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#kurzerklärt Wie gerecht sind unsere Steuern?

Stand: 20.09.2017 20:08 Uhr

Ein Wahlkampf ohne Steuerversprechen? Den kann es anscheinend nicht geben. Auch 2017 kommen in allen Wahlprogrammen wieder Steuerentlastungen vor. Doch wer zahlt im Moment eigentlich wie viel - und wie gerecht ist unser Steuersystem?

Von Juliane Fliegenschmidt, WDR

Sie ist die wichtigste Steuer für den deutschen Staat: die Einkommenssteuer. Rechnet man den Solidaritätszuschlag hinzu, bringt sie dieses Jahr geschätzte 295 Milliarden Euro ein. Das sind mehr als 40 Prozent aller Steuern, die der Bund, die Länder und Gemeinden zusammen einnehmen.

Wer zahlt die Einkommensteuer?

Alle, die arbeiten und mehr als 8820 Euro im Jahr verdienen, müssen Einkommensteuer bezahlen. Aber auch ein Großteil der Rentner muss eine Steuererklärung machen. Mehr als 46 Millionen Menschen sind einkommensteuerpflichtig.

#kurzerklärt: Wie gerecht sind unsere Steuern?
nachtmagazin 01:00, 20.09.2017, Juliane Fliegenschmidt, WDR

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Wie viel Einkommensteuer muss man zahlen?

Steuern sollen nicht nur dazu dienen, dem Staat Geld für Verwaltung, Polizei, Straßen, Schulen und vieles mehr zur Verfügung zu stellen - sie sollen in einem zweiten Schritt auch zu einem sozialen Ausgleich führen. Deshalb gibt es in Deutschland ein progressives Steuersystem: Das heißt, wer mehr verdient, hat auch einen höheren Steuersatz, muss also auch prozentual mehr Steuern zahlen.

Für dieses Jahr bedeutet das genau: Wer weniger als 8820 Euro im Jahr verdient, braucht gar keine Steuern zu zahlen. Ab dieser Grenze steigert sich der Steuersatz von 14 Prozent bis zu einem Spitzensteuersatz von 42 Prozent. Jeder Euro, der über einem Jahreseinkommen von 54.058 Euro liegt, wird mit diesen 42 Prozent besteuert.

Übrigens war der Spitzensteuersatz noch nie so niedrig wie heute. In den 1980er-Jahren lag er noch bei 56 Prozent, wurde dann von unterschiedlichen Regierungskoalitionen immer wieder gesenkt.

Seit 2007 gibt es außerdem noch eine weitere Stufe: die sogenannte Reichensteuer. Sie beträgt 45 Prozent und wird bei Singles ab einem Einkommen von 256.304 Euro pro Jahr fällig.

Wie gerecht ist die Einkommensteuer verteilt?

Dieses System des sozialen Ausgleichs geht auf: 60 Prozent der gesamten Einkommensteuer werden von den reichsten zehn Prozent der Haushalte getragen. Das sind alle Haushalte, die mehr als 62.400 Euro zu versteuerndes Einkommen haben. Auf den ersten Blick ist also unser Steuersystem gerecht, wenn die, die viel haben, prozentual viel mehr zahlen.

Ist damit alles in Ordnung?

Nein, denn der Nettolohn wird nicht nur durch die Einkommensteuer bestimmt. Es müssen auch noch vom Bruttolohn die Sozialabgaben abgezogen werden, wie beispielsweise die Beiträge für die Kranken-, Arbeitslosen- und Rentenversicherung. Hinzu kommen wiederum die Transferleistungen, wie zum Beispiel Wohngeld oder Kindergeld. Sie können den Nettolohn wiederum ein wenig erhöhen. All das bestimmt den Betrag, den jeder einzelne letztlich zum Leben übrig hat.

Viele Kritiker sagen, dass man deshalb auch nicht die Einkommensteuer isoliert betrachten darf. Erst der Blick aufs Gesamtsystem macht die Ungerechtigkeiten deutlich.

Genau das hat Andreas Peichl, Professor für Volkswirtschaft am ifo-Institut, für eine Studie der Bertelsmann Stiftung getan. Zwei Beispiele seiner Berechnungen machen die Ungerechtigkeit deutlich: Wenn ein Single mit 17.000 Euro brutto im Jahr ein wenig mehr verdient, hat er davon nichts. Von einem weiteren Euro Lohn bliebe ihm nämlich netto nichts übrig. Die Begründung: Er würde nicht nur mehr Sozialabgaben zahlen, sondern auch Leistungskürzungen, etwa beim Wohngeld, hinnehmen müssen.

Jemand der viel verdient, im Beispiel der Bertelsmann Stiftung ein Single mit 75.000 Euro brutto im Jahr, kann dagegen von einem weiteren verdienten Euro 56 Cent behalten.

Mehr als 500 Möglichkeiten Kosten abzusetzen

Das heißt, dass tendenziell Beschäftigte mit geringem Verdienst vom System aus Steuern und Abgaben benachteiligt werden. Für sie kommt noch eine weitere Ungerechtigkeit des deutschen Steuersystems hinzu: Es gibt mehr als 500 Möglichkeiten, Kosten von der Steuer abzusetzen. Und wer wenig verdient, kann logischer Weise weniger absetzen. Außerdem gilt: Den Durchblick durch den Dschungel an Möglichkeiten haben eigentlich nur Steuerberater - und die kann sich sowieso nur leisten, wer genug verdient.

Also: Auf dem Papier ist unser Steuersystem gerecht. Schaut man aber auf alles, was aus einem Bruttolohn einen Nettolohn macht, wird klar: Arbeitnehmer mit kleinem Einkommen können durch unser Steuersystem benachteiligt werden.

Über dieses Thema berichtete das nachtmagazin am 20. September 2017 um 01:00 Uhr.

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