt entwickeln soll. In der sich Jugendliche ausprobieren, reifer werden. Eine Zeit, in der sich junge Menschen erst eine Meinung bilden - und manches Mal auch besonders extremen Meinungen anhängen, auch um das mal auszuprobieren. Eine Zeit also, in der sich junge Menschen auch leichter manipulieren ließen - keine gute Phase fürs erste Wählen.

Niedrige Wahlbeteiligung bei Jungwählern

Und wenn man auf die Wahlbeteiligung junger Wähler schaut, könnte man auf die Idee kommen: Viele Junge sehen das ähnlich. Bei der vergangenen Bundestagswahl sind viele Erstwähler zu Hause geblieben. Die Wahlbeteiligung der 18- bis 21-Jährigen lag 7,3 Prozent unter der Gesamtwahlbeteiligung. Seit den 1990er-Jahren ist sie immer weiter gesunken.

Würde sich das ändern, wenn man noch früher wählen könnte? Wohl kaum. Eher dadurch, dass die Parteien die Themen und Probleme stärker in den Blick nehmen, die die jungen Menschen in unserem Land bewegen.